" Vom Schrei der Hände", eine neue Jahresausstellung im Haus der Kulturen Diedorf

Standarte der Kykladenkulturen
 
Ewe aus Ghana: Seelenboot
 
Kornspeichertür der Dogon in Mali: "Bestiehlst Du mich, empfinde ich höchste Not und Verzweiflung"
Diedorf: haus der kulturen | Moment, werden Sie jetzt denken, habe ich da richtig gelesen? Menschen können schreien, aber Hände sind doch stumm! Menschen schreien aus Schmerz und Verzweiflung in einer von Krieg erschütterten Zone im früher noch friedvollen Gebiet des fruchtbaren Halbmonds in Syrien und im Irak. Menschen schreien aus Enttäuschung und Wut an den geschlossenen Grenzen der Balkanroute . Kennen Sie die Fotos und Fernsehberichte, haben Sie die flehend emporgereckten Arme, die verweinten Gesichter, die Enttäuschung in den aufgerissenen Augen, vielleicht auch die Fäuste der Leute gesehen, die noch hoffen, dort hindurch zu kommen? Oder gehören Sie zu denen, die sagen, was geht mich das an und zum anderen Fernsehkanal mit der leichteren Muse hinüber schunkeln? Jetzt aber wissen Sie, was mit " Schrei der Hände" gemeint ist, die Zeichen, die man auch ohne Kenntnis einer fremden Sprache leicht verstehen könnte, die Gestik, Haltung und die Mimik. Diese Sprache ohne Worte wollen wir ab dem 1. Mai, dem Tag der Arbeit, der Solidarität, mit einer Ausstellung im Haus der Kulturen in Diedorf in der Lindenstrasse 1 beleuchten. Ich darf Ihnen jetzt schon versprechen , es wird keine langweilig belehrende Ausstellung sein, bei der ein genervter Führer zum wiederholten Mal, seinen auswendig gelernten Text, der unsere Sinne kalt lässt , von sich gibt. Es gibt viel zu sehen, selber zu entdecken und bei den Besichtigungen auf interessante neue eigene Gedanken zu kommen.
Kunst scheint zwar Manchem manchmal unsinnig ,ist aber, so wie sie bei uns in Diedorf gezeigt wird, immer etwas für die Sinne, etwas zum erleben, Anfassen, Begreifen, Neuinterpretieren. Und das geschieht im Haus der Kulturen immer in einem Vergleich unterschiedlicher Lebensbereiche. Wir wollen moderne Kunst, heimatliches Brauchtum und fremdes Kulturempfinden hier in Diedorf auf einer gemeinsamen Bühne zu einem gegenseitigen Dialog bringen.
Die Aussagekraft unser Körpergestik ist es hier, die so verschiedene Dinge, wie die scheinbar "primitiven", derben Figuren der Naturvölker, hier vor Allem aus Afrika und Ozeanien, in ihrer Gegenständlichkeit zum Gegenpol der abstrakten, eher ganz ungegenständlichen Bilder von Norbert Kiening macht. Hierbei sind beide Welten aber eben trotz aller Gegensätze durch die Form des Expressiven, ganz auf Ausdrucksstärke hin gedachten, möglicherweise wieder doch ganz nahe und nur durch dünne Wände getrennt in zwei Parrallelwelten beheimatet.
Was beide Welten zunächst ganz einfach verbindet, ist die Auseinandersetzung mit dem Werkstoff Holz, der naturgewachsen und zufällig gestaltet mit Maserung, die sich ihre eigenen Wege sucht, mit Ästen, die einem in die Quere liegen wollen, heftige körperliche Herausforderung , ja schon eigenständig gegenarbeitende Bewegung ist. Jeder Muskel des Schnitzers ist gespannt und gestisch gefordert.

Was die Kulturschaffenden trennt, sind vornehmlich zunächst die Erwartungshaltungen Ihrer ursprünglich so kulturell und in der Wahrnehmung Ihrer Umwelt so anders empfindenden Mitmenschen in beiden Kulturkreisen hier bei uns wie dort in Afrika.

Der einfache Handwerker, der Laienschnitzer geht in Afrika mit seiner gegenständlichen Seh- und Tasterfahrung an die Aufgabe heran, innere Bewegung und äusseres Bewegtsein zu zeigen, um den Gemütszustand der Verzweiflung, des Nachdenkens oder der Freude zu Ausdruck zu bringen und kämpft lange mit der Axt an seinen Figuren herum, um diese möglichst genau zur Darstellung zu bringen, was ihm (und das ist unser westliches "modernes" Kulturempfinden ) gottseidank nicht so genau gelingt.

Norbert Kiening geht mit langjähriger künstlerischer Erfahrung an ein geplantes Werk heran. Viel will überlegt sein , bis Alles bereit ist. Ist das Holz zu spröde für feine Strukturen, ist die Motorsäge scharf genug geschliffen, um nicht ganze Faserbüschel an falscher Stelle heraus zu reisen, usw? Und dann geht alles relativ schnell und zügig, um ja nicht den eigenen körperlichen Bewegungsabläufen im Umgang mit der Kettensäge, den Schwingungen der rotierenden Zähne ja nicht die lebendige Kraft zu nehmen. Hände, Arme, der ganze Körper ist gespannt, wie im Tanz mit den Materialien. Hier wird Bewegung also sehr konkret eingesetzt, aber eben ( zum Glück wohl ?) nicht gegenständlich nachahmend.

Es wird spannend werden: beide Kulturkreise stehen sich wie im Ring gegenüber, doch es wird kein Kampf sein, sondern ein gegenseitiges Verständlichmachung, eine gegenseitige Befruchtung.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch im Hausder Kulturen Diedorf zur Vernisage am 1. Mai um 10.30 Uhr (kostenlos) oder im kommenden Jahr zu einer der geführten Besichtigungstermine.

Zeitgleich zur Ausstellungseröffnung findet übrigens in Diedorf der Maimarkt und in unserem Garten und Hinterhof das "Künstlerfest" statt, das Sie doch sicher auch besuchen kommen. Viele interessante Aktivitäten warten auf Sie: Unsere dort arbeitenden Künstler , so der Silberschmid Michael Hinterleitner werden Ihre Ateliers zum Hereinschnuppern auf haben und Ihnen Ihre Arbeiten und Kurse erklären. Die Schüler der 5. Klassen am Schmuttertalgymnasium Diedorf zeigen mit eigenen Arbeiten im Atelier ihres Kunsterziehers gleich bei der alten Dorfschmiede eine Ausstellung zum Thema Steinzeit. Bestückt mit einer Schutzbrille können sich Jugendliche an der Herstellung einer echten FeuersteinPfeilspitze oder eines Feuersteinmessers versuchen. Ein Maskenschnitzer unserer Gablinger Perchtengruppe wird die Herstellung einer Maske zeigen. Ausgefallene traditionelle Maskenkostüme, so die "Habergeiss" und der "Herrenreiter", getragen von Christian Schweigerer und Markus Schiefer werden die Strassen des großen Maimarktes in Diedorf beleben. Gabriela Graf zeigt ihre aussergewöhnlichen Hutunikate und Mützenkunstwerke aus dem Label: " Walk in Beauty", die auch gekauft werden können. Christiane Bössel liest aus Ihrer Buchtrilogie, einem Science fiction Liebesroman vor. Eine experimentelle Musik- und Theatergruppe, die von unserem aktiven Vereinsmitglied Rainer Braune gegründet wurde, wird Sie um 10. 45 zum Verstecksspiel ins Maskenmuseum einladen. Von da geht es um 11.00 weiter mit einer Kurzführung durch die ganze welt der weltweit größten Sammlung alter Masken aauss allenn Weltkulturren. Diese Führung wird um 14.00 Uhr wiederholt . Unsere Diedorfer Asylsuchenden mit Ihrer Trommlergruppe: "The Africans" heizen um 13.00 Uhr die Stimmung richtig an. (Wir freuen uns ganz besonders, dass hier in Diedorf die Gastfreundschaft durch Unterstützung vieler Mitbürger und im Besonderen Frau Wiedemann von der katholischen Gemeinde so pragmatisch zulangend und empfindsam gegenüber unsereren Kriegsflüchtlingen gestaltet wird). Nette Damen vom "Weibermuseum"bei Wertingen (Tautropfen-Institut, Demhart 2 & 2a, 86637 Villenbach) werden Ihnen etwas vorspinnen. Unser Webstuhl und die Flachsbreche klappert daneben und Markus Schiefer zeigt die Herstellung der traditionell alten Seegrasschuhe, die man auch schon aus der Jungsteinzeit von den Pfahlbauten von Überlingen kennt und die seither in den Diedorfer "Stauden" die normale Fussbekleidung waren (Wie mir meine Frau sagte: heute wohl eher nicht mehr) . Kommen Sie zu den Gratisführungen durchs Maskenmuseum um 11.00 Uhr und 14.00 Uhr oder relaxen Sie in unserem Museumsgarten zwischen skurilen Plastiken und furchtbar netten und interessanten Leuten. Wir freuen uns auf Sie!
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