Arzt aus Friedberg missbraucht Tochter: Staatsanwaltschaft fordert neuneinhalb Jahre Haft

Ein Arzt soll seine "Lieblingstochter" jahrelang sexuell missbraucht haben. (Foto: Sebnem Ragiboglu-123rf.de)

Der dritte Verhandlungstag im Missbrauchsprozess gegen einen 64-jährigen Mediziner, dem vorgeworfen wird, über Jahre seine leibliche Tochter zum Teil schwer missbraucht zu haben, fand am Donnerstag gänzlich hinter verschlossenen Türen statt. Es wurden die Plädoyers gehalten.

Staatsanwältin Kathrin Schmid forderte neun Jahre und sechs Monate Haft, Verteidiger Jörg Seubert fand, mit achteinhalb Jahren Gefängnis sei der Gerechtigkeit genüge getan. Nebenklagevertreterin Mandana Mauss stellte keinen Antrag.

Zu Beginn des Prozesses hatte Verteidiger Seubert einen sogenannten Deal angestrebt. Sein Mandant räume die Vorwürfe der Anklage vollumfänglich ein, er wolle dadurch vor allem seiner Tochter die schmerzliche Aussage vor Gericht ersparen. Dafür stellte das Gericht dem Mediziner eine Haftstrafe unter zehn Jahren in Aussicht.

Das Opfer, eine heute 29 Jahre alte Frau, setzte sich trotzdem auf den Zeugenstuhl. Sie tritt als Nebenklägerin auf, sagte aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit gegen ihren Vater aus, um ihr Privatleben zu schützen.

Sobald die Vernehmung einer Geschädigten nichtöffentlich stattfindet, folgt daraus zwangsläufig, dass auch die Plädoyers ohne Publikum gehalten werden. Grund dafür ist, dass sich Verteidigung und Staatsanwaltschaft auf Aussagen des Opfers beziehen könnten, so dass auf diesem Weg doch noch nach außen dränge, was eigentlich geheim bleiben sollte.

„Lieblingstochter“ war etwa acht Jahre alt, als der Missbrauch begann


Der 64-Jährige, der in Stätzling lebte und bei der Regierung von Schwaben angestellt war, begann mit dem Missbrauch, als seine „Lieblingstochter“, wie er sie nannte, etwa acht Jahre alt war. Er verging sich an dem kleinen Mädchen im Kinderbett ebenso wie in seinem heimischen Büro und während des Urlaubs. Selbst als ihm der damals zwölfjährige Sohn beim kindlichen Herumstöbern auf die Schliche kam – er fand eine Videokassette, die den Vater beim Geschlechtsverkehr mit der kleinen Schwester zeigte – änderte sich nichts.

Denn in einer Atmosphäre der Tyrannei unternahmen die Geschwister keine weitergehenden Schritte und schwiegen das Ungeheuerliche tot. Zu groß waren die Scham und die Angst. Die Angst vor rigiden Strafen und Demütigungen durch den Vater. Die Angst davor, was mit der Familie passieren würde, dass die Mutter das alles womöglich nicht verkraften würde.

Alle vier Kinder befinden sich in Therapie, leiden beispielsweise unter Depressionen. Der Mutter, einer Sozialpädagogin, ist es unbegreiflich, dass sie den Missbrauch nicht bemerkte, ihr Kind nicht beschützen konnte. Sie macht sich Vorwürfe und strebt ebenfalls eine Therapie an.

Am Freitag um 13 Uhr wird das Urteil verkündet – öffentlich. Dem Mann wird auch der Besitz von rund 91 000 kinderpornografischen Dateien vorgeworfen.

Von Monika Grunert Glas
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