Granate tötet neun Menschen in Emersacker

Im großen Kriegergrab im Friedhof Emersacker wurden die Opfer des Granateinschlags vom 26. April 1945 beigesetzt. Die Namen der Frauen und des zwölfjährigen Mädchens sind auf zwei Steintafeln zu lesen. Foto: Konrad Friedrich Foto: Konrad Friedrich

Schrecklicher Vorfall in den letzten Kriegstagen in Emersacker unmittelbar nach der Besetzung tötete Dorfbewohner. Am Samstag, 18. April, wird den Opfern gedacht.

Eine verirrte Granate der Amerikaner, die am 26. April 1945 im Raum Binswangen (Kreis Dillingen) abgeschossen wurde, tötete in den letzten Kriegstagen neun Menschen in Emersacker. In diesen Tagen ist es 70 Jahre her, dass die Gemeinde an die schrecklichsten Stunden ihrer Ortsgeschichte erinnert wird.

In der Schulchronik schrieb der Chronist folgendes nieder: "16.45 Uhr. Alles war im Keller. Vom Lerchenberg her kamen die Amerikanischen Panzer mit aufgesessenen Schützen gegen unser Dorf. Fritz Wörle hisste auf dem Kirchturm die weiße Fahne. Von der Schmalwiesegroßkopf her wurde geschossen. Der Eiche bei Schirpfer wurde dabei der Gipfel abgeschossen. Nn waren die Amerikaner da. Sie durchsuchten wiederholt die Häuser und nahmen Uhren, Fotoapparate und Schmuck mit und was ihnen sonst noch in die Hände fiel."

Mnche Leute mussten ausziehen und für einige Tage ihre Häuser den Amerikanern überlassen. Den Menschen war nur gestattet, zwischen 18 und 19 Uhr ihr Vieh im Stall zu füttern. Den Kindern gaben die Amerikaner Schokolade und machten sie so mit ihnen vertraut. Die Kinder erzählten davon ihren Eltern und so trauten sich die Erwachsenen allmählich aus den Schutzkellern. Sie stellten sich an die Straßenkreuzung zu den Kindern und plauderten mit.

Es war 17.30 Uhr


Zwei amerikanische Soldaten kamen auf der Hauptstraße von der Brauerei her und befanden sich gerade an der Straßenkreuzung zum heutigen Kapellenweg.

Die amerikanische Artellerie feuerte aus dem Raum Binswangen eine Granate ab, die unglücklich in den Nebenweg einschlug. Sie tötete ein Kind, fünf Frauen, einen Mann und die beiden amerikanischen Soldaten und verletzte einen 14-jährigen Jungen sehr schwer. Die Amerikaner überführten den Jungen (Ferdinand Fischer) sofort ins Lazarett nach Heidenheim. Ein halbes Jahr lang war er fort und lange wusste in der Gemeinde niemand etwas von ihm, da es keine Post gab. De beiden toten Amerikaner wurden sofort mit einem Lastwagen abtransportiert.

Bei den deutschen Opfern handelte es sich um die zwölfjährige Maria Zingler, sowie um Kreszenz Lauter, Kreszenz Dieminger, ihre Schwester Hilde Dieminger, Kathi Dietrich, Wally Wirth und Franz Berger. Sie alle wurden am darauffolgenden Sonntag im großen Kriegergrab auf dem Friedhof beigesetzt.
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