Wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt: Erzieher streichelte und küsste Vier- und Fünfjährige im Kindergarten

Das Gericht Aichach hat einen Erzieher aus dem Landkreis zu Freizeitarrest und Geldstrafe verurteilt. (Foto: Symbolbild, rclassenlayouts - 123rf.de)

Ein heute 21-jähriger Mann aus dem Landkreis Aichach-Friedberg ist am Dienstag vor dem Amtsgericht Aichach des sexuellen Missbrauchs in drei Fällen verurteilt worden.

Zum Tatzeitraum vor mehr als zwei Jahren arbeitete der gelernte Kinderpfleger in einer Kindertagesstätte im nördlichen Landkreis. Weil er damals noch 18 Jahre alt war und bei der Mutter lebte, wurde er nach Jugendstrafrecht verurteilt. Er erhielt ein Wochenende Freizeitarrest, fünf Gesprächsweisungen und eine Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro.

Vorwurf: Missbrauch dreier Kinder


Konkret vorgeworfen wurden ihm drei Vorfälle. Im Oktober 2015 nahm er nach Angaben einer Kollegin ein fünfjähriges Mädchen auf seinen Schoß und streichelte es nahe dem Intimbereich. Das Kind trug ein Kleidchen und eine Strumpfhose. Die Zeugin, die vom Gericht als äußerst glaubwürdig eingestuft wurde, beobachtete den Übergriff durch den Spalt einer Tür. Als sie das Zimmer betrat, zog der Beschuldigte seine Hand „ruckartig“ weg und wirkte perplex.
In einem zweiten Fall sah die junge Frau, wie ihr Kollege auf dem Boden hockte, breitbeinig über ihm ein Mädchen. Gezielt, so die Zeugin, streichelte er dem Kind über Beine und Po.

Nach diesen beiden für sie verstörenden Zwischenfällen wandte sie sich an die Kindergartenleiterin. Der junge Mann wurde daraufhin suspendiert. In der Folge fand ein Gespräch mit dem Bürgermeister – als Träger der Einrichtung –, der Leiterin und dem Beschuldigten statt. Hierbei hat der junge Mann nach Aussage einer Zeugin ein Kreuz in die Hand genommen, und mehrmals geschworen, dass er „nicht so einer sei“. Dennoch folgte die fristlose Kündigung. Zudem wandte sich die Leiterin an die Polizei und ein Info-Abend für die Eltern fand statt.

Im Nachgang bekam die Erzieherin einer anderen Kindergartengruppe mit, wie ein Mädchen einer Kameradin erzählte, sie und der Beschuldigte würden sich lieben und wollten heiraten. Als die Erzieherin genauer nachfragte, gab das Mädchen an, sie sei von dem Mann mehrmals gestreichelt und geküsst worden. Der Angeklagte stritt die Vorwürfe allesamt ab. Sicher sei hin und wieder ein Kind auf seinem Schoß gesessen, mitunter habe er Kinder auch angefasst. Aber nie in sexueller Absicht, immer nur, weil es die Situation erfordert habe.

Laut Gutachtern keine Pädophilie, aber eindeutig gewisse Neigungen

Der Kindergarten im nördlichen Landkreis war bereits seine zweite Station als Kinderpfleger. In seinem Ausbildungsbetrieb, vertraute er der Kollegin, die als Zeugin geladen war, an, habe man ihn der Pädophilie beschuldigt. Angeblich, weil er einen Jungen auf den Schultern getragen habe.

Neben den Mitarbeiterinnen der Kindertagesstätte diente ein Video eines Mädchens zur Beweisführung. Darin erzählt das Kind, von dem Mann geküsst und berührt worden zu sein. Auf Nachfrage einer Psychologin erklärt das Mädchen: „Das fand ich gar nicht schön“.

Ebenfalls wurden auf dem Computer des Mannes Bilder gefunden, die kleine Mädchen im Bikini zeigen. Nach Ansicht der Staatsanwältin Melanie Ostermeier sei das zwar nicht strafbar, es zeige jedoch ganz eindeutig gewisse Neigungen.
Der Angeklagte begründete die Fotos damit, dass er sie „ästhetisch schön“ finde. Und auch zwei Gutachterinnen aus München konnten dem jungen Mann keine pädophile Veranlagung nachweisen.

Erzieher habe eindeutig Grenzen überschritten

Richterin Eva-Maria Grosse sah es dennoch als erwiesen an, dass der Erzieher klar Grenzen überschritten habe. Die Berührungen gingen eindeutig über das normale Maß hinaus, so Grosse. Zudem fühlte sich der Angeklagte ertappt, als seine Kollegin das Zimmer betrat. Zum Thema Gutachten erklärte sie: Langjährige Erfahrung in dem Bereich habe ihr gezeigt, dass solche Gutachten wenig aussagekräftig seien.

Die Zeuginnen hätten sehr glaubwürdig gewirkt, erklärte die Richterin weiter. Man habe den jungen Mann keineswegs argwöhnisch behandelt, nur weil er ein Mann sei, ganz im Gegenteil. Er sei in der Einrichtung wohlwollend und offen aufgenommen worden.
Mittlerweile arbeitet der Beschuldigte nicht mehr mit Kindern. Das Mädchen, das bei der Polizei befragt wurde, hat laut Aussage der Mutter keinen bleibenden Schaden. Wohl auch deshalb erhielt der Mann nur eine relativ milde Strafe.
(Von Thomas Winter)
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