Etiketten kosten den Job: Friedberger wird verurteilt

Ein 45-Jähriger hat die Preisetiketten im Kaufhaus seines eigenen Arbeitgebers vertauscht. (Foto: Sebnem Ragiboglu-123rf.de)


Weil er die Preisetiketten im Kaufhaus seines eigenen Arbeitgebers vertauscht hatte, musste sich ein 45-Jähriger aus Friedberg wegen Betrugs vor dem Aichacher Amtsgericht verantworten. Statt 29,99 Euro für ein "Wand-Objekt" zahlte er an der Kasse nur 9,99 Euro, eigentlich der Preis für ein "Herz-Ornament". Ein teures Schnäppchen, wie sich nun herausstellte.

Denn Amtsgerichtsdirektor Walter Hell verurteilte den Friedberger nicht nur zu drei Monaten Bewährungsstrafe und 1000 Euro Geldauflage, der 45-Jährige verlor auch seinen Job.

"Es war genau so wie es in der Anklage steht", gab der gebürtige Augsburger zu Beginn der Verhandlung zu. Im Oktober vergangenen Jahres hatte er in der Dekorationsabteilung der Firma in Friedberg ein Auge auf ein Wandbild geworfen, das für 29,99 Euro ausgezeichnet war. Er löste das Preisschild eines billigeren "Herz-Ornaments" ab und klebte es auf das Objekt seiner Begierde. Das Original-Etikett warf er weg.

Der Etikettenschwindel fiel der Kassiererin beim Bezahlen jedoch nicht auf. Durch den Personalrabatt sparte der Angestellte noch einmal einen ganzen Euro. Insgesamt 21 Euro kam er somit billiger weg.

Jedoch hatte der gelernte Postbote seine Rechnung ohne die scharfen Augen des Kaufhaus-Detektivs gemacht. "Ich habe beobachtet, wie er die Etiketten ausgetauscht hat", gab der 30-jährige Mitarbeiter der Sicherheitsfirma zu Protokoll. Zuvor sei er von einer Mitarbeiterin auf den 45-Jährigen aufmerksam gemacht worden, weil er sich lange in dem Deko-Bereich aufgehalten hatte.

Bei der anschließenden Durchsuchung habe der Angeklagte seine Tat noch abgestritten. "Er hat sich wohl schon öfter auffällig verhalten", berichtete der Mann vom Sicherheitsdienst. Bereits wenige Wochen zuvor war der Angeklagte nach einem "Einkauf" durchsucht worden, weil Angestellte Diebesgut in seinem Rucksack vermuteten, finden konnten die Detektive damals allerdings nichts.

Nach dem Realschulabschluss hatte er eine Ausbildung zum Postboten und als Trockenbaumonteur absolviert. 15 Jahre lang hatte er anschließend nach dem Zivildienst bei der Friedberger Firma als Lieferschreiner gearbeitet. Seit zwei Jahren sei er nun aber wegen Rückenbeschwerden und Burnout in ärztlicher Behandlung. "Ich habe mich durch Akkordarbeit kaputt-gearbeitet", erklärte der 45-Jährige vor Gericht.

Zwei Jahre lang war er krankgeschrieben und erhielt Erwerbsunfähigkeitsrente. "Danach wollte ich eigentlich wieder bei der Firma zu arbeiten anfangen, aber daraus wird ja durch die Kündigung nun nichts", erklärte er.

"29,99 Euro, das Geld hätten sie doch gehabt?", fragte Richter Walter Hell nach. "Natürlich hätte ich das Geld gehabt, es tut mir leid, das war reine Dummheit", antwortete der ehemalige Lieferschreiner.

Staatsanwältin Isabelle Hafner legte das Geständnis zugunsten des Angeklagten aus. "Er hatte zur Tatzeit gesundheitliche Probleme", allerdings sei er vorbestraft. Neben Alkohol am Steuer und Beleidigung war er nur ein halbes Jahr zuvor wegen Ladendiebstahls zu einer Geldstrafe verurteilt worden - damals hatte er Boxershorts gestohlen. Hafner forderte eine Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je 35 Euro, also 3500 Euro.

Richter Walter Hell sah besonders die Vorstrafen als problematisch an. "Sie haben bereits ein halbes Jahr vorher gestohlen, wie viele Warnschüsse brauchen Sie noch? Wenn Sie so etwas wieder machen, kommen Sie ins Gefängnis", verdeutlichte der Richter. Er verurteilte den Betrüger zu drei Monaten auf Bewährung sowie einer Geldauflage in Höhe von 1000 Euro. (Johannes Heim )
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