„Kinder interessieren hier nicht“

Die Genehmigung für den Container des St.-Simpert-Kindergartens läuft im August 2016 ab. Foto: Höck

Die Betriebsgenehmigung für den Container des St.-Simpert-Kindergartens läuft im August 2016 ab. Dass es daran nichts zu rütteln gibt, erklärte Bürgermeister Edgar Kalb bei der Infoveranstaltung „Kindergärten“.

Seit 2007 steht der Container beim Kindergarten St. Simpert und bietet Platz für eine Integrationsgruppe. Läuft die Genehmigung im August 2016 ab, muss diese Gruppe ins Haus ziehen, 25 andere Plätze fallen weg. Dennoch, eine weitere Verlängerung kommt aufgrund eines „Überangebots an Kindergartenplätzen“ nicht in Frage, lasen Mütter und Väter im amtlichen Mitteilungsblatt „Die Reischenau“ Anfang Oktober. Eine bauliche Erweiterung am St.-Simpert-Kindergarten sei deshalb nicht förderfähig.

Das alles erklärte Bürgermeister Edgar Kalb am vergangenen Mittwochnachmittag im Sitzungssaal des Rathauses den Müttern und Vätern, die gekommen waren, um endlich etwas zu sagen. Von einem Zuviel an 50 Kindergartenplätzen redete Kalb, von einem gemeinsamen Angebot (Öffnungszeiten, Schließtage) der katholischen Träger und Einrichtungen in Dinkelscherben, einer zentralen Anmeldestelle und einer gemeinsamen Preistafel. Um auf der sicheren Seite zu sein, seien auch Gespräche mit der Montessori-Einrichtung geplant.

Egal ob lange Wege – oder viel Geld für Montessori: „Es besteht kein Anspruch auf einen bestimmten Kindergarten“, machte Bürgermeister Kalb in der anschließenden Diskussion klar. Verständnis und Kooperationsbereitschaft hatte Kalb im Mitteilungsblatt von den Eltern gefordert – Verständnis oder Geduld zeigte er für die Mütter und Väter am vergangenen Mittwoch wenig.

„Auf Prophezeiungen können wir nicht aufbauen“, entgegnete Kalb, als eine Mutter kritisierte, dass die Kinder von Asylbewerbern und die Kinder, die zurückgestellt werden, noch nicht mitgerechnet seien. „Erst wenn alle Anmeldungen auf dem Tisch liegen, wissen wir mehr.“ Und der Container komme ja nicht weg. „Wenn der Bedarf da ist, wird die Betriebserlaubnis verlängert.“

Nicht nur die Kosten, auch die Elternleistungen bei Montessori sind für viele Väter und Mütter ein Grund, ihr Kind nicht im Montessori-Kindergarten anzumelden. „Meine Frau und ich müssen arbeiten. Wie sollen wir die Putzstunden leisten können?“, wollte ein Vater vom Bürgermeister wissen. Das soll Montessori künftig nicht mehr fordern dürfen, versicherte Kalb. Und um die Preise der Einrichtungen anzunähern, werde die Marktgemeinde ab dem Kindergartenjahr 2016/2017 auch den Montessori Kindergarten bezuschussen.

Ebenfalls neu: Erst Kinder ab drei Jahren haben einen Anspruch auf einen Kindergartenplatz. Nahm der St.-Simpert-Kindergarten etwa bislang Kinder ab zweieinhalb Jahren auf, so dürfen ab September 2016 nur noch Kinder ab drei Jahren in den Kindergarten. Die Hälfte aller Krippenplätze in Dinkelscherben sei nicht belegt. Es bestehe darum keine Notwendigkeit, Kinder unter drei Jahren im Kindergarten aufzunehmen.

Entgegenkommen zeigte Petra Hetzner vom Landratsamt, als eine Mutter fragte, ob ihre Tochter den St.-Simpert-Kindergarten zum Kindergartenjahr 2016/2017 nun verlassen müsse. „Wir versuchen alles, dass diese Kinder bleiben können“, sagte Hetzner.

„Wir versuchen, dass wir Ihre Wünsche berücksichtigen“, versprach Kirchenpfleger Hans Kopp. „Ob wir die umsetzen können, weiß jedoch keiner.“ Die Träger sollen die Plätze künftig nach festgelegten Kriterien vergeben. Wie die genau aussehen, müssen die Träger erst austüfteln. Geplant ist auch, den Anmeldeschluss für die Kindergartenplätze vorzuverlegen. Bisher eingegangene Anmeldungen werden weiter geleitet.

„Es ist ärgerlich, dass im Vorfeld keine vernünftige Diskussion stattgefunden hat“, sagte Günther Baumeister, Vorsitzender des Elternbeirats Kindergarten St. Simpert. Die Infoveranstaltung habe für ihn nichts Neues gebracht. „Zahlen werden hier schön geredet, Kinder interessieren hier nicht.“

Trotzdem, Baumeister will sich nicht geschlagen geben. „Wir müssen sehen, wie die Verhandlungen mit Montessori laufen. Und wir haben noch ein paar Asse im Ärmel.“ (StaZ)
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