Eiskalte Kunst

Der gelernte Koch beschäftigte sich schon früh mit dem Schnitzen. Foto: Lütke-Wissing
 

Die Besucher des Friedberger Advents kennen Eiskünstler Christian Staber und seine Kunst schon seit Jahren und freuen sich jedes Mal aufs Neue, wenn er mit seinen Eisskulpturen, seinen Fischen, Harfen, Monden den Christkindlmarkt bereichert.

Auch dieses Jahr konnten groß und klein zusehen, wie die massiven und gleichzeitig filigranen Werke entstehen. Kinder staunten, als Staber mit ihnen Sterne aus Eis schnitzte. „Ich habe bei den Kindern schon eine kleine Fangemeinde. Die kommen ganz gezielt zu dem Schnitznachmittag und bringen gleich die Kühltüte für die kleinen, vergänglichen Kunstwerke mit.“
Arbeitet Staber sonst vorwiegend mit der elektrischen Kettensäge, so steht bei den Nachwuchs-Eiskünstlern das Stemmeisen im Vordergrund. Die Feinarbeiten nimmt Staber mit verschiedenen Meißeln vor. Die Arbeit des Pinsels verrichtet bei Christian Staber das Feuer, genauer gesagt der Bunsenbrenner. Mit ihm verbindet er auch die einzelnen Eisblöcke, wie zum Beispiel beim Wunschtor, durch das jeder durchgehen und sich etwas wünschen kann. Durch das kurzzeitige Erhitzen und anschließende Gefrieren schmilzt Wasser in die Nähte der Eisblöcke und verklebt sie quasi. Mit einem Fräser kann er sogar Buchstaben in das Eis schnitzen.
Der gelernte Koch beschäftigte sich schon früh mit dem Schnitzen von Obst und Gemüsen. Über Margarine- und Butterskulpturen auf den Tellern an festlichen Tafeln kam er 1990 zum Eis als Dekoration. Durch seinen Beruf im In- und Ausland lernte er einen japanischen Koch kennen, der ihn besonders beeindruckte und mit seinen Dessertverzierungen inspirierte.
„Die Freude, die Eisblöcke und die Werkzeuge sind über die Jahre größer geworden“, schwärmt Staber, der 1997 nebenberuflich seine eigene Eiskunst-Firma eröffnete und seit 2000 ein eigenes Atelier in Nussdorf betreibt. Seit 1997 arbeitet er hauptberuflich als Küchenchef in einer kleinen Klinik. Ob für besondere Anlässe wie Hochzeiten oder Geburtstage oder als Aktionskünstler bei Märkten ist „die eiskalte Kunst“ einsetzbar. In Workshops können Wissbegierige sogar selber herausfinden, wie sie eine Eisskulptur schnitzen können. Zu seinen Kunden zählen Unternehmen wie BMW oder Nivea und natürlich im Winter viele Weihnachtsmärkte.
Seit seinem gelungenen Weltrekordversuch im März 2008 den größten Osterhasen aus Eis zu schaffen, ist Staber sogar aus dem Fernsehen bekannt. Bei internationalen Wettbewerben in der Kategorie Kochartistik und Eis-Kunst-Wettbewerben ist er ebenfalls sehr erfolgreich. Etwa zwölf Eiskünstler gibt es in Deutschland, einige davon Bildhauer, die sich im Winter eine zusätzliche Einnahmequelle sichern. Bei Staber ist es umgekehrt: Er beschäftigt sich nebenbei auch noch mit dem Werkstoff Holz. Der Vergänglichkeit, die ihn am Eis fasziniert, steht die höhere Festigkeit, die Struktur und Beständigkeit des Holzes gegenüber. Die Vergänglichkeit seiner Werke, das Loslassenkönnen macht für ihn den Reiz der Eiskunst aus. Deswegen trauert er auch keiner Figur hinterher, wenn diese schmilzt: „Das gehört zum Kreislauf dazu und es ist auch interessant zu beobachten, wie eine Figur langsam vergeht.“
Das Eis für seine Kunstwerke produziert Christian Staber selber. Dabei werden die Eisblöcke auf verschiedene Arten gefroren, je nachdem ob das Objekt durchsichtig oder milchig sein soll. Dieser Prozess kann bis zu fünf Tage dauern. Die Ideen für seine Motive holt er sich beim Beobachten, zum Beispiel hier auf dem Adventsmarkt. Wenn ihm zum Beispiel eine Engelsfigur gefällt, merkt er sie sich und setzt sie um. „Oft raten die Zuschauer während der Entstehung mit, was es am Ende wird. Dann gestalte ich manchmal spontan doch etwas ganz Anderes und überrasche die Menschen damit.“ Wenn er anderen mit seiner Kunst eine Freude machen kann und dann noch tagelang davon erzählt wird, dann ist Christian Staber glücklich.

Peter Lütke-Wissing
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