Die Friedberger Zeit ist ein Fest für alle Sinne

Die Badstube wird von Mitgliedern der Wasserwacht auf dem Marienplatz zu neuem Leben erweckt. Foto: Stöbich
 
Auch bei der Kleidung gilt während des Festes Historientreue. Foto: Stöbich
Friedberg: Friedberg | Ausnahmezustand herrscht kommenden Monat in Friedberg, wenn sich die Bürger mit "Habe die Ehre!" begrüßen und Gaukler, Mägde oder Troubadoure die Stadt bevölkern werden. Für das zehnte Altstadtfest liegen die historischen Gewänder bereit und auch Organisationschef Frank Büschel freut sich schon auf die ebenso amüsanten wie anstrengenden Tage vom 8. bis 17. Juli. Kostenlos kommt nur in die Festzone, wer historisch korrekt gekleidet ist - sonst muss man fünf Euro bezahlen, der Festobulus für alle zehn Tage beträgt zehn Euro.
Gratis kann man sich dagegen eine interessante Ausstellung ansehen, die auf die bisherigen Altstadtfest zurückblickt; im Gesundheits- und Finanzzentrum am Sparkassenplatz werden alte Fotos, Plakate und Erinnerungsstücke aus den vergangenen Jahrzehnten gezeigt. Keyboards oder elektrische Gitarren wird es während der Friedberger Zeit ebenso wenig geben wie Donuts oder Popcorn, denn alles soll möglichst historisch korrekt ablaufen.
Das gilt für die Gewänder ebenso wie für die Cordonisten und Nachtwächter, die Bäcker, Bildhauer, Drechsler, Holzschnitzer, Papierschöpfer und Zinngießer, Schützen und Zöllner, Knechte und Mägde. "Erstmals werden auch Bogenschützen mit dabei sein", kündigt Büschel an. Und vor einer imposanten Bühnenkulisse am Eisenberg soll es ein lebendes Uhrentheater geben. Der farbenprächtige Einzug vom Volksfestplatz in die Innenstadt findet am 8. Juli um 19 Uhr statt, danach wird bis in die Nacht hinein mit zahlreichen Gästen aus nah und fern kräftig gefeiert.
Im Mittelpunkt des abwechslungsreichen Programms, das alle Sinne ansprechen soll, steht das Ziel, alte Gepflogenheiten wieder neu aufleben zu lassen. Dazu tragen unter anderem die Handwerkszünfte bei, die der Stadt im 17. und 18. Jahrhundert zu Wohlstand verholfen haben. Allen voran die Friedberger Uhrmacher, deren Kunst europaweit Ansehen genoss. Beim Altstadtfest bieten die Handwerker interessante Einblicke in traditionelle Arbeitsweisen. So kann man beispielsweise Steinmetzen, Maurern, Druckern, Töpfern, Korbflechtern oder Schuhmachern bei der Arbeit über die Schulter schauen. Beliebt sind auch Besuche in der Baderstube, die ein wohltuendes Bad oder eine Massage beinhalten. Es gibt Gaukler, Komödianten, Spielleute, Zauberer und fahrendes Volk sowie Theatergruppen der Friedberger Schulen. Vor allem die Einsätze der Stadtwache, die so manchen Delinquenten an den Pranger stellen oder gar mit der Bäckertaufe strafen, sind immer wieder Publikumsmagneten.
Dass zu einem gelungenen Fest auch das leibliche Wohl gehört, versteht sich. Auch hier bleiben die Organisatoren bei der Zeitreise auf der Spur und lassen in den Schankstuben nur Speisen und Getränke nach überlieferten Rezepten und historischem Vorbild auf die Tische kommen. Seit 1989 feiern die Bürger alle drei Jahre gemeinsam mit Gästen aus Nah und Fern das Altstadtfest. Damit erinnern sie an die Blütezeit der einstigen Uhrmacherstadt von 1680 bis 1780.
Kaum ist das Altstadtfest vorbei, steht die nächste Feier auf dem Programm: Eine Friedberger Delegation wird vom 12. bis 15. August in die Schwesterstadt Friedberg in der Steiermark reisen, um das 50-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft zu begehen.
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