38-Jähriger steht vor Aichacher Gericht: Er prellte seinen Arbeitgeber um 122.000 Euro

Der 38-Jährige wurde zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. (Foto: © tom_u 123rf.de.jpg)

Spitz auf Knopf stand es vor dem Aichacher Amtsgericht am Montag für einen 38-Jährigen, der seinen früheren Arbeitgeber um 122.000 Euro geprellt hat. Weil er trotz des groß angelegten Betrugs auch einiges richtig gemacht hat, endete die Verhandlung mit der höchsten Strafe, die noch zur Bewährung ausgesetzt werden kann: Zwei Jahre verhängte das Schöffengericht.

Der Angeklagte war bei einer Firma im südlichen Landkreis Aichach-Friedberg angestellt, die im Bereich Computer für Geschäftskunden tätig ist. Über das Firmenkonto seines Arbeitgebers loggte er sich immer wieder bei zwei großen Internetversandhändlern ein, um Waren zu bestellen, die er anschließend unter der Hand weiterverkaufte.
Die Rechnungen, die zumeist einen dreistelligen Betrag, in einigen Fällen aber auch bis zu knapp 3000 Euro umfassten, ordnete er Kunden oder Projekten zu.
Trotzdem zeigten sich die Prozessbeteiligten erstaunt, dass die Vorfälle – 241 an der Zahl – drei Jahre lang unbemerkt blieben. Auch danach wurde das Unternehmen nicht selbst auf den Betrug aufmerksam. Der Angeklagte flog nur deshalb auf, weil eine Betriebsprüfung des Finanzamtes die Ungereimtheiten aufdeckte.
Der nicht vorbestrafte 38-Jährige räumte alle Vorwürfe ein. Er habe das Geld für seine Spielsucht gebraucht. Die erwies sich auch nicht als Schutzbehauptung, denn sowohl ein ärztliches Attest als auch Kontobewegungen bestätigten das. Das Geld verschwand in Online-Casinos.
Inzwischen ist der Mann zu seinen Eltern gezogen, bei denen er mietfrei wohnen kann. Sein Auto hat er abgegeben, so dass das Einkommen aus seinem neuen Job in die Rückzahlung der Schulden fließen kann. 8400 Euro sind das bis jetzt – der Weg ist also noch lang, zumal weitere 25 000 Euro Privatschulden hinzukommen. Bei der Caritas hat er ein Angebot zur Gruppentherapie wahrgenommen. Vom Spielen sei er losgekommen, berichtete der sichtlich nervöse Mann der Vorsitzenden Richterin Eva-Maria Kraus. Aber er habe noch andere psychische Probleme.
Die Richterin blieb nach der Absprache mit den Schöffen mit dem Urteil unter der von Staatsanwalt Benjamin Rüdiger geforderten Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten. Die Vielzahl einzelner Betrugsfälle und die lange Dauer wogen in ihren Augen schwer, „umgekehrt kann man es aber auch nicht besser machen, als Sie es getan haben“. Damit würdigte sie das Schuldeingeständnis, den harten Schnitt mit der Rückkehr ins Elternhaus und die Bemühungen um Wiedergutmachung. Auf einen anderen Aspekt hatte Verteidiger Oliver Negele hingewiesen: Den Geschädigten sei nicht geholfen, wenn sein Mandant ins Gefängnis müsse, statt zu arbeiten und so weiter Raten zurückzahlen zu können. Eine Geldstrafe wäre indes auch schwer zu holen. Trotzdem muss der Angeklagte 2000 Euro für eine karitative Einrichtung zahlen.
Mit einer überdurchschnittlich langen Bewährungszeit von vier Jahren wollte die Richterin aber klarstellen, wie knapp die Entscheidung gefallen ist. Sie erlegte dem Mann auch eine Gesprächstherapie auf.
(Carina Lautenbacher)
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