Buch aus Dasing: Ein syrischer Flüchtling erzählt seine Geschichte

Das Bild zeigt die Gruppe von Hothaefa Al-Sheik auf der sogenannten Balkanroute. Sie führte die Flüchtlinge immer wieder entlang der Gleise - kein ungefährlicher Weg. Foto: Erich Hoffmann
 
Frisch aus der Druckpresse: Das Buch "Flucht nach vorn" erzählt vom Ankommen in Deutschland und von dem Leben in Syrien. Geschrieben hat es Hothaefa Al-Sheik (links). Dasings Asylbeauftragte Sieglinde Jacob und Elfriede Beck (nicht auf dem Bild) standen dem Syrer bei grammatikalischen Fragen Rede und Antwort. Unterstützt wurde das Projekt unter anderem vom Verlag Mayer & Söhne, vertreten durch Verleger Thomas Sixta. In diesem Verlag erscheint auch die StadtZeitung.

Der große Flüchtlingsansturm der Jahre 2015, 2016 ist mittlerweile stark zurückgegangen - und damit auch die anfängliche Willkommenseuphorie und die mediale Aufmerksamkeit. Was geblieben ist, sind die hartnäckige Arbeit der ehrenamtlichen Helfer, die Ernüchterung vieler Asylsuchender über zuvor nicht gekannte bürokratische Hürden und leider auch die Ursachen für die Flucht: allen voran der noch immer grausam wütende Bürgerkrieg in Syrien.

Von all dem erzählt das Buch "Flucht nach vorn" von Hothaefa Al-Sheik. Der heute 31-jährige Syrer floh 2014 zusammen mit seinem Bruder über die Balkanroute nach Deutschland. Sein ursprüngliches Ziel war Kiel, doch der Englischlehrer schaffte es zunächst nur nach Passau. Hier wurde er von der Polizei aufgegriffen, kam nach München und später nach Dasing in die Asylunterkunft im alten Bahnhofsgebäude.

Eindrücke eines Flüchtlings

Das Buch beantwortet zahlreiche Fragen. Welche Eindrücke hat ein junger Muslim, der zuvor nie weiter verreiste als in die benachbarte Türkei, vom Westen, von den deutschen Behörden und Alltagsregeln, den bayerischen Bräuchen und Gepflogenheiten? Welche Kontakte oder Freundschaften schließt er? Wie ist sein beruflicher Weg? Was sind seine Sorgen und Träume?

Das Buch erzählt zudem von den Gefahren und Strapazen der einmonatigen Flucht. Von der lebensgefährlichen Überfahrt über das Mittelmeer, der ständigen Angst, aufgegriffen und zurückgeschickt zu werden. Hothaefa Al-Sheik hat dies alles selbst niedergeschrieben - in der Sprache seiner neuen Heimat, Deutsch.

Qualität des Buches: undramatische, direkte Erzählung

Im Gegensatz zu ähnlichen Berichten wurde Hothaefas Tatsachenbericht nicht journalistisch "hingetrimmt" auf dramatische Ereignisse. Das macht die besondere Qualität des Textes aus: Man erfährt als Leser, dass eine Flucht vor allem Warten bedeutet. Langes, zermürbendes Warten. Dass sie mit einem hohen organisatorischen Aufwand verbunden ist. Und sogar Platz bietet für kurze Glücksmomente: dann etwa, wenn die Gruppe einen sicheren, trockenen Lagerplatz gefunden hat, wenn sie gemeinsam Tee trinkt und gegrillte Maiskolben isst. Hothaefa ist als Asylsuchender mittlerweile anerkannt. Zusammen mit seinem Bruder lebt er in einer Wohnung in Augsburg. Er gibt Arabisch-Sprachkurse und bewirbt sich als Übersetzer bei verschiedenen Behörden und Firmen.

Erschienen ist das Buch im Verlag Mayer & Söhne, in dem auch die StadtZeitung erscheint. Die Druck- und Mediengruppe hat die Realisierung des Projekts - zusammen mit Martin Bauer von der Bauer AG in Schrobenhausen - ermöglicht und unterstützt.

Die Geschichte steht exemplarisch für tausende Flüchtlings-Schicksale

Hothaefas sehr persönlicher Bericht steht exemplarisch für tausende Schicksale aus dem Bürgerkriegsland Syrien. Der junge Mann, der in seinem Heimatland als Englischlehrer tätig war, erzählt von seiner Arbeit, von Familienfesten, Ausflügen aufs Land und der Liebe der Syrer zum Tee.

Unter anderem berichtete er über Flüchtlingsfamilien, die auseinandergerissen wurden, Flüchtlinge, die auf ihrer Reise in den Westen bedroht oder erpresst wurden, fast ertrunken wären oder wirtschaftlich ausgebeutet wurden. Auch über lukrative Geschäfte mit den Asylsuchenden in Deutschland schrieb er. Im vorliegenden Fall war seine Aufgabe eine andere. Sie bestand vor allem darin, immer wieder nachzuhaken: Wie läuft das mit der Bezahlung der Schlepper? Wie waren seine ersten Eindrücke in der neuen Heimat? Herausgekommen ist so ein Buch, das in einer Zeit medialer Aufgeregtheit der Sicht eines Geflüchteten genügend Raum gibt, seine Geschichte zu erzählen.

Erhältlich ist das Buch "Flucht nach vorn" im Webshop der StadtZeitung zum Preis von 9,80 Euro, zzgl. drei Euro Versand.
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