Verschnupfte Kätzchen nicht behandelt: Aichacher Amtsgericht verurteilt 34-Jährige zu einer Geldstrafe

Katzen können an Katzenschnupfen erkranken. Weil eine 34-Jährige ihre kranken Tiere nicht behandeln ließ, zeigte eine Nachbarin die Katzenhalterin an. Foto: Kristin Deibl


Zu 900 Euro Geldstrafe ist eine 34-jährige Friseurin aus dem nördlichen Landkreis vor dem Amtsgericht Aichach verurteilt worden, weil sie ihre drei Kätzchen - trotz eines Katzenschnupfens - nicht bei einem Tierarzt hat behandeln lassen. Der Vorfall ereignete sich im Juni vergangenen Jahres. Mehrere Tage litten die Tiere an den Symptomen des Katzenschnupfens. Schließlich zeigte eine Nachbarin die Katzenhalterin an. Jetzt stand die Frau vor Gericht. Sie entschuldigte ihr Verhalten damit, dass sie krank sei und kein Geld für die Behandlung hatte.

Katzenschnupfen klingt für den Laien erst mal harmlos. Tatsächlich verbergen sich hinter der Bezeichnung aber gleich mehrere ansteckende Erkrankungen der Atemwege und der Schleimhäute des Kopfes bei Katzen. Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft litten die Jungtiere an verschiedenen Symptomen, unter anderem Niesen, vermehrter Nasen- und Augenfluss sowie Verkleben der Augen durch Eiter. Ein Tier war laut Aussage des Amtstierarztes stark abgemagert. Der gesamte Wurf wirkte vernachlässigt.

Vertreten ließ sich die aufgrund einer schweren Krankheit seit einem Jahr Frührente beziehende Frau von Anwalt Christian Kwiauka aus Augsburg. Der Verteidiger übernahm das Mandat, ohne Honorar zu verlangen. Von Richter Walter Hell zu den Vorfällen befragt, erklärte die Angeklagte: 2015 habe sie sich bei einem Bauern eine Katze geholt. Als diese eine Verletzung am Auge hatte, brachte sie das Tier zum Arzt. Die Kosten für die Behandlung: rund 200 Euro.

Etwa im April des darauffolgenden Jahres brachte die Katze in einem kleinen Schuppen nahe der Mietwohnung der Frau drei Junge zur Welt. Nachdem die Tiere einige Wochen alt waren, so die 34-Jährige, erkrankten sie an infektiöser Katzenrhinitis oder auch Katzenpneumonitis genannt. Laut eigenen Angaben habe sie die Tiere mit Kamillentee behandelt. Weil sie jedoch nur 1000 Euro Rente plus 550 Euro Pflegegeld monatlich erhalte, habe sie auf eine medizinische Behandlung verzichtet. Aufmerksam wurde das Veterinäramt auf den Fall aufgrund der Anzeige durch eine Nachbarin.

Zwei Tierärzte des Landratsamtes Aichach-Friedberg statteten der Frau daraufhin einen Besuch ab, um die Kätzchen selbst in Augenschein zu nehmen. Laut Aussage eines der Amtstierärzte befanden sich die Tiere wohl schon seit Tagen in einem "akuten Zustand". Die Wohnung der Frührentnerin sei unaufgeräumt gewesen, zudem habe es streng nach Katzenurin gerochen. Auf die Nachfrage, ob sich die Tiere bereits in Behandlung befänden, habe die Angeklagte mit "Ja" beantwortet. Eine klare Lüge, wie Richter Walter Hell feststellte.

Da die Katzenhalterin keine Augentropfen oder dergleichen vorzeigen konnte, fragten die Amtsärzte bei der von der 34-Jährigen angegebenen Tierarztpraxis nach. Da man hier von den drei kranken Kätzchen nichts wusste, schaute das Veterinäramt bei der Frau noch einmal vorbei - und erteilte eine sofortige Anordnung, die Tiere behandeln zu lassen. Da die Frau selbst kein Auto hatte, brachten sie sie samt der Kätzchen zur nächsten Tierarztpraxis. Die Kosten für die Behandlung: 226 Euro.

Der Staatsanwalt ging mit der Katzenhalterin streng ins Gericht. Ihm leuchtete nicht ein, warum die Frau sich beim Tierarzt zunächst nicht wegen der Kosten schlau gemacht habe, anstatt zu Hause zu sitzen und nichts zu tun. Dass sie zudem noch die Amtstierärzte angelogen habe, wertete er als klare Unterlassung. Er forderte 90 Tagessätze je 15 Euro Geldstrafe. Der Anwalt der Angeklagten hielt dagegen, seine Mandantin sei aufgrund ihrer Krankheit mit der Situation psychisch überfordert gewesen.

Richter Walter Hell sprach die Angeklagte schuldig des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz durch Unterlassung. Die Entschuldigung der Friseurin, sie habe kein Geld, hielt er für nicht wirksam. Sie verfüge monatlich über 1500 Euro, zudem hätte man mit den Tierärzten sicher Ratenzahlung vereinbaren können. Sein Fazit: "Wer kein Geld hat, darf sich keine Tiere halten." Denn Katzen seien Lebewesen, für die man Verantwortung übernommen habe. (Thomas Winter )
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