Geheimnisse des Lerchenbergs bei Hegnenbach

Über ein großes Waldgebiet zertreut liegen im Wald bei Hegnenbach noch Teile der ehemaligen Bunkeranlagen. Foto: Konrad Friedrich

Bis zu 225 Flüchtlinge kamen nach dem Krieg in der Herstellung von Raketentreibstoff auf dem "Lerchenberg" bei Hegnenbach unter. Teile der Anlagen existieren noch heute.

Auf dem etwa 40 Hektar großen Areal, versteckt mitten im Wald zwischen Rischgau, Emersacker, Hegnenbach, Zusamaltheim und Welden, wurde 1938 mit dem geheimen Bau eines Paraxolwerkes begonnen.

Raketentreibstoff


Paraxol war der Grundstoff zur Herstellung von Raketentreibstoff-für V1 und V2 Raketen. Es entstanden im Wald vier große und zwölf kleinere Maschinenhäuser, zwei Luftschutzbunker, mehrere Pumpenhäuser, ein Wasserturm, eine Pumpanlage an der Straße Rischgau-Hegnenbach und eine Kläranlage. Im Hegnenbacher Gemeindewald wurde zudem ein mächtiger Betonbunker zur Lagerung des flüssigen Werkstoffes außerhalb der Anlage gebaut.

Im Jahre 1943 begannen die Rohstofflieferungen. Die Belegschaft waren damals 136 deutsche Männer, 30 deutsche Frauen, 20 internierte Italiener und 22 aus anderen Nationen.

Mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen in Hegnenbach am 26. April 1945 wurde das Werk von den Amerikanern besetzt. Der Bunker im Wald wurde gesprengt. 1946 übergab die Militärregierung dem Landkreis Wertingen die Anlage zur Verwaltung, 1947 wurde das Werk dann für Russland demontiert, die beiden Luftschutzbunker wurden gesprengt. Gemäß Kreistagsbeschluss des damaligen Landkreises Wertingen vom 22. Juli 1947 wurde im ehemaligen Paraxolwerk im Lerchenberg ein Flüchtlingslager eingerichtet. Im Frühjahr 1948 kamen die ersten Flüchtlinge nach Hegnenbach. Bis zu 225 Menschen wohnten zeitweise in zwei Häuserblocks. Außerdem wurden für das Flüchtlingslager noch mehrere Holzbarracken aufgestellt. In den Backsteinhäusern entstanden in der Nachkriegszeit Handwerksbetriebe, wie Schreinerei, Färberei, Gerberei, Wollzupferei und ein Lebensmittelgeschäft aus Emersacker. 1950 wurde das Flüchtlingslager aufgelöst. Die letzten Flüchtlingsfamilien wohnten bis 1967 im Lerchenberg.

Von 1961 bis 1994 mietete sich das Korpsdepot 260 der Bundeswehr ein. Bis zu 400 Tonnen Munition soll dort in 32 eigens gebauten Bunkern eingelagert gewesen sein. Bewacht wurde die Anlage rund um die Uhr von 33 Wachmännern. 1994 wurde das Depot aufgelöst und es fanden dort nur noch Wehrübungen statt. 1997 wurde das Gelände an eine Privatperson verkauft, die die Bunker und Gebäude teilweise an Firmen vermietet.
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