Fachveranstaltung im Nürnberger Uhrenhaus: Gemeinsam für eine dezentrale Energiewende

Fast schon historisch könnte man die Veranstaltung, zu der die N-ERGIE in Nürnberg am 19. Juli eingeladen hatte, bezeichnen, denn es war eine Gemeinschaftsveranstaltung des Stromversorgers, des BUND, der Kommunen NürnbergerLand und des Aktionsbündnisses gegen die Süd-Ost Trasse.

Rainer Kleedörfer von der N-ERGIE begrüßte trotz des Traumwetters die vielen Gäste, die sogar bis aus Schwaben extra angereist waren. Stolz berichtete er über den größten Wärmespeicher Deutschlands, den man auf dem Weg zum Uhrenhaus nicht übersehen konnte. Auch die Umstellung auf Elektrofahrzeuge und das Installieren von Ladesäulen geht bei der N-ERGIE gut voran.

Er erläuterte in seinem Vortrag die Kostenexplosion durch den Bau der Gleichstromtrassen. Steigende Systemkosten hätten vor Allem die privaten Haushalte und mittelständischen Unternehmen zu Tragen, die nicht wie viele Großverbraucher von vielen Umlagen befreit sind. Auch dass die Übertragungsnetzbetreiber in Zukunft Gaskraftwerke bauen dürfen und Stadtwerke nicht, konnte er im Zuge von gleichen Wettbewebsbedingungen nicht nachvollziehen. Er forderte, dass die wichtigste Infrastruktur-das Übertragungsnetz, wieder in deutsche Hände kommen sollte, damit Gewinne und Investitionen nicht größtenteils ins Ausland fließen.

Landrat gegen Monstertrassen

Beispielhaft war auch Landrat Armin Kroder in seinen Ausführungen zur Energiewende. Er sprach sich ganz klar gegen die Monstertrassen aus, die mit sicherer, sauberer und bezahlbarer Energiewende nichts zu tun haben. Für ihn stand die dezentrale und regionale Energieerzeugung im Vordergrund - gerade auch aus wirtschaftlicher Sicht, was er auch mit Beispielen aus seiner Region belegte.

Massiver Netzausbau nicht unbedingt notwendig

Prof. Dr. Lorenz Jarass wies in seinem Eingangsplädoyer darauf hin, dass noch 2011 von der Bundesregierung für eine Laufzeitverlängerung der AKW´s gestimmt wurde. Erst durch Fukushima hatte es ein Umdenken und den gesetzlichen Ausstieg aus der Atomkraft gegeben. Er stellte die Frage, ob wir für eine weitere gesicherte Stromversorgung Kohlekraftwerke und HGÜ-Trassen bräuchten. Nur wenn man weiterhin die Erneuerbaren Energien ausbaut und gleichzeitig
konventionelle Kraftwerke ungehindert einspeisen lassen möchte, ist ein massiver Netzausbau notwendig.

Trassen nicht für Erneuerbare Energien benötigt

Auch wies er darauf hin, dass in der Öffentlichkeit der Eindruckt erweckt würde, dass man insbesondere für die süddeutsche Stromversorgung in Dunkelflauten, den Bau der Trassen und Reservekraftwerke benötigen würde. Dies widerlegte er ganz klar mit den Daten der Bundesnetzagentur.
Diese belegen, dass die geplanten HGÜ-Trassen überwiegend für den deutschen Kohlestromexport, nicht aber für die Erneuerbaren Energien benötigt werden.
Dass ein geringerer Netzausbau sicher nicht im Sinne der 4 großen Übertragungsnetzbetreiber sei, zeige auch eine Klage gegen die verringerte Rendite von "nur" noch ca. 7 Prozent.

Aus wissenschaftlicher Sicht kann Herr Prof. Dr. Jarass auch nicht nachvollziehen, warum die Kosten des Netzausbaus immer noch nicht im Netzentwicklungsplan berücksichtigt wurden. Auch sollte dringend gesetzlich dafür gesorgt werden, dass Kohlekraftwerke kein ungehindertes Einspeiserecht haben, wie es momentan der Fall sei. Durch Leiterseilmonitoring, wie es in Österreich oder der Schweiz praktiziert würde, könnte viel Netzausbau eingespart werden.

Datentransparenz zu unvollständig

Herr Dr. Barthel vom BUND kritisierte, dass es keine strategische Umweltprüfung (SUP) gegeben hat. Auch seien keine ausreichenden Alternativ-Prüfungen gemacht worden und auch die Transparenz der Daten ließe zu Wünschen übrig.

Moderator Stefan Lochmüller fasste den Abend in aller Kürze zusammen: Es ist wichtig auf das Kleingedruckte in Gesetztestexten zu achten. Netzentgelte sollten in der Region verbleiben. Um die Klimaziele zu erreichen, muss dringend eine höhere Dynamik an den Tag gelegt werden.
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