Ehefrau zerstückelt: Dritter Prozesstag gegen Friedberger Horst K. - Zeugen Jehovas verweigern Aussage

Horst K. muss sich am Augsburger Landgericht wegen Mordes an seiner Ehefrau Grace verantworten.

Dritter Prozesstag im Mordfall Grace K.: Am Dienstag trug Professor Randolph Penning vom Institut für Rechtsmedizin der Uni München sein Gutachten vor. Während er die schweren Kopfverletzungen erläuterte, die Grace K. von ihrem geständigen Ehemann Horst K. zugefügt wurden, hielten es zwei der drei Schwestern des Opfers nicht mehr aus. Sie verließen weinend den Gerichtssaal.



Horst K. selbst, dem vorgeworfen wird, seine Frau erschlagen und anschließend zerstückelt zu haben, lauschte den Ausführungen augenscheinlich ohne jede Emotionalität. Er saß ruhig da, drehte sich ab und zu mit seinem Stuhl hin und her, starrte aus seinen tiefliegenden Augen ins Leere oder intensiv in den Zuschauerraum.

Mindestens sechs Schläge trafen den Kopf der nur 1,60 Meter großen Philippina. Dabei, so Penning, schlug der Angeklagte nicht mit voller Wucht zu. Bei einem zwei Kilogramm schweren Hammer wären sonst noch schlimmere Spuren zurückgeblieben. Gestorben, sagt der Gutachter, sei Grace K. nicht unmittelbar an den Schlägen. Es sei davon auszugehen, dass sie vielleicht schon nach dem ersten Schlag bewusstlos wurde, Blut einatmete und entweder daran erstickte, oder weil ihr Mann ihr eine Tüte über den Kopf gezogen hatte.
Wie glaubhaft ist die Schilderung des Angeklagten, wieso er seine Frau ermordete? Er behauptet, er habe sich selbst töten und sich zum einen mit dem Mord Druck machen wollen, es wirklich zu tun, zum anderen aber habe er seine Frau nicht traurig und allein zurücklassen wollen – „verzweifelt“, wie er meinte.

Paar gehörte Jehovas Zeugen an


Das Gericht hört, um die Beweggründe näher zu beleuchten, zahlreiche Zeugen aus dem Umfeld des Paares, das Jehovas Zeugen angehörte. Ein höherrangiger Vertreter dieser Glaubensgemeinschaft verweigerte gestern die Aussage, obwohl der Angeklagte ihn von seiner Schweigepflicht als Seelsorger entband. Der 39-jährige Geschäftsführer wollte trotzdem nicht wiedergeben, was Horst K. ihm anvertraut hatte. Die Kammer um Vorsitzenden Richter Christoph Wiesner zog sich zur Beratung zurück und gewährte anschließend dem Zeugen ein Aussageverweigerungsrecht, soweit es um Dinge ging, die er in seiner Funktion als Seelsorger erfuhr. Deshalb ergab sich als Bilanz der Aussage nichts, was nicht ohnehin schon in den Akten gestanden hätte.

Vor allem ein Punkt ist von Interesse: 2013 hatte sich Horst K. nach Thailand abgesetzt und dort, während seine Frau zur Beerdigung ihrer Mutter auf den Philippinen weilte, Sex mit anderen Frauen. Eine Frau, die sich als sehr gute Freundin des Opfers bezeichnet und ebenfalls Mitglied der Glaubensgemeinschaft ist, sagte, Grace habe 2013 ihrem Mann den Ehebruch verziehen – „obwohl das ein Scheidungsgrund gewesen wäre“. Einige Jahre zuvor habe sich Horst K. schon einmal als Sextourist nach Thailand begeben. Sie habe mit dem Paar „die Bibel studiert“ und für die beiden habe ihre beste Zeit begonnen: „Sie haben angefangen, biblische Grundsätze für ihr Leben anzuwenden.“ Anfang 2015 jedoch habe ihr Grace berichtet, ihr Mann habe erneut Verbindung nach Thailand aufgenommen. „Ich habe ihr geraten, ihm nicht weiter nachzuspionieren. Denn das machte sie kaputt.“

Diesen Rat habe Grace K. beherzigt, aber ihrem Mann auch klar gemacht, werde er erneut nach Thailand reisen und sie betrügen, würde sie ihm kein drittes Mal vergeben.

Als einen Grund für seine Suizidgedanken nannte der Angeklagte Überlastung im Beruf. Sein Vorgesetzter und ein Kollege bestätigten zwar ein zunehmend schlechter werdendes Betriebsklima, unter dem alle litten, sagten aber, Horst K. sei als Systemadministrator sehr kompetent gewesen. Man habe ihn einstimmig zum Betriebsrat gewählt, weil er mutig genug gewesen sei, dessen Gründung anzustreben und vor Vorgesetzten seine Meinung zu vertreten.

Unisono beschreiben alle Zeugen den Angeklagten als ruhigen, introvertierten, hilfsbereiten und freundlichen Menschen, einen Mann, dem sie einen Mord, und gar einen so grausamen, wohl niemals zugetraut hätten.

Am Donnerstag wird die Verhandlung fortgesetzt. Dann sagt eine Therapeutin aus, an die sich Horst K. 2013 gewandt hatte. Mit dem Urteil wird am 17. November gerechnet. (Monika Grunert Glas)
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