Alte Raritäten fürs Bulldog-Treffen in Ellgau ans Licht geholt

Die alten Schätzlein aus den Scheunen geholt hatten einige Bauern und zeigten sie mit Stolz.
 
Dass die alten Bulldogs ihre Arbeit noch immer verrichten können, bewießen sie an diesem Acker.


Die Bulldogfreunde vom Obst- und Gartenbauverein Ellgau stellten ihr diesjähriges Fest unter das Motto "Holzverarbeitung wie es der Großvater machte". Außer einer großen Anzahl an historischen Traktoren und Maschinen konnte man bei den Vorführungen zum Thema Holz verschiedenste Arbeitsweisen aus früheren Zeiten beobachten, die heute nur noch selten Anwendung finden. So machte sich Xaver Steppich daran, aus Birkenreisig Besen zu binden. Die fertigen Stücke, allesamt zu hundert Prozent handgemacht, konnten erworben werden. Hubert Malik zeigte das Körbe flechten. Das Korbflechten, das heutzutage nur noch wenige beherrschen, war in früheren Zeiten auf den Bauernhöfen allseits beherrschtes Handwerk, schließlich mussten immer wieder neue Gefäße für den Transport und die Aufbewahrung von Holz, Futterrüben, Äpfeln und Gemüse angefertigt werden.

Xaver Röder, Liebhaber und Sammler alter Gerätschaften, ist im Besitz einer alten selbst gebauten Bandsäge, schätzungsweise aus den Nachkriegsjahren. Das Gerät, das selbstfahrend ist, hatte ein Tüftler hergestellt, um von Hof zu Hof zu fahren und gegen Bezahlung Brennholz zu sägen, ähnlich den Dreschkolonnen, die früher von Hof zu Hof reisten. Eines Tages konnte Röder das Unikat erwerben und stellte es nun den Bulldogfreunden zur Verfügung.

Mit ihrer Transmission, die jedes Jahr zum Einsatz kommt und verschiedene Maschinen antreibt, bedienten die Veranstalter heuer eine Kreissäge, ebenfalls für die Zerkleinerung von Brennholz. Des Weiteren diente die Transmission zum Antrieb eines selbst gebauten Gerätes zum Anspitzen und Schälen von Holzpfählen. Mit der Kreissäge demonstrierten die Oldtimerfreunde auch das Absägen von Faschinen, das sind lange Reisigbündel. Die ofenlang abgeschnittenen Stücke wurden anschließend in eine Vorrichtung, eine so genannte Wellenpresse, gelegt, mit deren Hilfe man das Reisig zum Binden ganz eng zusammen drücken kann. Die fertigen Reisigbündel, im Volksmund Wellen genannt, waren früher nach dem Trocknen unerlässliches Hilfsmittel zum Feuer machen im Herd.

Zu guter Letzt ergänzte Johann Bürger aus Nordendorf den Reigen der Vorführungen mit seinen Schnitzarbeiten. Allerdings arbeitet er ganz neuzeitlich mit der Motorsäge, um schneller ans Ziel zu kommen. Zahlreiche Gäste hatten sich im Garten der Familie Schädle in der Lechfeldstraße eingefunden, um die alten Gerätschaften und Maschinen zu bestaunen und zu bewundern und um etwas zu erfahren von der Zeit, als man vieles noch von Hand erledigte. Insgesamt fanden zum 10. Bulldogtreffen 124 Traktoren den Weg zum Festgelände, 35 aus Ellgau selbst und 89 Auswärtige. Der Senior unter den Traktoren war der 11er Deutz vom Hausherrn Ulrich Schädle aus Ellgau mit 11 PS, Baujahr 1948, gefolgt von drei Exemplaren aus dem Jahr 1949: Ein Allgaier R 22 von Markus und Walter Dasch aus Nordendorf mit 22 PS, ein Allgaier R 18 von Johann Bürger aus Nordendorf mit 18 PS und ein Deutz F 2 M 417 von Matthias Rosenberger aus Todtenweis mit 35 PS. Unter den vier Motorrädern, die sich dazugesellten, war die Viktoria 98 ccm aus dem Jahr 1940 mit 2,3 PS von Leonhard Leichtle aus Thierhaupten das älteste Modell. Nicht schlecht staunten die Gäste als Manuela Werkmeister aus Ehingen mit ihrem Eselskarren Marke Eigenbau ankarrte und auch der siebenjährige Benedikt Wenninger aus Schweinspoint, der viel Zeit bei seinen Großeltern in Ellgau verbringt, wollte seinen kleinen Spielzeug-Oldtimerbulldog Marke Lanz anmelden.

Im Verpflegungszelt warteten derweil Kaffee und Kuchen sowie deftiger Imbiss auf die Besucher. Der dunkle Himmel, der Regen prophezeite, veranlasste die Organisatoren mit der Ausfahrt etwas früher als geplant zu beginnen und so setzte sich ein Konvoi aus ratternden Bulldogs in Bewegung. Die Fahrt ging Richtung Lechfeld und über den Herrlehof zurück ins Dorf, anschließend in die Lechauen, wo ein abgeerntetes Getreidefeld umgepflügt werden konnte. Etwa die Hälfte der erschienenen Oldtimer beteiligte sich an der Ausfahrt.

Die hervorragend organisierte Küche des Obst- und Gartenbauvereins verköstigte am Abend die Gäste mit frischem Spanferkelbraten und Steaks. Der Musikverein Ellgau unterhielt mit zünftiger Musik und die Gäste durften noch Muskelkraft und Ausdauer beim Wettsägen unter Beweis stellen. Jeweils zwei Mannschaften durften einem Baumstamm auf beiden Seiten mit der Waldzugsäge zu Leibe rücken. Erwin Landherr und Martin Koch, die die Hauptverantwortung für die Programmpunkte trugen, freuten sich zusammen mit der Vorsitzenden Josefa Zwerger über das gelungene Fest und planen bereits kommende Aktivitäten.

Von Christine Gumpp
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3 Kommentare
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Sebastian Summer aus Aystetten | 30.08.2016 | 16:22  
StadtZeitung Redaktion aus Augsburg - City | 31.08.2016 | 13:15  
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Sebastian Summer aus Aystetten | 31.08.2016 | 14:03  
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