Energie, Euphorie und ein Eis: Ein Besuch in Deutschlands erster "Effizienzhaus Plus-Siedlung" in Friedberg

Familie Mücke lebt nun seit rund einem Monat in der Effizienzhaus Plus-Siedlung in Hügelshart. Foto: Kristin Deibl

Mathilda Mücke hat Angst. Skeptisch beobachtet sie vom Arm der Mama die vielen Neugierigen, Politiker und Medienleute mit Kameras, die sich vor der Haustür von Familie Mücke in Hügelshart versammelt haben. Dabei ist der Anlass für den Andrang eigentlich ein schöner: Denn die Mückes wohnen nun seit rund einem Monat in Deutschlands erster "Effizienzhaus Plus-Siedlung". Einem Neubaugebiet, in dem jedes Haus mehr Energie produziert, als die Bewohner im Jahresdurchschnitt für den Alltag verbrauchen. Der Bayerische Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer, Landrat Klaus Metzger und Bürgermeister Roland Eichmann haben die Siedlung nun offiziell eröffnet.

Als die Fotos von Familie Mücke endlich im Kasten sind, bekommt Mathilda erstmal ein Eis und wirkt gleich viel zufriedener. Zufrieden sind auch ihre Eltern, Stephanie und Florentin. Sie fühlen sich wohl in Hügelshart, erzählen die beiden Lehrer, und auch das Haus gefalle ihnen gut. "Ein durchdachtes Komplettpaket", sagt Stephanie Mücke.

Zu 70 Prozent energieunabhängig

Die Siedlung in Hügelshart besteht aus neun Einfamilienhäusern und vier Doppelhaushälften. Sie wurde nach den Kriterien des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Bau für Effizienzhäuser erstellt und von der "asset bauen wohnen GmbH" und der BayWa realisiert.

Um mehr Energie zu erzeugen, als die Gebäude benötigen, wirken ein Energiespeichersystem und ein hochwärmedämmendes Ziegelmauerwerk zusammen. Photovoltaik-Anlagen auf den nach Süden ausgerichteten Dächern produzieren Energie. Die Energie, die nicht direkt verbraucht wird, wird in einer Lithium-Ionen-Batterie gespeichert. Überschüssige Energie fließt in das öffentliche Stromnetz. Wärme wird durch eine Luft-Wasser-Wärme-Pumpe erzeugt, die vorrangig durch Strom aus der Photovoltaik-Anlage betrieben wird. Unterstützt wird die Wärmeerzeugung mit einem System aus thermischem Speicher und Batteriespeicher. Im Winter reichten die Speichersysteme nicht ganz aus, erklärt Georg Polz, der das Projekt vonseiten der BayWa betreut. Dann werde mit Netzstrom ausgeholfen. "Trotzdem ergibt sich für das Gesamtjahr eine Energieunabhängigkeit von 70 Prozent." Nach ihrer Fertigstellung würden die Häuser außerdem vom TÜV geprüft und bekämen ein Zertifikat für wohngesunde Gebäude, denn beim Bau würde auf emissionsarme Baustoffe und niedrige Kohlenstoffdioxid-Werte geachtet.

Metzger: "Vorbildhaft für ein ganzes Land"

"Wir waren anfangs skeptisch, sind aber jetzt positiv überrascht", ist Florentin Mückes Urteil nach einem Monat im neuen Haus. "Ein guter Tag für den Landkreis und ein vorbildhaftes Projekt für ein ganzes Land", formuliert es Landrat Metzger noch deutlich euphorischer. Auch an anderen Stellen im Landkreis seien solche Siedlungen wünschenswert. Wirtschaftsstaatssekretär Pschierer bescheinigt der Siedlung ebenfalls einen Vorbildcharakter und betont "den wichtigen Beitrag des Projektes zur Strom- und Wärmewende".

Bürgermeister Eichmann sei stolz, dass die Siedlung gerade in Friedberg umgesetzt wurde, und freue sich, dass vier der Häusereinheiten über das Einheimischen-Modell vergeben werden konnten. Was das Ganze kostet? Die PR-Mappe der Effizienzhaus-Planer sagt dazu lediglich, dass die Häuser "aufgrund des sich bietenden Mehrwerts etwas über den in der Region üblichen Neubaupreisen" lägen.

Ein neuer Bewohner für die Siedlung

Mathilda hat unterdessen ihr Eis aufgegessen und langweilt sich, während ihre Eltern sich noch immer mit den vielen Besuchern unterhalten, die sich nach der feierlichen Eröffnung noch zum Tag der offenen Tür in der Siedlung tummeln. "Richtig eingerichtet sind wir noch nicht", erzählt Stephanie Mücke und deutet auf ihren Kugelbauch. "Ich kann gerade nicht so viel tun im Haus." Schon bald wird es in der fast autarken Siedlung in Hügelshart einen weiteren Bewohner geben.
(Von Kristin Deibl)
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