Arbeit mit und für Flüchtlinge

Seit Anfang Juli gibt es in Friedberg eine eigene Mitarbeiterin für den Bereich Asyl: die Asyl- und Integrationsbeauftragte Ulrike Proeller. Im Grunde liegt die Zuständigkeit für die Flüchtlinge beim Landratsamt und nicht bei der Stadt. Bürgermeister Roland Eichmann hat das Thema aber zur Chefsache erklärt und will sich als größte Stadt im Landkreis auch dieser Aufgabe stellen.

"Mein Aufgabengebiet muss ich mir noch selber gestalten", berichtet die 52-jährige Diplompolitologin. Im Wesentlichen ist sie aber für die Bereiche "Koordination der Ehrenamtlichen in der Flüchltingsarbeit" und "Anerkannte Flüchtlinge" zuständig. Zurzeit ist die Stelle auf zwei Jahre befristet und umfasst 30 Wochenstunden.

Die Betreuung der in der Asylarbeit tätigen 80 Ehrenamtlichen lag bisher in den Händen der Pfarrei Sankt Jakob. Proeller soll diese entlasten und als neue zentrale Ansprechpartnerin für die Helfer da sein. "Mit mir kann man auch Probleme besprechen oder ich sammle Fragen und kläre diese dann beim Landratsamt."

Gerade in den vergangenen Wochen haben sich viele Menschen gemeldet, die entweder etwas spenden oder sich engagieren wollen. Die Hilfsbereitschaft in Friedberg sei enorm. Daher wird Proeller im Oktober eine Veranstaltung organisieren, bei der sie die ehrenamtliche Asylarbeit in Friedberg vorstellen wird. Das dazugehörige Konzept entwickelt sie gerade gemeinsam mit einer Arbeitsgruppe. "Viele Leute haben angerufen oder eine E-Mail geschrieben. Jede Nachricht ist uns wichtig", betont Proeller. Sie versuche alle Anfragen zu bearbeiten, aber aufgrund der Vielzahl der Kontakte könne auch einmal etwas untergegangen sein.

Wenn Flüchtlinge dann ihre Anerkennung erhalten haben, hilft Proeller bei der Antragstellung auf Arbeitslosengeld II oder auf weitere Sozialleistungen. Aktuell hat sie zehn Familien unter ihre Fittiche genommen. Dass die Zahl steigen wird, ist eigentlich klar. "Wir haben zurzeit etwa 200 Asylbewerber. Wenn davon nur die Hälfte anerkannt wird, kann man sich vorstellen, was das an Betreuungsleistung bedeutet." Das Wichtigste für die Integration der Flüchtlinge sei das Lernen der Sprache. Daher befürwortet sie auch ein größeres Angebot an Sprachkursen, sowohl für anerkannte Flüchtlinge als auch für Asylbewerber.

Besonders kritisch sei die Wohnsituation. Günstiger Wohnraum ist Mangelware. Zurzeit sucht Proeller für eine asyrische Familie mit vier Kindern (zwei davon gehen in die Schule, eines in den Kindergarten, eines ist noch ein Baby) eine Wohnung mit vier Zimmern, Küche und Bad - fast unmöglich.

Doch nicht nur Wohnraum wird gesucht - auch ein Lagerraum für die vielen Sachspenden steht auf der Wunschliste der Asylbeauftragten. "Ich wünsche mir einen trockenen, sauberen Raum, ab 20 Quadratmeter, in dem wir auch mehrmals pro Woche offizielle Abgabetermine wahrnehmen können." Die Kleiderkammer der Caritas und der Rotkreuz-Laden sind bereits gut gefüllt.

Dennoch, Ulrike Proeller macht ihre neue Arbeit Spaß. So könne sie etwas bewegen und helfen. Für Ausgleich sorgen ihre vier Kinder, drei Enkel und ihr Hund. "Ich bin viel draußen und radle gerne." Auch die Unterstützung durch die Stadtverwaltung und die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt lobt sie. Am besten hat ihr bisher der kurzfristig organisierte Spielenachmittag für Flüchtlingskinder der Erstaufnahmeeinrichtung in der Turnhalle des Gymnasiums gefallen. "Die Kinder sind richtig aufgeblüht. Es ist schön zu sehen, dass sie noch lächeln können."

Wer sich über ehrenamtliche Mitarbeit in der Flüchtlingshilfe informieren will, kann dies am Mittwoch, 28. Oktober um 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses tun. Eine allgemeine Informationsveranstaltung über "Asylbewerber in Friedberg" findet am Montag, 12. Oktober, um 19 Uhr in der Mensa der Grund- und Mittelschule, Aichacher Straße 5, in Friedberg statt.

von Peter Lütke-Wissing
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