Wie gefährdet ist der Landkreis Aichach-Friedberg?

Landtagsabgeordneter Peter Tomaschko hatte zu einer Infoveranstaltung zum Thema Einbruchskriminalität eingeladen. Foto: Lütke-Wissing

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist in den vergangenen Jahren in Bayern und im Landkreis Aichach-Friedberg gestiegen. Aus diesem Grund hatte Landtagsabgeordneter Peter Tomaschko zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Tomaschko ist im Landtag im Ausschuss für innere Sicherheit.

Polizeipräsident Michael Schwald und Polizeihauptkommissar Andreas Schmaus berichteten, was die Bayerische Staatsregierung und die Polizei unternehmen, um das Problem zu bekämpfen. Polizeihauptkommissar Rainer Rindle von der Beratungsstelle der Kriminalpolizei Augsburg erklärte, was Bürger tun können, um sich zu schützen.

Seit fünf Jahren sind die Fallzahlen in Bayern beim Wohnungseinbruch um 84 Prozent gestiegen, von 4470 Einbrüchen in 2010 auf 8210 in 2014 – obwohl die Kriminalitätsbelastung in Bayern im deutschlandweiten Vergleich am geringsten ist. Bundesweit liegt sie drei Mal höher. Für 2015 zeichne sich eine leichte Entspannung ab. Die Ermittlungsergebnisse zeigen, dass viele Einbrecher aus dem Ausland stammen und zunehmend reisende und professionell organisierte Täterbanden Einbrüche verüben. Um diese Entwicklung zu bekämpfen, komme inzwischen auch modernste Technik wie die Prognose-Software „PRECOBS“ zum Einsatz, die mit anonymisierten Falldaten eine statistische Berechnung durchführt, wann und in welchem Gebiet mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem Einbruch zu rechnen ist. In den Testregionen München und Mittelfranken ging so die Zahl der Einbrüche zurück, die Zahl der Festnahmen stieg. Die Software soll nun bayernweit zum Einsatz kommen.

Außerdem setzt die Polizei auf bayernweite und länderübergreifende Kontrollaktionen. Das im Oktober 2015 verabschiedete Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung trägt zur Aufklärung bei.

Für den Bürger am greifbarsten sind die Fördermittel für Einbruchsschutz wie einbruchhemmende Türen und Fenster, Alarmanlagen oder Bewegungsmelder. Bis 2018 stehen insgesamt 84 Millionen Euro für Mieter und Eigentümer zur Verfügung.
Polizeipräsident Michael Schwald berichtete, dass Nord-Schwaben eine der sichersten Regionen Deutschlands mit einer hohen Aufklärungsquote von fast 70 Prozent sei. Einbrüche werden allerdings selten aufgeklärt, da es meist keine Zeugen und wenig Tatspuren gibt. Schwald erläuterte, was die Polizei vor Ort gegen die Einbruchskriminalität unternehme. So gibt es eine eigene Arbeitsgruppe bei der Kripo für Wohnungseinbruchsdiebstahl (WED), eine AG „osteuroapäische Banden“ und spezielle Ermittlungsgruppen, wenn Häufungen auftreten. „Prävention ist aber die wichtigste Säule, sie ist Pflicht und keine Kür, auch wenn das im Tatort im Fernsehen keine Rolle spielt. Wir wollen es den potenziellen Tätern schwerer machen“, so Schwald.

Rainer Rindle berichtete von den drei Säulen des Einbruchsschutzes: Mechanischer Schutz vor Aufhebeln bei Fenstern und Türen sei das Wichtigste, da 80 Prozent der Einbrüche an Fensterelementen stattfinden. Auch ein hoch installiertes Außenlicht mit Bewegungsmelder schrecke Einbrecher ab. Die zweite Säule ist das eigene Verhalten. Wichtig sei zum Beispiel, die Haustüre immer zweimal abzuschließen oder den Briefkasten im Urlaub leeren zu lassen. Wer einen Einbrecher in den eigenen vier Wänden bemerke, solle bleiben, wo man gerade ist und die Polizei verständigen. „Der Einbrecher will keinen Kontakt, ist in der Regel nicht bewaffnet oder gewaltbereit. Er sucht oft das Weite, wenn er merkt, dass jemand da ist“, so Rindle. Eine gute Nachbarschaft ist als dritte Säule Gold wert. Aufmerksame Nachbarn sollten die Nummer 110 wählen, wenn ihnen etwas Verdächtiges auffällt.
Eine Studie mit inhaftierten Einbrechern ergab, dass ein Täter maximal 3,5 Minuten versucht, in ein Objekt einzudringen. Schafft er es in dieser Zeit nicht, geht er wieder. Im Haus selber verbleibt er meist nur 15 bis 20 Minuten. Besonders gefährlich sind im Winterhalbjahr die Dämmerungseinbrüche, die zwischen 16 und 21.30 Uhr stattfinden. Im Sommer wird dagegen oft vormittags eingebrochen.

Wer eine Beratung vor Ort möchte, kann sich an die Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle wenden, Rainer Rindle, Telefon 0821/323-37 37 oder E-Mail kripo-beratungsstelle@polizei.bayern.de.
Peter Lütke-Wissing
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