Mordprozess gegen Friedberger Horst K.: Von Eheproblemen hat niemand etwas mitbekommen

In diesem Mehrfamilienhaus im Friedberger Stadtteil Rothenberg lebten Grace und Horst K. etwa sechs Jahre lang - und dort ereignete sich auch der Mord. Foto: Monika Grunert Glas


Vor genau einem Jahr meldete sich Grace K. zum letzten Mal auf ihrer Facebookseite. Sie, die Kochen und Backen liebte, hatte French Macarons hergestellt, ein Baisergebäck, mit einer Füllung aus Mango-Buttercreme, und freute sich über das gelungene Ergebnis. "Stress reliever" schrieb sie scherzhaft dazu. Ihr Auftritt im Internet ist noch immer online, jetzt, ein Jahr nach ihrem gewaltsamen Tod.

Auch der zweite Tag im Mordprozess gegen Horst K., der gestanden hat, seine Frau erschlagen und zerstückelt zu haben, begann mit gehöriger Verspätung. Zum Auftakt hatte der Gefängnistransporter mit Horst K. zwischen Gablingen und Strafjustizzentrum im Stau gestanden. Am Mittwoch wartete man fast eine Stunde auf die Dolmetscherin, die das Geschehen im Saal für die drei Nebenklägerinnen, Schwestern des Opfers, das von den Philippinen stammte, übersetzt. Christoph Wiesner, der Vorsitzende Richter der achten Strafkammer, erteilte ihr dafür eine Rüge.

Der Prozess zieht viele Neugierige an, sie füllen die Reihen im großen Schwurgerichtssaal, beobachten jede Regung des Angeklagten und flüstern sich Kommentare zu. Manche kannten ihn oder seine Frau. Ein Mann sagt, nie hätte er Horst K. diesen grausamen Mord zugetraut, ein anderer lästert, dieser sehe in seinem schwarzen Jackett selbst aus "wie ein Anwalt". Horst K., erneut gekleidet in einen dunklen Anzug mit hellem Hemd, führt stets einen dicken Ordner, gefüllt mit Unterlagen über seinen Fall, mit sich. Er setzt seine Brille mit silbernem Rand auf und blättert des öfteren darin herum. Auch die diversen Zeitungsberichte liest der 53-Jährige aufmerksam. Einer, in dem ein Facebookeintrag seiner Frau zitiert wird, wonach sie ihn, ihren "Honeyko", als Geschenk Gottes bezeichnete, hat ihn zu Tränen gerührt.

Grace K. teilte viel Privates mit der Internetcommunity, angefangen bei dem, was sie kochte und buk, bis hin zu Posts über Krankheiten wie Blasenentzündung und Rückenschmerzen. Ihren Nachbarn gegenüber war die zierliche 37-Jährige jedoch zurückhaltend. Einige von diesen wurden gestern vernommen. Übereinstimmend sagten sie aus, man habe sich im Flur des Mehrfamilienhauses gegrüßt und gegenseitig bei Abwesenheit Pakete für den anderen angenommen, doch Näheres wusste niemand über die Philippina zu berichten - nicht einmal eine Landsmännin, die ebenfalls in dem Haus wohnt. Von irgendwelchen Eheproblemen hatte niemand etwas mitbekommen, und auch in der Mordnacht schien nichts den Verdacht der Nachbarschaft zu erregen. Eine Frau berichtete, Horst K. habe ihr Anfang Dezember, wohl vor seinem Abflug nach Thailand, einen Zettel in den Briefkasten gesteckt. Darauf habe er notiert, er und seine Frau seien ein paar Tage verreist, wegen Eheproblemen. Es war das erste Mal, dass sie derartiges von dem Paar vernahm. Eine Mutter und ihre Tochter erzählten, sie hätten Grace K. am Samstag vor ihrem Tod zuletzt gesehen: Sie brachte ihnen Gebäck vorbei.

Auf ihren eigenen Wunsch hin nahm eine Schwester des Opfers im Zeugenstuhl Platz. Ihr war es besonders wichtig, zu betonen, dass Grace K. "fest auf ihren Füßen stand" und niemals verzweifelt wäre, wenn Horst K. sie verlassen hätte. Das hatte dieser behauptet und gemeint, mit ein Grund für den Mord sei gewesen, dass er sie nicht "traurig und verzweifelt" nach seinem Suizid, den er geplant habe, zurücklassen wollte.

Einmal, 2013, Grace K. kehrte nach der Beerdigung ihrer Mutter von den Philippinen nach Hause zurück, wurde sie nicht, wie erwartet, von ihrem Mann Horst am Flughafen in München abgeholt. Dieser hatte ihr zu Hause in Friedberg einen Brief hingelegt und war nach Thailand gereist. "Sie hat gedacht, dass er sie nun verlassen hat, und gesagt, sie würde sich dann eine kleinere, günstigere Wohnung suchen", berichtete die Schwester. Doch Horst K. hatte seine Grace nicht verlassen, sondern einmal mehr betrogen. Sie verzieh ihm und schwieg. Näheres teilte sie nicht einmal ihrer Schwester mit, kein schlechtes Wort über ihren Mann kam ihr über die Lippen: "Grace war eine sehr tapfere Frau", erklärte die Schwester unter Tränen. Sie und die anderen Nebenklägerinnen sind nicht nur von der Trauer gebeutelt, sondern haben an dem Verlust auch materiell schwer zu tragen. Grace K. schickte ihnen jeden Monat Geld von ihrem Lohn als Angestellte in einem Supermarkt und ließ ein Haus auf den Philippinen errichten. Nun wurde der Bau gestoppt, und die Schwestern hatten Beerdigungskosten von rund 5000 Euro zu tragen. Grace K. wurde in Deutschland eingeäschert und in ihrer Heimat beigesetzt.

Der Prozess wird erst am 8. November fortgesetzt. Dann werden weitere Zeugen aus dem Umfeld des Paares vernommen. (Monika Grunert Glas )
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