Friedberg feiert wie in alter Zeit

Die Festzug-Teilnehmer kamen bei hochsommerlichen Temnperaturen ganz schön ins Schwitzen. Fotos: Stöbich
 
Die Festzug-Teilnehmer kamen bei hochsommerlichen Temnperaturen ganz schön ins Schwitzen. Fotos: Stöbich
Friedberg: Friedberg | Feiern wie in alten Zeiten kann man noch bis einschließlich 17. Juli beim zehnten historischen Altstadtfest, bei dem unter anderem Mägde, Knechte und Musikanten, Cordonisten, Nachtwächter und Zöllner unterwegs sind. „Auf die Gesundheit!“, lautet der korrekte Trinkspruch während der Festtage; sie führen ins 18. Jahrhundert, die „Friedberger Zeit“, in der die Uhrmacher der kurbayerischen Grenzstadt zu großem Ruhm und weltweiter Bedeutung verholfen hatten. Viele Bürger und auch Stadtoberhaupt Roland Eichmann sind in Gewänder geschlüpft, wie sie ihre Vorfahren damals getragen haben.
Noch herrschte in der Blütezeit der Uhrmacherstadt die Kleiderordnung. Nach einem sogenannten Seelenbeschrieb aus dem 18. Jahrhundert war dem Stand der „5. Class“ nur Leinen und Tuch in Naturfarben gestattet. Doch durfte sie Spitzen und Borten und silberbeschlagene Verzierungen von geringem Gewicht tragen. Das Bild des Stadtfestes macht genau dieses Gewand aus Leinen und Tuch schön, wie es die meisten Frauen des 18. Jahrhunderts trugen und wie es auf den vielen Votivtafeln in Herrgottsruh dargestellt ist.
Es ist die Historientreue, welche die Veranstaltung für viele Besucher besonders interesant macht. Tomate, Zucchini, Aubergine und so weiter müssen draußen bleiben, weil sie zwischen 1670 bis 1790 den Friedbergern noch fremd waren. Auch Donuts oder Popcorn wird man an den Ständen vergeblich suchen. Die am Stadtfest beteiligten Brauereien brauen ein naturtrübes, dunkelbernsteinfarbenes Märzen mit einem abgerundeten Malzaroma und ein dunkles naturtrübes Weizen mit einer leicht malzigen Hefenote. Beide Biere kommen exklusiv für das Altstadtfest vom Fass.
"Wirte, Weinwirte oder Metzger verkaufen Speisen und Getränke der damaligen Zeit.“ So steht es in der Präambel für das Stadtfest. Im 18. Jahrhundert überwachte der Rat der Stadt Friedberg die Wirte; es gab viele Vorschriften, teils um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen und den Preis zu kontrollieren, aber auch, um die Wirte vor auswärtiger Konkurrenz zu schützen. Auch für die Friedberger Zeit legen die Wirte ihre Speisekarten der Stadt Friedberg zur Prüfung vor. Den Preis für den Hafer braucht allerdings kein Wirt mehr anzuschreiben, denn Unterstellplätze für die Pferde werden heute nicht mehr benötigt.
Die Stadt Friedberg lässt sich ihr Fest einiges kosten. Vor drei Jahren zahlte man unterm Strich etwa 250.000 Euro drauf, intern verrechnete 4000 Arbeitsstunden des Bauhofs mit einberechnet.
Der Festobolus für alle Tage beträgt zehn, der Tageseintritt in die Festzone fünf Euro. Kinder bis zwölf Jahre bezahlen keinen Eintritt, ebenso historische gekleidete Bürger. Im Mittelpunkt des abwechslungsreichen Programms, das alle Sinne ansprechen soll, steht das Ziel, alte Gepflogenheiten wieder neu aufleben zu lassen. Dazu tragen unter anderem die Handwerkszünfte bei, die der Stadt im 17. und 18. Jahrhundert zu Wohlstand verholfen haben. Beim Fest bieten die Handwerker interessante Einblicke in traditionelle Arbeitsweisen. So kann man beispielsweise Steinmetzen, Maurern, Druckern, Töpfern, Korbflechtern oder Schuhmachern bei der Arbeit über die Schulter schauen. Beliebt sind auch Besuche in der Baderstube, die ein wohltuendes Bad oder eine Massage beinhalten.
Vor allem die Einsätze der Stadtwache, die so manchen Delinquenten an den Pranger stellt oder gar mit der Bäckertaufe straft, sind immer wieder Publikumsmagneten. Die Stadtwache kann als Vorgänger der im 19. Jahrhundert gegründeten Stadtpolizei angesehen werden. Sie hatte aber keine große Bedeutung, musste keine Straftaten ahnden. Es ging eher darum, Störenfriede einzuschüchtern. Der Rat setzte Bürger und Handwerker ein, die im Wechsel verschiedene Aufgaben wahrnahmen, , z. B. Einhaltung der Feuerschutzbestimmungen, Sauberhaltung der Straßen, Preisüberwachung bei den Krämern, Handwerkern und Gastwirten, Einhaltung von Maßen und Gewichten, Überwachung der Händler und Bauern bei den Wochen- und Jahrmärkten.
Die Bäckertaufe, eine Strafe im Mittelalter für zu klein oder schlecht gebackenes Brot, ist für Friedberg nicht überliefert, wohl aber für Augsburg. Beim Altstadtfest hält die Stadtwache mit der Bäckertaufe Persönlichkeiten den Spiegel vor und taucht sie vor großem Publikum am Marienplatz in ein Wasserbassin.
Der gesamte Festbereich ist bis einschließlich Mittwoch, 20. Juli, Fußgängerzone. Bis dahin werden die AVV-Regionalbuslinien 200, 201 und 202 über den Steirer Berg und die Afrastraße umgeleitet. Während der Umleitung können die Haltestellen Friedberg-Marienplatz und Friedberg-Garage Ost nicht angefahren werden. Die Fahrgäste an der Haltestelle Friedberg-Marienplatz werden gebeten, auf die Haltestelle Friedberg-Bahnhof auszuweichen.
Die Fahrgäste der Haltestelle Friedberg-Garage Ost können auf die Haltestellen Friedberg-Stadthalle und Friedberg-Bahnhof ausweichen. Auch das AVV-Anrufsammeltaxi kann während der Sperrung die Haltestelle Friedberg- Marienplatz nicht anfahren.
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