Cholerischer Altlandwirt traktiert Sohn mit Schaufeln und Eisenstangen

Der Landwirt wurde zu einem Jahr Haft auf Bewährung sowie zu einer Geldauflage verurteilt. (Foto: Sebnem Ragiboglu-123rf.de)

Zu einem Jahr Haft auf Bewährung sowie einer Geldauflage von 1500 Euro wurde ein Landwirt und Gemeinderat aus dem Kreis Aichach-Friedberg verurteilt. Er hat seine 79 Jahre alte Schwiegermutter zu Boden gestoßen und durch den Hausflur geschleift, seinem Sohn eine Aluschaufel ins Gesicht geschlagen und seine Tochter mit der Faust. Hintergrund: Alt und Jung sind sich nicht einig über die Führung des Hofs. Der 55-Jährige gilt als Choleriker.

Schon seit seiner Kindheit habe es mit dem Vater, dem ein Gutachter eine krankhafte Störung attestiert, eine „emotional instabile Persönlichkeit vom impulsiven Typ“, immer wieder Probleme gegeben, berichtete der 23-jährige Sohn des Angeklagten. „Wenn es mal einen Monat ruhig war, konnte man schon darauf warten, dass wieder etwas kommt.“ Wenn der 55-Jährige beispielsweise am Abend eine Gemeinderatssitzung gehabt habe, während der ihm etwas gegen den Strich gegangen sei, habe er am nächsten Tag beim Frühstück schon Streit gesucht. „Meine Mutter ist dann immer zum Essen in einen anderen Raum gegangen.“ Er selbst habe Schläge kassiert: „Ich habe oft schlimm ausgesehen.“
Der Angeklagte erzählte, er sei stets bemüht gewesen, der nächsten Generation eine gesunde Landwirtschaft zu übergeben. So habe er eine Biogasanlage gebaut und dafür eine Million Euro Kredit aufgenommen. Wegen des Milchpreisverfalls fehlten jedoch jährlich bis zu 70 000 Euro, die Bank sitze ihm im Genick. Ginge es nach ihm, das Milchvieh würde abgeschafft. Zumal auch die Arbeitsbelastung dadurch enorm sei.
Anderer Auffassung ist der Filius, der bei ihm in die Lehre ging und demnächst seinen Meister macht. Auch die Tochter, die Agrarwirtschaft studiert, und seine Frau teilen die Meinung des Altbauern nicht. So kam es zu immer heftigeren Auseinandersetzungen. „Ich konnte ihm nichts recht machen. Wenn wir morgens besprochen haben, welche Arbeiten heute anstehen, hat er am Nachmittag plötzlich alles verworfen“, sagte der Sohn. „Ich war wie ein rotes Tuch für ihn.“ Der Vater klagt hingegen, dem 23-Jährigen könnten die Bulldogs nicht groß genug sein, er mache Leichtsinnsfehler und gebe zu viel Geld aus. Weil er selbst angesichts einer drohenden Zwangsversteigerung sparen wollte, sei es zum Streit gekommen. Die Vorwürfe aus der Anklage räumte er jedoch nicht ein.
Der Sohn erklärte Richter Walter Hell, als er herangewachsen und dem Vater schließlich kräftemäßig überlegen gewesen sei, habe dieser zu Besen, Schaufeln und Eisenstangen gegriffen und ihn damit traktiert. Anfang Juli 2016 eskalierte die Lage. Da passte es dem Altlandwirt nicht, wie der Sohn die Heuernte organisierte. Er ging mit einer Aluschaufel auf den Trecker los, in dem der 23-Jährige saß. Dieser stieg aus. Die Schaufel traf ihn, bevor er sie dem Vater entwinden konnte, im Gesicht. „Die Nase war offen, alles war geschwollen“, schilderte seine Freundin den Anblick.

Alte Schwiegermutter zu Boden geschubst

Mitte Juli dann, seine Frau lag in der Klinik, geriet der 55-Jährige mittags mit seiner im Haus lebenden Schwiegermutter aneinander. Diese warf ihm wohl vor, dass sie vor 30 Jahren das Grundstück, auf dem das neue Bauernhaus steht, finanziert habe. „Jetzt plötzlich fing sie mit dem Heiratsgut an“, erregte sich der Angeklagte auch noch im Gerichtssaal. Er behauptet, er habe die 79 Jahre alte Frau dann aus der Küche geschoben. Dass sie hingefallen sei, dafür könne er nichts. Er habe ihr sogar aufhelfen wollen. Die Schwiegermutter jedoch meint, weil ihre Tochter aus dem Haus gewesen sei, habe er den Schneid gehabt, sie anzugehen. Er habe sie zu Boden geschubst, durch den Gang zu ihrem Zimmer geschleift und geschrien: „Da gehörst du rein, und da bleibst du jetzt drin!“ Die gebrechliche Seniorin trug mehrere große, schmerzhafte Blutergüsse davon und konnte nicht mehr alleine aufstehen. Sie rief ihre Enkelin zur Hilfe und ist im Nachhinein froh, dass nicht noch Schlimmeres passierte, da sie unter Osteoporose und Arthrose leidet. „Ich habe immer mitgearbeitet, bin nie in Urlaub gefahren und habe mein ganzes Geld in das Haus gesteckt. Und das ist dann der Dank. So macht man’s nicht mit alten Leuten, so nicht! Ich will nicht mehr seine Schwiegermutter sein. Wenn man mit der Oma so umgeht, bin ich fertig!“
Kurz vor dem Vorfall mit der Schwiegermutter war es am Morgen zu einer Auseinandersetzung mit der Tochter gekommen. Diese berichtete als Zeugin, der Vater sei beim Frühstück mal wieder „auf 180“ gewesen und habe sich über einen geliehenen Grill aufgeregt, der nach der Geburtstagsfeier ihres Bruders noch herumstand. „Ich glaube, du hast eigentlich gar keine Lust mehr auf den Hof“, habe sie dem Papa da vorgehalten, und dieser habe das bestätigt. Da habe sie ihm vorgeschlagen, er solle an sie und den Bruder übergeben. Im Folgenden habe sie in ihrem Zimmer oben Telefonate geführt, unter anderem mit dem Bauernverband, wie sich die Übergabe regeln lassen würde, und dann den Bruder in der Leitung gehabt, als sie ein Bumpern und die Hilfeschreie ihre Großmutter hörte. „Jetzt geht er auf die Oma los!“, rief sie ins Telefon. Der Bruder informierte die Polizei, diese verhängte gegen den Altbauern ein Kontaktverbot.
Am nächsten Tag, er hatte in der Werkstatt übernachtet, begegnete der Angeklagte seiner Tochter im Melkstand. „Er war schon wieder wütend und meinte, dass wir die Polizei geholt haben, würden wir noch bereuen.“ Er habe ihr den Hof verboten, sie geschubst, sie habe zurückgeschubst. Daraufhin habe er dreimal mit der Faust ausgeholt und sie im Gesicht und an der Schulter getroffen.
Das alles gehe gar nicht, fand Staatsanwalt Julian Küffner und forderte wegen gefährlicher sowie zweifacher vorsätzlicher Körperverletzung ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie 1500 Euro Geldauflage. Die Verteidigerin meinte, eine Geldstrafe genüge.
Richter Walter Hell folgte dem Antrag des Staatsanwalts. Er entschied sich für die Bewährungsstrafe, weil der Landwirt nun nicht mehr auf seinem Hof wohnt, sondern nur noch dort arbeitet. „Reißen Sie sich z’am.
Der nächste Schlag, und der wäre bei Ihrer Explosivität kein Wunder, führt Sie ins Gefängnis“, ermahnte er ihn. Der Sohn will demnächst aufhören. Zwar gab es seit dem Sommer keine neuen Zwischenfälle mehr und man arbeitet nebeneinander her, doch sagt der junge Mann, er könne nicht mehr, er schäme sich für seinen Vater.

(Monika Grunert Glas)
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