Landwirt fälscht Unterschrift seiner Frau

Ein 60-jähriger Landwirt wurde wegen Urkundenfälschung zu 9000 Euro Geldstrafe verurteilt. (Foto: 15092745_©Robert Wilson-123rf.de)

"Sie haben da ein kleines Taschengeld für sich rausgewirtschaftet, den Verdacht habe ich", meinte Amtsgerichtsdirektor Walter Hell, als er kürzlich einen 60-jährigen Landwirt wegen Urkundenfälschung zu 9000 Euro Geldstrafe verurteilte. Der Mann hatte für Wohnungen seiner Frau, von denen diese nicht einmal wusste, dass sie vermietet waren, die Miete kassiert und dafür mit ihrem Namen unterschrieben.

Der Landwirt ist seit 32 Jahren verheiratet und hat den Namen seiner Frau angenommen. Sein Schwiegervater habe das so gewollt, erklärte er. Der Schwiegervater, ebenfalls ein Landwirt, gab einst den Hof in Augsburg-Hochzoll auf und errichtete einen Aussiedlerhof im nördlichen Landkreis Aichach-Friedberg. Anstelle der alten Landwirtschaft wurde gebaut: Wohnblöcke und Einfamilienhäuser entstanden. Seiner Frau gehöre "die dreiviertelte Straße", sagte der Angeklagte. Zudem gebe es eine Stiftung. Um all das zu erhalten, habe ihn damals der Schwiegervater gebeten, seinen Namen aufzugeben und den seiner Frau anzunehmen. "Er hat das Geld und ich die Arbeit", resümierte der Angeklagte.

Das Paar heiratete, bekam eine Tochter und dann einen Sohn, der auch Landwirt wurde. Die Nachfolge ist also gesichert. Allerdings lebt das Ehepaar in Gütertrennung. Hell fragte nach, wie der Angeklagte denn Gehalt beziehe, und er erfuhr, es stehe eine Geldkassette im Haus, in die jeder greife, wenn er etwas benötige.

Am 3. Februar dieses Jahres brach in einer der Wohnungen der Frau ein Brand aus. Die Feuerwehr rückte an, ebenso die Polizei. Sie als Eigentümerin wurde ebenfalls informiert. Allerdings hatte sie keine Ahnung davon, dass die renovierungsbedürftige Wohnung überhaupt vermietet war, und fiel aus allen Wolken, als man ihr den angeblich von ihr unterschriebenen Mietvertrag zeigte. Die Polizei besorgte sich daraufhin von der Gemeinde die Originalunterschriften, wie sie auf den Personalausweisen stehen. Es wurde deutlich: Die Signatur auf dem Mietvertrag stammte nicht von ihr. So kam man dem 60-Jährigen auf die Spur. Er hatte unterzeichnet, und zwar mit dem Namen seiner Frau. Zudem fanden die Ermittler heraus, dass er über Monate für vier Wohnungen die Miete bar kassiert und das mit Quittungen belegt hatte, auf denen er ebenfalls mit dem Namen der Gattin oder dem seiner Tochter unterschrieben hatte.

"Ich habe das Geld nicht für mich verwendet."

Vor Gericht gab er das auch unumwunden zu. Die Tochter habe er auf diese Weise zwingen wollen, sich mehr in der Verwaltung der Immobilien zu engagieren. Statt den Vornamen der Frau hinzuschreiben, meinte er, hätte er besser nur mit dem Nachnamen unterzeichnen oder "im Auftrag" hinzusetzen sollen. "Ich habe das Geld nicht für mich verwendet. Es ist alles in Baumärkten ausgegeben worden, für die Renovierung der Wohnungen", behauptete er. Ein Polizeibeamter sagte, es habe sich insgesamt um rund 27 000 Euro gehandelt.

Die geprellte Frau erschien nicht zur Gerichtsverhandlung, obwohl sie geladen war. Der Angeklagte meinte, diese würde "hier eh nichts sagen". Zumindest hat sie keinen Strafantrag gestellt, so dass der 60-Jährige sich lediglich wegen der Urkundenfälschung und nicht auch noch wegen Betrugs zu verantworten hatte.

Staatsanwältin Katharina Kling plädierte auf 90 Tagessätze zu je 100 Euro. Sie glaubte dem Landwirt, dass er das Geld nicht kassiert hatte, um sich persönlich zu bereichern. Er selbst war ohne Verteidiger erschienen.

Walter Hell sah die 9000 Euro Geldstrafe als gerechtfertigt an, zumal man "nur über eine Wohnung" geredet habe, die restlichen Fälle seien vorab schon eingestellt worden. Den Betrug zulasten der Frau, von dem er ausgehe, könne er leider nicht "ausermitteln", weil diese keine Anzeige erstattet habe und das Gesetz den Familienfrieden als höherrangiges Gut einstufe. Man habe nur "die Spitze des Eisbergs" verhandelt, davon sei er überzeugt. Andererseits könne die Ehefrau "als amtsbekannte Millionärin" den Verlust wohl auch verschmerzen.

Wie hoch das Einkommen des Angeklagten sei, könne man nur schätzen, für die Geldstrafe werde es "schon reichen. Langen's einfach in die Kasse nei, da wird schon noch was drin sein", empfahl Hell mit einem Augenzwinkern. (Monika Grunert-Glas )
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.