Der Zen-Priester Genpo D. aus Dinkelscherben wurde verurteilt: Er hat die Notlage seiner Schützlinge ausgenutzt

Der Angeklagte Zen-Priester Genpo D. aus Dinkelscherben verdeckt sein Gesicht vor den Kameras der Medien, als er zur Urteilsverkündung den Gerichtssaal mit seinem Verteidiger betritt.

Die dunkle Seite des nun 62-jährigen, ehemals charismatischen Zen-Priesters Genpo D., Hans Rudolf D., aus Dinkelscherben ist aufgedeckt: Er wurde vom Landgericht Augsburg unter Vorsitz des Richters Lenart Hoesch zu sieben Jahren und neun Monaten Freiheitsentzug mit begleitender Sexualtherapie für Straftäter verurteilt.

Dem Zen-Priester wurde 20-facher schwerer sexueller Kindsmissbrauch an sieben Jungen mit manueller Stimulation und teils dem Vollzug von Oralverkehr nachgewiesen. Angeklagt war er außerdem für den Besitz vieler kinderpornografischer Fotografien von Jungen und Mädchen ab dem Kleinkindalter in eindeutigen Posen oder gar unter Vollzug von Sexualverkehr und Besitz einiger selbstgedrehter Videos, bei denen die männlichen Jungendlichen entblößt und das Geschlechtsteil besonders präsentiert war oder gar die Ejakulation gefilmt wurde.

Das sprach für den Angeklagten...

Für den Angeklagten sprachen laut Richter Hoesch bei der Strafbemesung die für das Gericht glaubhafte Reue des Genpo D., die bereits getroffenen Täter-Opfervereinbarungen in einer Gesamthöhe von 35 000 Euro sowie sein umfängliches Geständnis, das den Opfern die Aussage ersparte und einen bis dato noch nicht bekannten Fall offenlegte. Allerdings wurden die nun Volljährigen unter den Opfern trotzdem innerhalb des Verfahrens befragt. Der Angeklagte habe all seine Reputation verloren, die er als Zen-Priester und als sozial- und lokalpolitisch engagierter Mensch hatte. Seine Familie habe sich von ihm getrennt. Mit berücksichtigt wurde sein gesundheitlicher Zustand nach einem Schlaganfall im Hinblick auf die Haftbedingungen.

... und das gegen Genpo D.

Negativ für den Angeklagten wog für das Gericht allerdings die Auswahl seiner Opfer, die sich allesamt in sozialen und psychischen Notlagen befanden, ihm zur Aufsicht und Betreuung übergeben waren. Genpo D. habe seine religiöse Position ausgenutzt, aufgrund derer seine Opfer die sexuellen Handlungen über sich ergehen ließen oder bei Meditationsübungen zuließen. Seine Aussage, die Opfer hätten hätten „Nein“ sagen können, habe sich ebenfalls nicht positiv auf das Strafmaß ausgewirkt. Weitere sexuelle Handlungen oder Beziehungen zu Erwachsenen wurden nicht ins Strafmaß mit einbezogen.

Dass der Angeklagte als Kind selbst in einer schwierigen Familiensituation aufgewachsen und von Priestern missbraucht worden sei, wurde in der Urteilsverkündung von Richter Hoesch erwähnt.
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