Die Western City ist noch immer ein Trümmerfeld - Warum nach dem Brand alles so lange dauert

Western-City-Manager Volker Waschk und die verbliebenen Mitarbeiter haben jeden Tag die deprimierenden Trümmer vor Augen, die nach dem verheerenden Brand in der Nacht zum 30. Juli noch nicht weggeräumt werden konnten. Foto: Monika Grunert Glas

Das bunte Herbstlaub kann die Katastrophe nicht verdecken. Die Western-City in Dasing liegt in Schutt und Asche. Zweieinhalb Monate nach dem verheerenden Brand sind dessen Spuren längst nicht beseitigt. Aber es gibt auch gute Nachrichten: Die Karl-May-Festspiele gehen 2018 weiter, verspricht Manager Volker Waschk. Was aus der eigentlichen Westernstadt werden soll, steht noch nicht fest.

Es war eindeutig Brandstiftung, da sind sich die Ermittler sicher. Irgend jemand ist dafür verantwortlich, dass in der Nacht zum Sonntag, 30. Juli, gegen 0.30 Uhr, in einem kleinen Heu-Unterstand hinter der Arena das Feuer ausbrach, sich rasend schnell ausbreitete und alle Häuser rund um den "Stadtplatz" vernichtete. Landeskriminalamt und Versicherung haben 11 000 Euro Belohnung für die Ergreifung des Täters ausgesetzt, der fahrlässig oder skrupellos Leben von Mensch und Tier gefährdete.

Die Westernstadt war natürlich versichert. Doch noch haben die Betreiber keinen Euro Entschädigung erhalten. Wieso dauert es so lange, bis die Assekuranz zahlt? Das fragen sich viele Fans der Western-City, doch so einfach ist es eben nicht. Noch sind nicht einmal alle Gutachten erstellt. Zudem müssen Angebote von Spezialfirmen eingeholt werden, denn Brandreste kann man nicht einfach mit einem Container entsorgen. "Deshalb ist es viel zu früh, um sagen zu können, wie genau es nächstes Jahr weitergeht", erklärt Volker Waschk.

Das Feuer im Sommer war das dritte innerhalb von vier Jahren. Im September 2013 war ein Brand in einem Tunnel der Westernbahn ausgebrochen, im November 2016 brannte der Hauptstall vollständig nieder. Als Ursachen wurden damals technische Defekte angenommen. Nach dem letzten Feuer werden die alten Fälle jedoch noch einmal genau überprüft.

20 Pferde leben aktuell auf dem weitläufigen Gelände, und sie kommen im Winter auch ohne Hauptstall klar. Doch der Bauplatz, angrenzend an die Reithalle, ist geräumt, und eventuell kann mit dem Rohbau noch heuer begonnen werden, hofft Waschk.

Karl-May-Festspiele: Hoffen auf mehr Zuschauer

Weil die Festspielarena von den Flammen verschont wurde, will man auf jeden Fall auch 2018 dort die Karl-May-Festspiele auf die Beine stellen, dann in der 14. Saison. Was gespielt wird, steht zwar bereits fest, doch Volker Waschk möchte es noch nicht verraten. Nur so viel: Noch vor Weihnachten soll der Vorverkauf starten, und dann hoffen alle, dass die Vorstellungen nächstes Jahr besser besucht sind als heuer. Nach dem Brand brach der Kartenverkauf stark ein. "Vielleicht haben viele Leute gar nicht gewusst, dass wir weiterspielen", vermutet der Manager, denn für größere Werbeaktionen war schlicht kein Etat mehr da. Oder die Zuschauer wurden davon abgehalten, dass ihnen der Mehrwert, der Besuch der Westernstadt, der im Eintrittspreis enthalten war, verloren ging. Unterm Strich jedoch schloss die 13. Festspielsaison mit einem Minus.

Da die Mitarbeiter der Westernstadt ein eingeschworenes Team sind, das nicht zuletzt Idealismus verbindet, ist es um so bitterer, dass es nach dem Brand einfach nicht mehr genug Arbeit für alle gibt. Inklusive Saisonkräfte wurden 20 Angestellte beschäftigt. Anfang September berichteten wir über Daniela Sippl, die mit ihrer elfjährigen Tochter Maja in der Westernstadt über dem Museum lebte und bei dem Brand alles verlor. Sie suchte dringend eine neue Bleibe. "Ich habe Dutzende Ablehnungen bekommen. Mehr wegen des Kindes, als wegen meines Hundes", berichtet sie.

Nun dürfen Mutter und Tochter im Dasinger Bahnhof überwintern. Nach dem Auszug der Asylbewerber, die zuvor in dem heruntergekommenen Gebäude untergebracht waren, müssen sie sich die Räume selbst herrichten.

Da auch der Saloon und das Café abgebrannt sind, will man sich auf jeden Fall etwas einfallen lassen, um im neuen Jahr die Gastronomie zu sichern. Heuer bewirtete man die Besucher provisorisch via Imbisswagen. 2018 könnte das eventuell über ein Zelt erfolgen, das sich auch kurzfristig aufstellen ließe. Überdies werden die Festspiele vier Wochen später als bisher üblich, nämlich Ende Juli, Premiere haben, und auch etwas früher enden. Während der Sommerferien waren die Vorstellungen stets am besten besucht. 600 Gäste finden auf der überdachten Tribüne Platz.

Über 40 Jahre lang baute Fred Rai, der im April 2015 im Alter von 73 Jahren starb, seine Westernstadt an der A 8 auf und aus. Saloon, Store, Mexico-Café, Gefängnis, Museum: So, wie sie zu seinen Lebzeiten war, kann und will man sie nicht mehr herrichten.

"Wir müssen den Freizeitpark in eine moderne, zeitgemäße Form bringen", sagt Waschk. Was angesichts aktueller Bauvorschriften möglich ist, muss noch eruiert werden. Genaueres steht noch nicht fest. Darüber werden sich Waschk, Geschäftsführerin Gabriele Amrhein, die sich derzeit um die Ranch in Amerika kümmert, und Fred Rais letzte Partnerin, Tessa Bauer, die weiterhin das Bundeszentrum für Rai-Reiten leitet, in dem auch im Winter Kurse zum gewaltfreien Reiten stattfinden, verständigen. Man möchte die Zusammenarbeit mit der Regio Augsburg Tourismus GmbH intensivieren. Schon des Öfteren fanden in den vergangenen Jahren auf der Festspielarena Konzerte und Lesungen statt, es kamen neben diversen Westernsängern beispielsweise auch Daniel Küblböck oder Volker Klüpfel und Michael Kobr, das Autorenduo, das Kommissar Kluftinger erfand. ( Monika Grunert Glas )
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