Gericht verurteilt Jugendlichen: 15-Jähriger verschickte brutale Gewaltvideos von Enthauptung und Hinrichtung im Whats-App-Chat

Ein 15-Jähriger ist vor Gericht zu einer Leseweisung verurteilt worden. Er hatte Gewaltvideos über WhatsApp verschickt. (Foto: Symbolbild, rclassenlayouts - 123rf.de)

„Das ist Gewaltdarstellung in ihrer perversesten und krassesten Form“, zog Staatsanwalt Konstantin Huber gestern vor dem Aichacher Amtsgericht Bilanz. Zu verantworten hatte sich ein 15-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis, der Videos per Whats App weitergeleitet hatte. Zu sehen ist darauf, wie ein Mensch per Kopfschuss getötet und ein weiterer enthauptet wird.

Der 15-Jährige zeigte sich vor Gericht sehr aufgewühlt, während der gesamten Verhandlung konnte er nur mit weinerlicher Stimme auf Fragen antworten. Er sei aufgeregt, erklärte er Richter Walter Hell.

Der Jugendliche räumte alle Vorwürfe ein. Er sei beim Online-Dienst Instagramm Abonnent eines Profils, das sich durch schwarzen Humor auszeichne und Witze online stelle. Auf dieser Seite sei ein Link zu einer Whats-App-Gruppe angegeben, der man beitreten konnte, um weitere Inhalte zu teilen.

Jugendlicher leitet Videos von Enthauptung und Hinrichtung an Whats-App-Gruppe weiter

In dieser Chat-Gruppe habe einer der anderen Nutzer die beiden besagten Videos gepostet. Der 15-Jährige war Mitglied einer weiteren Gruppe auf Whats-App, an die er die beiden Videos weiterleitete. Teil der Online-Gemeinschaft war auch ein ebenfalls 15-jähriges Mädchen, das die Videos erhielt und auf das die Anklage Bezug nahm.
Die beiden Videos wurden vor Gericht den Anwesenden gezeigt. Es handelt sich nur um ein paar Sekunden, die jedoch nur schwer zu ertragen sind. Im ersten Film wird ein Mensch durch einen anderen mittels einer Machete enthauptet, im zweiten wird eine Person per Kopfschuss mit einem Gewehr hingerichtet.

Weil der 15-Jährige durch das Weiterleiten die Gewaltdarstellungen zum einen der Allgemeinheit öffentlich gemacht und zudem an Minderjährige weitergeleitet hatte, befände er sich nun vor Gericht, erklärte ihm Amtsgerichtsdirektor Walter Hell.

Grund fürs Weiterleiten: "Wollte auch mal was posten"

Zwar hat der Junge vor Gericht angegeben, er kannte die anderen Mitglieder in dem Gruppen-Chat nicht und daher auch nicht ihr Alter, bei seiner Vernehmung im Vorfeld hatte er allerdings gesagt, er schätze den Großteil der Mitglieder auf 15 bis 17 Jahre alt ein.
Auf Rückfrage des Richters erklärte der Jugendliche als Grund für die Verbreitung der Videos, dass er auch einmal einen Inhalt hätte posten wollen.

Corinna Metz von der Jugendgerichtshilfe hatte sich einen Tag vor der Verhandlung mit dem angeklagten Jugendlichen und seiner Mutter getroffen und berichtete, die Frau sei entsetzt gewesen von den Videos, es habe viele Gespräche nach den Gründen gegeben, zudem habe die Mutter ihrem Sohn ein vorübergehendes Internetverbot auferlegt. Im Zuge der Ermittlungen wurde bereits das Smartphone des 15-Jährigen beschlagnahmt, über das er die Videos verschickt hatte.

"Ihm ist inzwischen klar, dass das was Schlimmes war" - Richter verurteilt Jungen zu Leseweisung

Zum Tatzeitpunkt sei dem Jungen nicht bewusst gewesen, dass er sich strafbar mache und etwas Unrechtes tue, erklärte die Jugendgerichtshilfe. „Er ist deutlich getroffen und ihm ist inzwischen klar, dass das was Schlimmes war“, führte sie aus. Die Tat müsse aufgearbeitet werden, zudem müsse das Selbstwertgefühl des 15-Jährigen gestärkt werden. Die Jugendgerichtshilfe riet daher zu einer Leseweisung, bei der sich der Angeklagte über mehrere Wochen hinweg gemeinsam mit einem Mentor mit Hilfe eines thematisch passenden Buches mit sich selbst, seiner Straftat und Aspekten wie Schuld und Verantwortung auseinandersetzen muss. Staatsanwalt Konstantin Huber gab zu bedenken, dass es sich bei der Tat keineswegs um eine Bagatelle handle, sondern um eine perverse und krasse Form der Gewaltdarstellung. Zusätzlich zur Leseweisung plädierte er für eine 24-stündige Arbeitsauflage.

Der 15-Jährige erklärte, es tue ihm leid, bevor Richter Walter Hell das Urteil verkündete: Er beließ es bei der Leseweisung. „Dass das nicht richtig ist, hast du mittlerweile eingesehen“, war sein Eindruck vom Angeklagten.
(Von Nayra Weber)
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