Das größte Holgebäude der Bundesrepublik

Das Schmuttertal-Gymnasium beeindruckte bei der Einweihung die Festgäste durch die spannende Architektur. (Foto: Jutta Kaiser-Wiatrek)

Es ist das größte Holzgebäude Deutschlands und ein architektonisches Wunderwerk: das neue Schmuttertal-Gymnasium in Diedorf. Am Dienstag wurde es mit einem Festakt seiner Bestimmung übergeben.

„Menschen haben hier ihr Bestes gegeben, das merkt man in jedem Winkel des Hauses“, lobte Hausherr und Leiter des Schmuttertal-Gymnasiums Günter Manhard bei der Einweihungsfeier. Er ließ keinen Zweifel daran, dass mit dem Gymnasium in Diedorf ein großartiger Bildungstempel entstanden sei.

Das Thema „Pädagogische Architektur“ spielte bei der Planung eine große Rolle. Die Klassenräume jeder Jahrgangsstufe sind dabei geschossweise um einen zentralen Lern- und Kommunikationsbereich, den Marktplatz, gruppiert, in welchem sich zusätzliche Lernmaterialien und Computerplätze befinden. Die auf das pädagogische Konzept abgestimmte Architektur bietet optimale Voraussetzungen für einen methodisch vielfältigen, schüler- und kompetenzorientierten Unterricht. Damit wird den Schülern individuelles und selbsttätiges Lernen ermöglicht. Für das Lernen in offenen Lernlandschaften hat sich die Schule fünf besondere Werte ausgesucht. Schüler und Lehrer haben sich für Toleranz, Einsatz für die Gemeinschaft, Achtung von Gefühlen, Mut zur Verantwortung, Selbstvertrauen und Würde entschieden. Entstanden ist daraus ein festes Wertefundament, das von Eltern-, Schülervertretern und Lehrern an diesem Tag feierlich vorgestellt und durch Unterschrift in Kraft gesetzt wurde.

Nach der kirchlichen Segnung des Hauses durch den Diedorfer Pfarrer Peter Fischer konnten die Festgäste sich bei einem Rundgang einen Eindruck des neuesten Gymnasiums des Landkreises verschaffen, dessen Schulensemble aus vier getrennten, rechteckigen Gebäudekomplexen, dem Klassenhaus I und II, der Aula und der Sporthalle besteht. Das zentrale Eingangsgebäude nimmt die „öffentlichen“ Funktionen wie Aula mit überdachtem Versammlungsraum und Bühne, Musikräume, Mensa, Verwaltung und Bibliothek auf. In den zwei dreigeschossigen „Lernhäusern“ sind im Erdgeschoss die Fachklassen und in den Obergeschossen die Klassenräume der einzelnen Jahrgänge untergebracht.

Die Holzbauweise als auch der „Passiv Plus-Standard“, durch den das Gebäude mehr Energie liefert als durch seine Nutzung verbraucht wird, machen den Neubau zu einem energetisch vorbildlichen Projekt. Der Freistaat Bayern hat den Neubau mit rund zwölf Millionen Euro unterstützt.

Landrat Martin Sailer war in aufgeräumter Stimmung über das gelungene Projekt des Landkreises, die erste Plusenergieschule in Holzbauweise. „Es ist ein historischer Tag für den Landkreis und die Marktgemeinde Diedorf“, erklärte er. Als er 2008 Landrat wurde, hätte er es sich nicht träumen lassen, dass die Idee zu dieser Schule Wirklichkeit werden würde „Doch heute steht hier Europas größter Holzbau mit neuem pädagogischen Konzept“, übertrieb er in seiner Freude ein wenig, das Gymnasium hält nur den deutschlandweiten Rekord.

Unter den Festgästen war auch Bildungsminister Ludwig Spaenle, der den Bau durch mehrere Besuche interessiert begleitet und damit fast schon so etwas wie eine Patenschaft übernommen hatte. „Ich war selten so gern auf dem Holzweg wie hier. Es ist ein Traum“, verlieh Spaenle seiner Begeisterung Ausdruck.
„Das Schmuttertal Gymnasium hat den Betrieb zu Schuljahresbeginn aufgenommen“, freute sich auch Peter Högg, der Bürgermeister der Marktgemeinde, die den Weg frühzeitig für den Bau des Gymnasiums ebnete. „Die Marktgemeinde sorgt für ihre Schulen“, machte er darauf aufmerksam, dass Diedorf in Eigeninitiative den Sicherheitsstandard am direkt dem Schmuttertal-Gymnasium gegenüber liegenden Bahnhof einschließlich einer neuen Bahnunterführung in die Hand genommen hat.

Dass hier etwas ganz Besonderes, etwas Neues und Nachhaltiges entstand, ist Kreisbaumeister Frank Schwindling zu verdanken, dessen Idee das Gebäude war. Er, der die Schule in- und auswendig kennt, erhielt zum Dank dafür von Landrat Sailer einen Rundflug über das Schmuttertal-Gymnasium, damit er den Bau auch aus dieser Perspektive kennenlerne.

Von Jutta Kaiser-Wiatrek
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