Wohin mit den Kindern?

Der Container des St.-Simpert-Kindergartens in Dinkelscherben kommt weg. Die Eltern sind von Bürgermeister und Gemeinde enttäuscht.

Zuerst hieß es Anbau, kurz darauf Auflösung. Entsprechend sauer sind die Eltern der Kinder des St.-Simpert-Kindergartens. Noch im März hätte Dinkelscherbens Bürgermeister Edgar Kalb bei einem Tag der offenen Tür einen Neubau verkündet, erzählt eine der Elternbeirätinnen. Rund zwei Monate später erfuhren die Mütter und Väter im amtlichen Mitteilungsblatt "Die Reischenau", dass es angeblich mehr Kindergartenplätze als Kinder gebe. Der Container, der derzeit neben dem Hauptgebäude für die Betreuung genutzt wird, komme daher ersatzlos weg.

Seit mehreren Jahren gibt es den Container als Erweiterung des Kindergartens St. Simpert. Eine Integrationsgruppe ist dort untergebracht. Diese Gruppe soll bleiben und in das Hauptgebäude ziehen. Doch dafür fallen 25 andere Plätze weg. Die befristete Genehmigung für den am St. Simpert Kindergarten angebauten Behelfscontainer laufe aus, hieß es dazu in der "Reischenau". Und: "Baut man diesen am Ende der Kindergartensaison 2015/2016 ab und nutzt die freien Kapazitäten im Oberschöneberger St. Ulrich Kindergarten ab 2016/2017 wieder voll aus, stehen auch in Zukunft für alle Kinder im Gemeindegebiet ausreichend viele Kindergartenplätze zur Verfügung." Der Blick auf die Zahl der Geburten in den relevanten Jahren 2012 bis 2014 bestätigten die Überlegungen.

Die darunter aufgeführte Tabelle zeigte jedoch von 2012 auf 2014 eine Steigerung der Geburtenzahlen von 44 auf 64 für das jeweilige Gesamtjahr. Bis zum April 2015 waren es 15 Geburten.

"Sogar wenn die Geburten zurückgehen würden, ist die Statistik fraglich", sagt die Elternbeirätin. Denn die Kinder, die zurückgestellt werden, und Kinder von Asylbewerbern seien in die Hochrechnung nicht mit einbezogen. Mit Namen möchte die Elternbeirätin nicht genannt werden. "Man weiß ja nie", sagt sie.

Dass die Gemeinde als Alternative für die Eltern den Oberschöneberger Kindergarten und die Montessori-Einrichtung in Dinkelscherben nennt, empfindet die Mutter von zwei Kindern als Zumutung. "Diejenigen, die eigentlich zu uns wollen, können jetzt entscheiden, ob sie viel Geld für Montessori zahlen oder die Fahrt nach Oberschöneberg in Kauf nehmen wollen."

Von den Verantwortlichen fühlen sich die Eltern nicht Ernst genommen. "Mit uns redet ja keiner", sagt die Elternbeirätin. Erst vor Kurzem habe es ein Gespräch zwischen Bürgermeister, Gemeinderäten, dem kirchlichen Träger, der Kindergartenleitung und dem Landratsamt gegeben. "Wir durften nicht dabei sein." Bürgermeister Kalb schiebe die Verantwortung einfach ans Landratsamt weiter, fasst die enttäuschte Mutter zusammen.

Der Bürgermeister selbst stand vor Redaktionsschluss für Fragen nicht mehr zur Verfügung. "Wir müssen zuerst mit dem Träger reden, dann mit den Eltern", so Konrad Ruhland, Geschäftsleiter der Marktgemeinde. Der Bedarf sei durch die vorhandenen Plätze erfüllt, daher gebe es für einen Neubau keine Fördermittel. Deswegen müsse man mit den bestehenden Einrichtungen ein Konzept entwickeln.

Entscheidend sei, erklärt Christine Hagen, Jugendamtsleiterin des Landkreises, dass "genügend Plätze in machbarer Entfernung zur Verfügung stehen". Das sei in Dinkelscherben der Fall. Den Schwarzen Peter will sie sich aber nicht zuschieben lassen: Es gebe zwar keine Fördermittel, da der Bedarf aus Sicht des Landratsamt ausreichend sei, darüber hinaus könne die Kommune aber selbst entscheiden, wo Kinderbetreuung stattfinden soll. "Der Bedarfsplan ist Aufgabe der Gemeinde."

Im Laufe des Oktobers soll nun ein Gespräch mit dem Bürgermeister und allen Betroffenen stattfinden. "Um diesen Termin haben wir ganz schön kämpfen müssen", resümiert die Elternbeirätin.

Von jaf
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