Damit sie nicht fliehen müssen

Die Hilfsorganisation Ubuntu des Friedberger Arztes Dr. Tobias Lutz und seiner Frau Brenda kämpft in Kenia gegen Armut, Hunger und Krankheiten. Das Filmfestival Aichach, das vom 18. bis 25. Oktober stattfindet, unterstützt das Projekt. Foto: oh

Der Verein „Ubuntu“ des Friedberger Arztes Dr. Tobias Lutz kämpft in einem kenianischen Dorf gegen Armut, Krankheit und Unbildung. Die Lebenserwartung dort beträgt 48 Jahre.

Fluchtursachen bekämpfen – das gilt sozusagen als der Königsweg, um die Flüchtlings- und Asylkrise in den Griff zu bekommen. So leicht das gesagt ist, so schwer ist es getan. Wie das konkret aussehen kann, zeigt die Organisation „Ubuntu“, die der Friedberger Zahnarzt Dr. Tobias Lutz und seine kenianische Frau Brenda gegründet haben: „Wir helfen den Menschen, damit sie nicht fliehen müssen“, bringt Lutz die Arbeit seiner Organisation auf den Punkt.
Ubuntu heißt übersetzt soviel wie „einander helfen“ und das tut ein kleiner Kreis um Lutz und seine Frau seit Jahren sehr effektiv. Die Organisation konzentriert sich dabei auf den kleinen Ort Kasuna im Nordwesten Kenias, etwa auf Höhe des Äquators. Die soziale und medizinische Situation dort, die Tobias und Brenda Lutz schildern, ist zum Teil katastrophal: Die Lebenserwartung beträgt etwa 48 Jahre, rund 75 Prozent der Bevölkerung sind mit Aids infiziert, auch andere Infektionskrankheiten grassieren. Jedes 5. Kind in Kenia ist mittlerweile Waise. Aber es gibt neben Aids-Waisen auch „Aids-Senioren“, alte Menschen, deren ganze Familie gestorben ist und die so keine Altersversorgung haben.

Armut und Krankheiten treffen vor allem Frauen, Kinder und alte Menschen. Der Weg aus dieser Spirale, davon sind die Mitarbeiter von Ubuntu überzeugt, geht nur über bessere Bildung und die Verbesserung der Stellung der Frau. Die werden oft von ihren Männern verlassen, nachdem sie fünf oder mehr Kinder zur Welt gebracht haben; sie sind dann auf sich alleine gestellt und doch die soziale Stütze Kenias. „In Afrika sind die Frauen das Sozialamt und die Krankenversicherung“, sagt Brenda Lutz.

Armut, Hunger, Krankheit zu bekämpfen, das erfordert zum einen direkte, akute Hilfe. So sind Lutz und befreundete Ärzte mehrere Wochen im Jahr in Kasuna und behandeln die Menschen kostenlos. Die kommen von weit her, wenn die deutschen Ärzte im Land sind. Schwere Einzelfälle werden auch in Deutschland behandelt. So konnte erst einem kleinen Jungen geholfen werden, dessen Beine als Baby völlig verbrannt sind. Spezialisten gelang es, seine Füße zu rekonstruieren, so dass er zum ersten Mal in seinem Leben auf eigenen Füßen stehen kann – Lutz spricht von einer medizinischen Sensation.

Damit die Menschen in Kenia aber auch im übertragenen Sinn auf eigenen Füßen stehen können, müssen langfristig Perspektiven eröffnet werden. Dafür hat Ubuntu zum Beispiel die Schule komplett saniert und ausgestattet. Früher besuchten sie 300 Kinder, mittlerweile sind es 1000. Sie pflanzen übrigens für jedes Schulkind, das stirbt, einen Baum im Schulgarten – „und das sind viele Bäume“, sagt Lutz. Dazu wurde eine Schulküche gebaut, wodurch sich der Gesundheitszustand der Kinder wesentlich verbessert hat. Auch einen Kindergarten haben die Helfer eingerichtet, eine Berufsschule befindet sich gerade im Aufbau. Sie soll gerade jungen Frauen eine berufliche Perspektive und damit einen Schritt in die Unabhängigkeit eröffnen. Das mit riesigem Engagement betriebene Projekt wurde inzwischen mehrfach in Fernsehsendungen vorgestellt und zeigt, dass eine kleine Gruppe von Menschen in einem kleinen Rahmen viel bewegen kann. Das war auch der Ansatz für Dieter Nitzsche, den Präsidenten des Rotary Club Schrobenhausen-Aichach, Ubuntu zu unterstützen. Bekanntlich organisiert der Rotary Club in diesem Jahr zusammen mit der Stadt Aichach und dem Cineplex Kino vom 18. bis 25. Oktober das erste Aichacher Filmfestival, das unter dem Motto „Leben“ steht. Mit dem Erlös der Benefizveranstaltung hilft der Rotary Club lokalen und internationalen caritativen und sozialen Projekten. Eines davon ist Ubuntu, das, angesichts der riesigen Probleme der Welt, vielleicht nur ein kleiner Schritt ist, es ist aber ein Schritt auf dem richtigen Weg.

Mehr Infos gibt es unter www.ubuntu-hilfe.org und www.filmfestival-aichach.de.
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