Mann schlägt seine Frau

Mann schlägt seine Frau - Foto: © Robert Wilson / 123rf.de

Ein 55-jähriger Alkoholiker hat seine Partnerin schon öfter „eine geduscht“. Der ehemalige Maurer kann wegen Bandscheiben- und Hüftproblemen nicht mehr arbeiten.

Sie hat schon öfter „eine geduscht bekommen“, wie die 55-Jährige berichtete. Wenn ihr Mann trinkt, ist er nicht mehr der nette Partner. Kleinigkeiten bringen ihn dann in Rage. Deshalb hatte er sich jetzt wegen vorsätzlicher Körperverletzung vor Richter Walter Hell am Aichacher Amtsgericht zu verantworten. Dieser schickte ihn für ein halbes Jahr ins Gefängnis.

Seit etwa zehn Jahren ist der gelernte Maurer arbeitslos. Doch wie im Verlauf der Verhandlung bekannt wurde, trinkt er schon viel länger. Zunächst wollte er den übermäßigen Alkoholkonsum auf seine erste Scheidung im Jahr 1988 schieben, gab auf Nachfrage von Hell dann aber zu, ein Grund für das Scheitern seiner ersten Ehe sei eine Verurteilung wegen Trunkenheit im Verkehr gewesen. Seit 2009 ist der 58-Jährige mit seiner zweiten Frau verheiratet. Doch auch diese Beziehung ist gescheitert.

Zwar teilen sich die beiden noch eine Wohnung, doch halte sie sich meist bei einem Bekannten auf, erklärte die Justizangestellte: „Wir leben getrennt.“

Zur Verhandlung kamen sie dennoch gemeinsam. Die Frau berichtete, im Juli 2014 sei es zu einer verhängnisvollen Auseinandersetzung gekommen. An den Grund für den Streit konnte sie sich nicht mehr erinnern. Der Angeklagte erklärte, ihn habe es aufgeregt, dass man zu Mittag essen wollte, die Frau aber weggegangen sei.

Jedenfalls wurde erst gestritten, dann schlug er sie ins Gesicht und schleuderte sie aufs Bett. Dabei erlitt sie einen Anriss der knöchernen Beugesehne am linken Daumen. Vier Wochen lang hatte sie Schmerzen. Die Ohrfeige hingegen sei leichter als sonst üblich gewesen, erzählte sie.

Nach einem Magendurchbruch trinke er eigentlich keine harten Sachen mehr, versicherte der Angeklagte.

Lediglich Weinschorle gönne er sich. Es komme auf die Menge an, erklärte ihm Walter Hell, denn an dem Tag, um den es in der Anklage ging, hatte der 55-Jährige immerhin 3,3 Promille im Blut. Die Krankenkasse habe zweimal schon einen Therapieantrag abgelehnt, berichtete der ehemalige Maurer, der wegen Bandscheiben- und Hüftproblemen nicht mehr arbeiten kann. Das Familiengericht hatte zeitweise der Frau das alleinige Nutzungsrecht für die Wohnung zugesprochen. Als das abgelaufen war, zog er wieder ein. „Die Frage ist doch, wann er wieder so viel getrunken hat, dass er wieder zuschlägt. Das kann heute sein oder morgen“, sagte Hell zu der misshandelten Frau. Diese gab zu verstehen, das sei ihr schon klar.

Keine günstige Sozialprognose

Staatsanwalt Lutz Lauffer beantragte eine Haftstrafe von acht Monaten. Aufgrund der Verurteilung vom Januar 2013 – da hatte der Angeklagte im Vollrausch seine Frau geschlagen – sah er keine Möglichkeit für eine Aussetzung des Vollzugs zur Bewährung.

Auch Richter Walter Hell fand keine günstige Sozialprognose. Weil der Angeklagte jedoch zugab, seine Frau geschlagen zu haben, verurteilte er diesen zu nur sechs Monaten Haft. „Sie haben nicht versucht, sie hier schlecht zu machen oder ihr noch eins auszuwischen, obwohl Sie wissen, dass Sie durch ihre Aussage ins Gefängnis kommen“, hielt er dem 55-Jährigen zugute. „Ich rate Ihnen, die Zeit in Haft für einen Entzug zu nutzen, schon Ihrem Magen zuliebe.“

Zudem gebe es im Gefängnis Sozialarbeiter, die ihm helfen könnten, einen Therapieantrag zu stellen. „Sie sind erst 55 Jahre alt, sehen aber älter aus. Das liegt am Alkoholproblem. Jetzt ist es der Magen, irgendwann fängt es mit dem Hirn an“, redete er dem Mann ins Gewissen.

Zu den verhängten sechs Monaten Haft kommen die vier Monate aus dem Urteil von 2013 dazu – die damals ausgesprochene Bewährung wird widerrufen.

Führt sich der Angeklagte in der Justizvollzugsanstalt gut, wird er nach zwei Dritteln der Zeit vorzeitig entlassen.

von Monika Grunert-Glas
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