Der Fahrer des Königs

Gern auf Reisen sind Monika und Klaus-Dieter Hubrich. Foto: privat


Wenn Klaus-Dieter Hubrich die Hände über seinem Bauch zusammenfaltet und zufrieden lächelt, hat er Ähnlichkeit mit der Figur eines Buddha, was für ihn keinesweg eine Kränkung bedeutet: "Das ist der Ehrenname des indischen Religionsstifters Siddhartha Gautama", erzählt er und ist sogleich mitten in seinem Lieblingsland Thailand, das er schon mehrmals besucht hat. "Denn der Schreibtisch ist nicht unbedingt meine Welt", sagt der Friedberger mit der markanten weißen Brille.

Und so nutzt der Inhaber eines Friedberger Reisebüros jede Gelegenheit, um dem deutschen Alltagsgrau zu entfliehen. Nicht nur in Europa kennt er sich bestens aus: "Während meiner wilden Jahre als Bus- und Fernfahrer war ich rund 3,8 Millionen Kilometer unterwegs." Zum Vergleich: Die mittlere Entfernung zwischen Mond und Erde beträgt rund 384 400 Kilometer.

Was andere Kinder in der Schule oft anödet, fand der junge Klaus-Dieter höchst spannend: "Auf den Erdkunde-Unterricht habe ich mich in der Schule jedes Mal gefreut!" Denn bei vier jüngeren Geschwistern herrschte meistens Ebbe in der elterlichen Urlaubskasse; die Briefe und Pakete aus aller Welt, die er als Postjungbote in Friedberg austrug, verstärkten sein Fernweh nur noch. "Das war todlangweilig und ich wollte unbedingt weg." Und so heuerte Hubrich, nachdem er bei der Bundeswehr seinen Lkw-Führerschein gemacht hatte, bei einer Augsburger Spedition als Fahrer an.

Zuerst kreuz und quer durch ganz Deutschland, dann auch international transportierte er Computerteile, Stahl, Wein oder Zigaretten in den Irak und nach Moskau, saß an manchen Tagen bis zu 16 Stunden hinterm Lenkrad. "Ohne GPS und Handy habe ich damals mehr im Fahrerhaus als daheim gelebt." In Mailand wurde er nach einer Rauferei verhaftet, in Syrien bei einem missglückten Überfall beschossen - eine turbulente Zeit, die in seinem Entschluss gipfelte, Deutschland den Rücken zu kehren und nach Kuwait zu gehen.

Doch als er die Wohnung in Friedberg schon gekündigt hatte, lernte er seine spätere Frau Monika kennen, machte die Kündigung rückgängig und heiratete 1987.

"Bald darauf bin ich dann als selbständiger Busfahrer zu einem Unternehmen gegangen", erinnert er sich an erlebnisreiche Touren, die ihn mit seinen Passagieren durch ganz Europa und bis in die USA führten. "Plötzlich bekam ich einen Anruf aus Genf, ob ich als Fahrer für einen prominenten Gast einspringen könnte."

Das war kein Geringerer als Fahd ibn Abd al-Aziz, der 2005 verstorbene König von Saudi-Arabien, samt einem seiner neun Söhne und hundertköpfigem Gefolge. So kutschierte Hubrich die anspruchsvollen Araber durch die Schweiz und Frankreich, bevor er mit 50 Jahren schließlich doch einigermaßen sesshaft wurde und an den Schreibtisch wechselte. Mit Ausnahme von Neuseeland und der Malediven hat Hubrich die schönsten Plätze dieser Welt fast schon alle gesehen, war sieben Mal auf Mittelmeer-Kreuzfahrt und ebenso oft in Thailand.

"Ich bin ein neugieriger Mensch und für vieles offen", sagt er und hat deshalb auch nie bereut, dass er auf eine Beamtenlaufbahn bei der Post verzichtet hat. (Peter Stöbich )
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