Mordprozess gegen Friedberger Horst K.: Die Plädoyers

Augsburg - "Ich möchte mich von ganzem Herzen bei den Schwestern meiner Frau dafür entschuldigen, was ich getan habe, und wie viel Schmerz und Leid ich gebracht habe." Horst K. hat von Anfang an gestanden, seine Frau Grace (37) ermordet und anschließend zerstückelt zu haben. Am Dienstag wandte er sich zum ersten Mal direkt an die Hinterbliebenen: "Ich bereue es zutiefst und würde alles tun, um es rückgängig zu machen. Ich weiß jetzt, dass ich meine Frau geliebt habe", sagte er.

Doch gibt die Art und Weise, wie er die Tat begangen hat, Anlass, ihn länger als die 15 Jahre, die in Deutschland "lebenslänglich" bedeuten, einzusperren? Staatsanwalt Matthias Neumann bejaht das, er sieht eine besondere Schwere der Schuld. Anders Verteidiger Bernd Scharinger: Er zitierte ähnliche Fälle, in denen die Angeklagten lediglich wegen eines "normalen" Mordes verurteilt wurden.

Eine gute halbe Stunde benötigten Staatsanwalt und Verteidiger jeweils, um ihre Sicht der Dinge darzulegen. Neumann bezeichnete die Tat, die sich in den Morgenstunden des 30. November 2015 in dem Mehrfamilienhaus am Friedberger Rothenberg ereignete, als eines der schwersten und blutigsten Verbrechen, die es im Landgerichtsbezirk Augsburg jemals gegeben habe. Horst K. habe seine Frau, "um vor seinen Problemen davonzulaufen und für ein paar Wochen Spaß aus dem Weg geräumt". Der 53-Jährige habe dem Opfer zudem durch die Zerstückelung, die "Leichenschändung", jede Würde genommen.

Bei dem Mord sei Horst K. planmäßig vorgegangen. Bereits Wochen vor der Tat habe er übers Internet Kontakt zu Frauen in Thailand aufgenommen, von denen er sich "die Erfüllung geheimer Wünsche" erhofft habe. Zudem habe er gegoogelt, wie sich ein Mord begehen lasse, und was er anschließend mit der Leiche machen könne. Am Samstag vor der Tat habe er den Hammer gekauft, am Sonntag das Hotel in Pattaya gebucht und damit das Todesurteil über seine Frau gesprochen.

Mit mehreren Schlägen auf den Kopf habe Horst K. in der Nacht zum Montag seiner schlafenden, arg- und wehrlosen Frau schwerste Hirnverletzungen zugefügt, rekapitulierte Matthias Neumann das Verbrechen. Das erfülle das Mordmerkmal der Heimtücke. "Während des Sterbevorgangs, als sie sich noch regte, stülpte er ihr eine Tüte über den Kopf." Letztlich sei die 37-Jährige erstickt. Auch, wenn es dem Angeklagten nicht darauf angekommen sei, den Tod des Opfers besonders grausam zu gestalten und damit das Mordmerkmal der Grausamkeit nicht erfüllt sei, sei die Tat genau so zu nennen, erklärte der Staatsanwalt.

Horst K., so führte er weiter aus, habe nicht, wie von ihm behauptet, bei der Tat "sein Gehirn ausgeschaltet", sondern vielmehr sein Gewissen und die Menschlichkeit. Danach sei niemandem etwas Besonderes an seinem Verhalten aufgefallen. Er begab sich ins Reisebüro, um den Thailandflug zu buchen, er räumte die Konten ab, er kaufte diverse Utensilien für die Zerstückelung, er legte falsche Fährten, indem er behauptete, seine Frau habe ihn verlassen, und er müsse ihr nachreisen. Als im Urlaub in Thailand das Geld zu Ende ging, das Visum ablief und die Angst, der Mord werde entdeckt und er dort festgenommen, stieg, sei Horst K. zurück nach Deutschland geflogen. Die Festnahme habe ihn weniger vom Gewissensdruck befreit, als vielmehr vom Druck, sich doch noch selbst töten zu müssen.

Der Staatsanwalt wirft Horst K. vor, sich "in Selbstmitleid zu suhlen". Er lasse jedes Mitgefühl für sein Opfer vermissen. Neumann listet auch das Mordmerkmal der Habgier auf, denn Horst K. habe das Geld seiner Frau gebraucht. Sein eigenes hätte nur für den Flug nach Thailand gereicht, nicht aber für einen längeren Aufenthalt. Dass erst der Mord die Reise nach sich gezogen habe, sei glatt gelogen, es sei genau umgekehrt. Horst K. habe ein "regelrechtes Doppelleben" geführt. 2007 und 2013 sei er für "Sexkontakte" nach Thailand gereist, seine Frau Grace habe ihm diese "Fluchten" verziehen, aber deutlich gemacht, ein drittes Mal werde er keine Vergebung erfahren.

Weil er seine dritte Reise unbedingt antreten wollte, musste Grace sterben: "Sie stand ihm im Weg", sagte Matthias Neumann. Die vorgetragene Begründung, Horst K. habe sich durch den Mord unter Druck setzen wollen, um sein aus seiner Sicht nicht mehr erträgliches Leben beenden zu können, zeige dessen Verachtung, Selbstherrlichkeit und Egoismus höchster Ausprägung. "Er löscht ein Menschenleben aus, um seine Feigheit zu überwinden." Unerträglich zynisch sei der Vortrag, Horst K. habe seiner Frau das Leid ersparen wollen, über ihn zu trauern, wenn er sich selbst getötet habe. Grace K. sei eine fröhliche Frau gewesen, die ihre Familie unterstütze und fest auf eigenen Beinen stand. "Sie hätte ihr Leben auch ohne ihn gemeistert."

Alles in allem stünden die Motive, die Horst K. zu dem Mord getrieben hätten, "auf tiefster Stufe" und seien "besonders verachtenswert". Matthias Neumann plädierte "zur Abschreckung, zum Schuldausgleich und zur Sühne" auf besondere Schwere der Schuld, die eine Aussetzung der Reststrafe zur Bewährung bereits nach 15 Jahren Haft unmöglich machen würde.

Nebenklagevertreterin Mandana Mauss stimmte mit dem Staatsanwalt überein - bis auf eine Ausnahme. Die Tat sei nicht besonders grausam gewesen, "zum Glück". Das Opfer habe nicht besonders leiden müssen, da es nach dem ersten Schlag das Bewusstsein verloren habe. Das sei wichtig für die Nebenklägerinnen, die Schwestern.

Verteidiger Bernd Scharinger setzte alles daran, von der besonderen Schwere der Schuld wegzukommen. Dafür führte er mehrere Fälle und Urteile an, in denen der Täter ähnlich gehandelt habe aber trotzdem mit normalem Lebenslang weggekommen sei. Dass Horst K. so intelligent sei wie nur zwei Prozent der Bevölkerung - er hat einen durchschnittlichen IQ von 127 - spreche nicht für ihn: "Gerade solche Menschen sind nicht immer berechenbar, und ihr Handeln ist für uns Normale nicht nachvollziehbar."

Er habe das Opfer keinen größeren Qualen ausgesetzt, als sie "für die Tötung erforderlich" waren. Es sei Horst K. nicht ums Geld gegangen oder ein schöneres Leben in Thailand. Er habe ohne Habgier gehandelt und ohne Mordlust. Er sei nicht zum Vergnügen nach Thailand gereist, sondern um "in einem Paradies Suizid zu begehen". Auch wenn man die Gedanken seines Mandanten nicht nachvollziehen könne, sie seien nun einmal da gewesen. Es bleibe nur das Mordmerkmal der Heimtücke, fand Scharinger.

Durch das Konservieren der Leichenteile in Salz, Bauschaum und Plastikboxen habe Horst K. seiner Frau die letzte Würde erhalten und nicht nehmen wollen, so verquer das auch klinge. Er habe sie "aufbewahren" wollen. Horst K. sei als Ersttäter und angesichts seines Alters von 53 Jahren besonders haftempfindlich. Er stehe zu der Tat, die Ausdruck einer "narzisstischen Krise" sei, und werde sie nie vergessen, er träume sogar nachts davon.

Alle Zeugen sind gehört, Horst K. hat seine Absicht erklärt, die hinterbliebenen Schwestern mit je 8000 Euro entschädigen zu wollen - wofür er im Moment nicht die Mittel hat.

Morgen um 11 Uhr wird das Schwurgericht unter Vorsitz von Richter Christoph Wiesner das Urteil fällen.
(Von Monika Grunert Glas)
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