Friedberg fragt: Wer soll das Schloss regieren?

Noch wird im Friedberger Wahrzeichen fleißig gebaut. Foto: Stöbich
Friedberg: Friedberg | Ein Jahr vor der Wiedereröffnung des Wittelsbacher Schlosses gibt es in Friedberg noch keine Antwort auf die entscheidende Frage, wer es künftig regieren soll, also wer letztlich für Betrieb und Buchhaltung, Organisation, Personal und die Veranstaltungen verantwortlich sein wird. Ob diese Aufgaben und Kompetenzen komplett in der Hand eines sogenannten Schlossmanagers liegen sollen oder die Zuständigkeiten auf mehrere Schultern in der Stadtverwaltung verteilt werden, darüber gab es in der jüngsten Sitzung des Schlossausschusses lebhafte Diskussionen.
"Eine einzige Person kann das nicht alles leisten", so die Meinung von Bürgermeister Roland Eichmann. Er möchte die Verantwortung gern mehreren Fachabteilungen im Rathaus übertragen, um Synergien zu nutzen und möglichst flexibel zu bleiben. „Denn je eigenständiger eine Einrichtung ist, umso mehr Dynamik entwickelt das Ganze“, sagte er unter Hinweis auf die Stadtwerke.
Dagegen forderten die Grünen in einem eigenen Antrag die Position eines Schlossmanagers; er soll künftig unter anderem zahlreiche Veranstaltungen organisieren, einen Belegungsplan erstellen sowie die Kosten kalkulieren. Für einen neuen "Sachbearbeiter Schloss", der Kulturamtschef Frank Büschel unterstellt wäre, gibt es eine mehrseitige Stellenbeschreibung, die unter anderem "besondere Belastbarkeit", betriebswirtschaftliche Kenntnisse sowie flexible Arbeitszeiten verlangt.
Marion Brülls befürchtete in der regen Debatte, dass sich örtliche Gruppen und Vereine die Mieten im Schloss nicht werden leisten können. Eine Entscheidung, wer künftig im Wittelsbacher Wahrzeichen herrschen soll, fiel im Ausschuss nicht; deshalb sollen bis zur nächsten Sitzung die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Betriebsmodelle gegenübergestellt werden. Das letzte Wort haben dann die Mitglieder des Stadtrats.
Beschlossen wurde lediglich, dass zwei neue Hausmeister eingestellt werden. Im Verlauf der Sitzung wurde deutlich, dass die Stadt erst praktische Erfahrungen mit den konkreten Abläufen sammeln muss; dann könne man immer noch nachbessern, sagte Kommunalreferent Wolfgang Basch. Das Betriebskonzept der von der Stadt beauftragten Firma "Actori" berücksichtigt auch eine Vereinbarung mit den Schlossnachbarn; diese erlaubt pro Jahr höchstens 40 Veranstaltungen mit bis zu 500 Personen bis 23 Uhr und an maximal weiteren 125 Tagen bis 22 Uhr.
Der Montag und Dienstag sollen Ruhetage sein, vier Wochen im Sommer schlägt die Verwaltung außerdem einen Betriebsurlaub vor. Zu den rund 70 Angeboten unter Regie der Stadt sollen 30 externe Kulturveranstaltungen und etwa fünf Dutzend private Feiern kommen. Actori sagt den Friedbergern für ihr Schloss ein jährliches Defizit zwischen 760.000 und 827.000 Euro voraus.
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