Sexmail an Schülerin: Lehrer aus Aichach verliert Beamtenstatus

Vor Gericht ist ein Lehrer der Aichacher Deutschherren-Gymnasiums verurteilt worden, der Schülerinnen unangebrachte Aufwartungen gemacht hatte. (Foto: Symbolbild, Robert Wilson-123rf.de)

Am Ende zeigte sich so etwas wie Einsicht. „Ich halte es nicht für sinnvoll, mich zur Zeit auf Schüler loszulassen“, sagte der mittlerweile 40-jährige ehemalige Lateinlehrer des Aichacher Deutschherren-Gymnasiums in letzter Instanz vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (VGH), wo er um seinen Beamtenstatus kämpfte. Vergeblich: Der Vorsitzende Richter des 16. Senats, Dr. Ludwig Wagner, wies seine Berufung zurück. Ab sofort erhält der Mann, dem massives unbotmäßiges Verhalten gegenüber Schülerinnen vorgeworfen wird, kein Geld mehr vom Staat.

Es war das erste Mal seit den Strafprozessen, dass der ehemalige Lehrer selbst vor Gericht erschien. Als er im Sommer 2015 vor dem Verwaltungsgericht um die Beibehaltung seines Beamtenstatus klagte, platzten zwei Termine wegen Krankheit seines Rechtsanwalts sowie angeblich im Poststreik nicht pünktlich zugestellter Ladung, bis schließlich beim dritten Termin sowohl der Lehrer als auch sein Anwalt unentschuldigt fehlten und das Urteil in deren Abwesenheit gefällt wurde. Gestern kam der 40-Jährige im schwarzen Anzug und in Begleitung seines Anwalts Uwe Budäus. Auch eines der Mädchen, die Ziel seiner Avancen geworden waren, verfolgte die Verhandlung in Begleitung seiner Mutter. Bei der nun 19-Jährigen entschuldigte sich der Ex-Lehrer: „Es tut mir furchtbar leid, dass ich dich da reingezogen habe.“

Trotz Therapie findet Lehrer kein Mittelmaß für den Unterricht

Der Lateinlehrer erfreute sich großer Beliebtheit am DHG. Er unterrichtete nicht nur, sondern gründete darüber hinaus eine Tanz-AG. Gestern erklärte er, er sei ein „hochengagierter Lehrer“ gewesen, der sich „mit vollem Herzen und allen Kräften in den Schulbetrieb gestürzt“ habe. „Aus diesem tollen Einsatz ergab sich die Problematik, mich entweder voll auf die Schüler einzulassen oder eine Wand zwischen mir und den Schülern zu errichten.“ Ein gesundes Mittelmaß war ihm offenbar nicht möglich. „Die Alternative wäre, ich gehe rein in die Klasse und wieder raus, das ist aber stinklangweilig und kein guter Unterricht.“ Für dieses Problem habe er auch in den viereinhalb Jahren seit seiner Suspendierung trotz Therapie noch keine Lösung gefunden.

Er bat deshalb darum, man möge ihm nicht den Beamtenstatus entziehen, sondern ihm eine Arbeit „im Hintergrund“ zuweisen, bis sich „irgendwann mit Hilfe der Therapie eine Möglichkeit zur Rückkehr bietet“. Ab Oktober 2012 waren ihm seine Bezüge um 30 Prozent gekürzt worden, ab April 2013 um 45 Prozent. Der ledige 40-Jährige gab offen zu, pädophil und dominant veranlagt zu sein. „Diese sexuelle Präferenz ist Teil meiner Persönlichkeit.“ Damit habe er erst ein Problem bekommen, als er an die Schule gekommen sei: „Da hatte ich mit dieser Altersgruppe zu tun.“

Er schenkt Schülerinnen Rosen - und schickt schließlich pornographische Fantasien

Man legt ihm zur Last, bereits Schülerinnen in der Unterstufe zu nahe getreten zu sein. Oberlandesanwalt Robert Kirchmaier berichtete, der Lehrer habe im Schuljahr 2010/11 einem Mädchen angetragen, für eine Statue Modell zu stehen, die er in seinem privaten „Lusthain“ platzieren wollte. Einer anderen stellte er 2009 einen Strauß rote Rosen vors Elternhaus, obwohl ihm gesagt worden war, man verbitte sich derartiges. Seine Antwort: „Man kann es sich nicht aussuchen, wo die Liebe hinfällt.“ Einer 16-Jährigen schenkte er 2011 eine blaue Rose mit einem Zettel: „Eine besondere Rose für eine besondere Dame. Es wäre mir recht, wenn du das nicht an die große Glocke hängen würdest.“

Sein Verhalten gipfelte dann darin, dass er sich 2012 in eine 15-Jährige verliebte. Über Monate schrieben sich Lehrer und Schülerin nächtelang E-Mails, bis er ihr im Herbst 2012 schließlich seine pornografischen Phantasien „Generalbeichte.doc“ und „Träume von dir.doc“ unter Einbeziehung einer weiteren Schülerin schickte.

Verteidigung: Zur Schülerin bestand ein "normales Liebesverhältnis"

Sein Anwalt meinte nun, das könne man nicht als Missbrauch einer Schutzbefohlenen sehen, denn er habe das Mädchen nicht selbst unterrichtet. „Das war ein normales Liebesverhältnis“, so Budäus. Außerdem lasse es der Staat zu, dass pornografische Romane in Buchhandlungen verkauft würden, also dürfe er nun nicht einem seiner Beamten, dem Verbreitung pornografischer Schriften vorgeworfen werde, vollkommen das Vertrauen entziehen und diesen entlassen. Außerdem sei der 40-Jährige zwar nicht in seiner Einsichtsfähigkeit gehindert, aber sein Verhalten sei eine Folge seiner krankhaften Persönlichkeitsstörung.

Das Gericht sträubte sich gegen diese Auffassung. Zum einen handle es sich um eine rechtspolitische Forderung, wenn Budäus den Verkauf gewisser Romane anprangere. Zum anderen könne es keinerlei Zweifel daran geben, dass der Lehrer gegen seine Pflicht verstoßen habe und das Vertrauen seines Dienstherren sowie der Öffentlichkeit nachhaltig zerstört habe. Das Lehrer-Schüler-Verhältnis ende nicht beim Gongschlag, der Erziehungsauftrag reiche darüber hinaus.

Lehrer wusste, dass er Verbotenes tat: 17.000 Euro Geldstrafe

Die disziplinarrechtliche Ahndung richte sich nach dem Strafrahmen der vorgeworfenen Straftat. Weil eine Schülerin so großen seelischen Schaden genommen hatte, dass sie sich in Therapie begeben musste, wurde der Lehrer vom Landgericht Augsburg wegen Verbreitung pornografischer Schriften und vorsätzlicher Körperverletzung zu 17.000 Euro Geldstrafe verurteilt. Die 240 Tagessätze rechtfertigten schon eine Entfernung aus dem Beamtenverhältnis, erklärte Dr. Wagner, die Entscheidung des VGH stütze sich auf das Urteil des Strafgerichts. Dem Lehrer sei von Anfang an klar gewesen, dass er Verbotenes tue, das gehe auch aus den E-Mails hervor. Einem Postboten, der Pakete gestohlen habe, biete man auch keinen Job in der Schreibstube an.

Der Versuch, anderweitig eine Aufgabe zu finden, stehe kranken Beamten zu, nicht solchen, die sich selbst untragbar gemacht hätten. Für den Lehrer sehe der Senat „keine Möglichkeit für eine positive Prognose“. Gegen das Urteil ist kein Rechtsmittel möglich. Das bayerische Beamtenrecht klammert den Gang vor das Bundesverwaltungsgericht aus. Der Ex-Lehrer bekommt nun keine Bezüge mehr und auch keine Ruhestandsgehalt. Er wird rückwirkend gesetzlich krankenversichert, die Beiträge zahlt der Staat.
(Von Monika Grunert Glas)
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