Urteil im Fall Horst K.: Lebenslang ist nicht genug

Der Friedberger Horst K. hatte seine Ehefrau ermordet und ihre Leiche danach zerstückelt. (Foto: Robert Edler)
Horst K. muss für den grausamen Mord an seiner Ehefrau Grace lebenslang ins Gefängnis und kann nicht auf eine Haftentlassung nach 15 Jahren hoffen. Das Augsburger Schwurgericht unter Vorsitz von Richter Christoph Wiesner stellte am Donnerstag die besondere Schwere der Schuld fest.

Die zahlreichen Zuschauer verfolgten die knapp halbstündige Urteilsbegründung mit Erleichterung, der 53-Jährige selbst nahm das Urteil äußerlich ruhig auf.

Ehefrau zerstückelt: „Verstörende Motive“


Er erschlug seine 37-jährige Frau im Schlaf, zerstückelte das Opfer, verpackte die Teile luftdicht in Kisten, die er in einem Gepäckfach deponierte, und flog anschließend seelenruhig in den Sexurlaub nach Thailand. Richter Wiesner wollte erst gar kein „Ranking“ aufstellen und diesen akribisch geplanten und eiskalt durchgeführten Mord in eine Reihe mit anderen Taten stellen. Jede vorsätzliche Tötung eines Menschen mache betroffen und sei für die Angehörigen zutiefst traumatisierend. Schockierend seien aber auch für das Schwurgericht die „verstörenden Motive“ des Angeklagten gewesen, wie Wiesner ausführte.

Die 37-jährige Grace habe aus Sicht des Angeklagten ihr Lebensrecht verwirkt gehabt, weil ihr Tod ihm angeblich hätte helfen sollen, sich selbst zu töten.

Das Schwurgericht sah eine lebenslange Haftstrafe als „einzig absolute Strafe“ für diese Tat und verwies auf gleich drei erfüllte Mordmerkmale: Heimtücke, weil Horst K. seine völlig arglose Frau im Schlaf erschlug und erstickte. Zweitens Habgier, weil er dringend das Geld der Gattin brauchte, um sich „glückliche Stunden“ in Thailand finanzieren zu können. Spätestens, als die Reise gebucht war, sei das Todesurteil für Grace K. gefallen. Sei eigenes Geld hätte nur für wenige Tage gereicht. Und schließlich „sonstige niedrige Beweggründe“ – Motive, die sittlich und moralisch auf der tiefsten Stufe stünden.

Horst K. hatte erklärt, seine Frau getötet zu haben, um sich selbst unter Druck zu setzen und sie nach seinem eigenen Selbstmord nicht alleine zurückzulassen, ihr quasi die Trauer um ihn zu ersparen. „Tötung als Akt der Gnade? Völliger Unsinn“, unterstrich der Vorsitzende Richter.

Dass man die Schuld des Friedbergers als besonders schwer einstufte, hat übrigens nicht direkt etwas mit der grausamen Entsorgung des Opfers zu tun. Wie mehrfach berichtet, hatte Horst K. die Leichenteile per Salz, Bauschaum und Plastikboxen quasi konserviert. Dem Mord fehle vielmehr jede Form von Spontanität, die Tat sei von langer Hand geplant und akribisch durchgezogen worden.

Horst K.: Eine Art Scheinwelt


Dieses besondere Maß der Schuld könne auch nicht durch das umfassende Geständnis des Angeklagten und seine vor Gericht dargelegte Reue relativiert werden. Horst K. sei voll schuldfähig. Der 53-Jährige flüchte zwar im Zuge einer aggressiven Konfliktbewältigungsstrategie in eine Art Scheinwelt, sei auf der anderen Seite aber ein Mensch mit großer Intelligenz und einem hohen analytischem Verständnis.

Horst K. hat nun eine Woche Zeit, das Urteil anzunehmen oder in Revision zu gehen. Dass er das tut, scheint unwahrscheinlich. Wie sein Verteidiger Bernd Scharinger nach der Urteilsverkündung vor Pressevertretern erklärte, habe er mit der Feststellung einer besonderen Schwere der Schuld gerechnet. Die Ausführungen des Gerichts dazu seien nachvollziehbar gewesen. Horst K. selbst hat im Laufe des Prozesses betont, für seine Schuld auch die Verantwortung übernehmen zu wollen. Auch darauf wies das Schwurgericht in der Urteilsbegründung hin. (Robert Elder)
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