Der Weg ist auch in Diedorf das Ziel

Das Team des Eukitea-Theaters in Diedorf erarbeitet mit Flüchtlingen in einem Workshop ein Kulturprogramm, bei dem sie für kurze Zeit Abstand zu ihren Schicksalen bekommen.

Immer mehr junge Menschen aus Krisengebieten suchen Sicherheit in anderen Ländern. Auf eine sichere Zukunft bei uns hoffen auch jene zehn Flüchtlinge aus dem Landkreis Augsburg, die zusammen mit den Theater Eukitea in Diedorf in einem Workshop ein kleines Programm erarbeitet haben, das am vergangenen Sonntag dort zu sehen war.

Die jungen Männer stammen aus Afghanistan, Eritrea, Bali, Gambia, dem Senegal, Uganda und Nigeria. Sie sind zwischen acht Monaten und zwei Jahren inzwischen in Deutschland. Die Idee zu dem Theaterprojekt mit jungen Flüchtlingen war bereits im Jahr 2012 im Rahmen der europäischen Jugendbegegnung "Youth in Action" entstanden. Damals hatten sich in Diedorf 40 Jugendliche aus fünf verschiedenen Ländern eine Woche lang zu Workshops mit Tanz und Musik getroffen. "Thema war damals die Frage 'In welcher Welt wollen wir leben - welche Visionen für die Zukunft haben junge Leute'", erklärt der Theater-Allrounder Olaf Dröge, der auch den derzeitigen Workshop begleitet. Unter anderem ging es um die Flüchtlingsproblematik. Dabei stellte sich heraus, dass ein Mitglied der Gruppe ein Flüchtling war. Sein Schicksal hat alle Beteiligten damals sehr bewegt. "Daraus entstand die Idee, mit der Zielgruppe direkt zu arbeiten", erinnert sich Dröge. Doch die Idee lag lange in der Schublade. Ende vergangenen Jahres stellte völlig unbürokratisch und schnell das Landratsamt die Mittel für dieses Projekt zur Verfügung. "Es handelt sich um ein absolutes Pilotprojekt mit dieser Zielgruppe", erklären die beiden Leiter des Workshops Olaf Dröge und Raffaella Tempesta, die in den zwei Monaten Vorbereitungszeit auch ihre Erfahrungen mit den teils sehr traumatisierten jungen Menschen machen mussten. "Wie kann es gehen, in zwei Monaten die Truppe im besten Sinne zusammen zu bringen?", war für sie eine elementare Frage vor den Workshops.

Am Anfang waren es 15 Teilnehmer, fünf sind in den vergangenen Wochen abgesprungen. Sie waren psychisch oder physisch krank oder ein unsicherer Aufenthaltsstatus bereitete ihnen Sorge, so dass sie von einer weiteren Teilnahme absahen. "Es ist ein Angebot, ein Experimentieren. Die Frage dabei ist: Was können wir ihnen geben?", sieht Dröge die Zusammenarbeit mit den Asylanten. Inzwischen aber ist er sich sicher, dass er und seine Kollegin den jungen Flüchtlingen mit dieser Arbeit durchaus viel mitgeben. "Zum Teil bekommen wir es persönlich als Rückmeldung, zum Teil erfahren wir es von Betreuern", freuen sich die Beiden über eine große Bestätigung ihrer Arbeit.

Für die Teilnehmer ist es einfach schön am Workshop teilnehmen zu können. Hier wird von ihnen nichts gefordert, sie müssen nichts können, nicht funktionieren, sondern dürfen einfach Spaß haben. Und das ist ihnen anzusehen. Ihre Schicksale und Erlebnisse scheinen für die Zeit des Workshops vergessen, zumindest aber verdrängt. Barfuß tanzen sie gelöst zur Reggea-Musik und lernen dabei wieder festen Boden unter den Füßen zu gewinnen.

Ein Problem bildet nur die Sprachbarriere. "Manche haben gar keine, andere nur ganz rudimentäre deutsche Sprachkenntnisse. Wir behelfen uns mit allen möglichen Sprachen, sprechen viel französisch", erklärt Dröge. Am besten aber können sich alle hier mit der Sprache des Theaters, der Sprache des Gefühls verständigen. Ein Gesprächskreis im Laufe des Workshops sollte den Teilnehmern helfen, sich zu öffnen.

"Nur nach und nach öffneten sie sich, plötzlich aber platzte der Knoten. Wir lernten uns näher kennen und die Workshop-Teilnehmer gewannen Vertrauen und erzählten von ihrer Vergangenheit. Davon, dass sie Mutter oder Bruder verloren hatten, zwei Jahre mit einem Seelenverkäufer über das Mittelmeer schipperten, eben all diese Geschichten, die wir tagtäglich in der Zeitung lesen. Hier holen sie dich ein", zeigt sich Dröge tief beeindruckt.

Eigentlich sollte das Ergebnis des Workshops nur im kleinen, geladenen Kreis gezeigt werden. Das Projekt stieß aber auf großes Interesse. Eine gute halbe Stunde lang präsentierten die jungen Flüchtlinge das, was sie sich in den vergangenen Monaten erarbeitet hatten in Bildern, Tanz und Bewegungen.
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