Ein literarisches Stadtmöbel

„William Shakespeare“ zelebrierte humorvoll und tiefsinnig zugleich die Eröffnung des öffentlichen Bücherschranks in drei Akten. Foto: Peter Lüttke-Wissing

Leseratten und Bücherwürmer freuen sich: Am Freitag hat Bürgermeister Roland Eichmann vor der Pfarrkirche St. Jakob in Friedberg einen öffentlichen Bücherschrank freigegeben.

Ein öffentlicher Bücherschrank, auch Tauschbibliothek, Straßenbücherei oder Bücherbox genannt, ist ein Schrank zur Aufbewahrung von Büchern, der genutzt wird, um kostenlos, anonym und ohne jegliche Formalitäten Bücher zum Tausch oder zur Mitnahme aufzubewahren und anzubieten. Dabei sollte man nur Bücher einstellen, die man auch selber gerne lesen würde. Jeder Bürger darf jederzeit kostenlos Bücher entnehmen und diese zum Lesen mitnehmen; ob man sie zurückbringt, behält, tauscht oder nicht, entscheidet jeder Nutzer selbst.
Der Schrank ist aufgeteilt in die Bereiche Kinderbücher, Sachbücher, Belletristik, Bildbände und Taschenbücher. Diese besondere Stadtbibliothek im Freien bietet Platz für etwa 400 Bücher und hat rund um die Uhr geöffnet. Der Schrank aus Metall hat Glastüren, die sich von zwei Seiten öffnen lassen. Gefertigt wurde das neue Stadtmobiliar von Friedberger Handwerkern. Das originelle Geschenk im Wert von etwa 5000 Euro hat sich Wolfram Grzabka, der Inhaber einer Friedberger Werbeagentur, zu seinem 25-jährigen Firmenjubiläum einfallen lassen. Bürgermeister Roland Eichmann freut sich über den Schrank, „denn Bücher übergibt man als Kulturgut ungern dem Altpapier“. Hier fänden sie eine gute Verwendung, so dass man sich auch mal von Büchern, die man nicht mehr liest, trennen könne. Die Erstausstattung mit 150 Büchern kam als Spende eines Medienunternehmens. Darunter befinden sich Klassiker wie „Die kleine Hexe“, „Der Herr der Ringe“ oder „Der Name der Rose“. Im Durchschnitt lesen die Deutschen etwa zehn Bücher pro Jahr. Durch einen öffentlichen Bücherschrank könnten es vielleicht mehr werden. Wolfgang Grzabka wünscht sich das, denn „Lesen ist wundervoll“. Er freut sich, dass die Friedberger das Geschenk mit offenen Armen angenommen haben.

Umrahmt war die Schlüsselübergabe an Bürgermeister Roland Eichmann vom Auftritt des Schauspielers Christian Beier. Er schlüpfte in die Rolle von William Shakespeare und zelebrierte die Eröffnung in drei Akten. „Wir tun hier erste Schritte auf dem Pfad der intellektuellen Erlösung“, verkündete er als William Shakespeare. Dabei bezog er auch die zahlreichen anwesenden Bücherfans mit ein, die bei einer Otello-Rap-Version den Rhythmus klatschen durften.
Die Idee des öffentlichen Bücherschranks wird schon in vielen Städten mit großer positiver Resonanz praktiziert.

Von Peter Lütke-Wissing
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