Bewährungsstrafe für Stutenschänder: "Ich suchte Kontakt"

Symbolbild: ©tom_u-123rf.de

Ein Frührentner aus Augsburg steht in Aichach vor Gericht, weil er sich in Derching an einer Stute vergangen hatte. Der Offenstall war mit Kamera ausgerüstet. Eine Bestrafung ist jedoch nur wegen Hausfriedensbruch möglich.

Wie oft der schmächtige Frührentner mit der Halbglatze und dem schwarzen Haarkranz nachts mit seinem Fiat 600 unterwegs ist, um seine sexuellen Gelüste an Pferden zu befriedigen, darüber kann man nur spekulieren. Zweimal aber wurde er dabei erwischt, gestern stand er deshalb in Aichach vor Gericht. Der 64-Jährige erklärte, er habe lediglich aus Neugierde herausfinden wollen, ob es sich bei dem Pferd um „Männchen oder Weibchen“ handele.

Es geschah in der Nacht zu einem Mittwoch im September vergangenen Jahres. Der Angeklagte erzählte Richter Walter Hell, er habe in Neuburg an der Donau eine Frau getroffen, die er im Internet kennengelernt hatte. Auf dem Heimweg nach Augsburg – „es war eine laue Nacht und ich noch nicht müde“ – habe er gegen 2 Uhr bei Derching Halt gemacht. „Ich war da öfter als Kind, wollte etwas spazieren gehen und die Aussicht auf Augsburg genießen.“ Allerdings war es eine finstere Nacht zwei Tage nach Neumond mit gerade einmal 13 Grad. Hell unterstellte ihm, er sei umhergestriffen und habe gezielt nach Pferden gesucht.

Jedenfalls kam der Mann an einen Offenstall. Zwei Araberpferde leben dort auf einer Koppel mit Unterstand, ein Wallach und eine Stute. „Die Tiere haben mich wohl bemerkt und kamen zu mir an den Zaun, um mich zu beschnuppern. Das hat mir gefallen.“ Deshalb sei er durch die Elektrobänder geklettert, um die zutraulichen Rösser zu streicheln. „Nach zwei, drei Minuten haben die wohl das Interesse an mir verloren“, so der Angeklagte. Deshalb sei er ihnen nach. „Das war wohl mein Fehler. Ich suchte Kontakt.“ Eine Überwachungskamera mit Bewegungsmelder fotografierte über einen Zeitraum von gut einer Minute hinweg, wie er sich im Unterstand am Hinterteil der Stute zu schaffen machte. Er bestritt, sich dabei selbst befriedigt zu haben.

Die Pferdebesitzerin entdeckte am Tag darauf zwar keine Verletzungen an ihrer „Anita“, wunderte sich aber über deren ungewöhnliches Verhalten. Dann sah sie sich die Aufnahmen aus der Überwachungskamera an. Das Gerät hatte sie sich angeschafft, weil eine Freundin in Dickelsmoor auch schon Probleme mit nächtlichen Stallbesuchern hatte.

Die Polizei kam dem Angeklagten relativ schnell auf die Spur, weil er 2004 schon einmal wegen eines ähnlichen Delikts verurteilt worden war. Damals hatte er dabei in Welden/Ehgarten ein Pony verletzt, so dass er wegen Tierquälerei zu einer Geldstrafe verurteilt worden war. In Aichach nun tat er so, als läge ihm nichts ferner, als sich unter sexuellen Motiven einem Pferd zu nähern. Er habe beim Prozess 2004 nur gestanden, weil er so Angst vor dem Gefängnis gehabt habe.

Eindeutige Spuren, die seine Schuld bewiesen, seien Missverständnisse gewesen. Im Strafregister des 64-Jährigen finden sich zudem weitere Einträge wegen versuchter und vorsätzlicher Körperverletzung, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, falscher Verdächtigung, Widerstands gegen Polizeibeamte und Fahrens ohne Fahrerlaubnis.

Amtsgerichtsdirektor Walter Hell erklärte, das, was der Angeklagte mit Pferden mache, sei „schlechterdings eine Sauerei“. Er bedauerte, dass der Gesetzgeber Sodomie nicht unter Strafe stellt und sagte zu dem 64-Jährigen: „Ihre Hand hat in der Scheide eines Pferdes nichts zu suchen, und mir ist es wurscht, ob das strafbar ist oder nicht!“ Hell empfahl dem Angeklagten: „Wenn Sie sowas brauchen, gehen’s zu Beate Uhse und toben sich dort aus.“ Bei der Strafzumessung spiele sehr wohl eine Rolle, weshalb der Angeklagte den Hausfriedensbruch begangen habe. „Es ist etwas anderes, wenn mein Bub den Fußball zum Nachbarn schießt, und ich ihn aus dem Garten hole.“

Der Angeklagte wollte das nicht einsehen und argumentierte, er habe erstens nicht gewusst, dass es Hausfriedensbruch sei, eine umzäunte Weide zu betreten, und zweitens nichts Strafbares mit der Stute getan. Hell meinte, er solle ihn bitteschön nicht für naiv halten. „Ja, aber, dass eine Absicht so schwer wiegt?“, wunderte sich der Rentner. Er bat, man solle das Geschehen „abstrakter“ betrachten.

Staatsanwalt Andreas Roth sagte, die Bilder aus der Überwachungskamera sprächen „eine eindeutige Sprache“. Der Angeklagte habe bestimmt nicht „nur kurz gucken“ wollen, ob er eine Stute oder einen Wallach vor sich habe. Er forderte wegen Hausfriedensbruchs fünf Monate Haft, ausgesetzt zur Bewährung, sowie 800 Euro Geldstrafe.

Gegen einen ursprünglichen Strafbefehl in Höhe von 4800 Euro hatte der Rentner Einspruch eingelegt. Zum einen behauptete er, nichts Unrechtes getan zu haben, zum anderen fand er die Tagessatzhöhe unangemessen. Er berichtete, einst habe er Zahnmedizin studiert, später aber 20 Jahre lang sein Geld mit Immobilien verdient, bis ihn um die Jahrtausendwende „ein Vermögensverfall ereilt“ habe und zum Hartz-IV-Fall werden ließ. Zwei künstliche Knie machten ihn dann erwerbsunfähig.

Walter Hell folgte dem Antrag des Staatsanwalts, wandelte jedoch die Geldauflage in 80 Stunden soziale Hilfsdienste um. „Wenn Sie in den nächsten drei Jahren wieder erwischt werden, werden Sie eingesperrt“, fand er deutliche Worte und empfahl dem Augsburger: „Machen Sie künftig einen weiten Bogen um jede Koppel.“

Sodomie ist verboten, aber nicht strafbar


Bis 1969 war Sodomie in Deutschland ein Straftatbestand, der mit Freiheitsstrafe geahndet werden konnte. Im Zuge der großen Strafrechtsreform wurde das geändert. Sexueller Missbrauch von Tieren wurde fortan nur dann strafrechtlich verfolgt, wenn die Tiere dabei Schmerzen erleiden mussten.

Erst nach massivem Druck der Tierrechts- und Tierschutzorganisationen gelang es via Bundesrat, dass Sodomie im reformierten deutschen Tierschutzgesetz seit Mitte 2013 eine Ordnungswidrigkeit darstellt. Paragraf 3 Nr. 13 des deutschen Tierschutzgesetzes lautet: „Es ist verboten, ein Tier für eigene sexuelle Handlungen zu nutzen oder für sexuelle Handlungen Dritter abzurichten oder zur Verfügung zu stellen und dadurch zu artwidrigem Verhalten zu zwingen. (...) Ein Verstoß ist mit einer Geldbuße bis zu 25 000 Euro sanktioniert.“

Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, meinte dazu in der taz: „Es ist doch völlig unlogisch, dass die Verbreitung von Tierpornografie – also die Darstellung des sexuellen Missbrauchs von Tieren – strafbar ist, der Missbrauch selbst jedoch nicht."

Allerdings müssen nun nicht mehr Verletzungen oder Verhaltensstörungen der Tiere als Folge des Missbrauchs nachgewiesen werden. Eine bloße Gefährdung reicht für ein Bußgeld.

Monika Grunert Glas
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