Friedberg überarbeitet und veröffentlicht Mobilfunk-Konzept

Dicht bestückt mit Mobilfunkantennen ist der Wasserturm bei Haberskirch. Foto: Stöbich
Friedberg: Friedberg | Jederzeit und überall mobil zu telefonieren und das Internet zu nutzen, gehört heute zum Standard der modernen Telekommunikation. Aber wie wirkt sich diese Dauerbestrahlung auf die Menschen aus? Diese Frage trieb viele besorgte Friedberger um, als vor zwei Jahren zwischen Stätzling, Wulfertshausen und Haberskirch ein 45 Meter hoher Sendemast für den Mobilfunk errichtet werden sollte.

Denn viele Untersuchungen geben ernst zu nehmende Hinweise auf erhöhte Risiken für verschiedene Erkrankungen. Deshalb hat Friedberg sein Mobilfunk-Konzept aus dem Jahr 2002 jetzt überarbeitet und vom Umweltinstitut München eine sogenannte Immissionskarte erstellen lassen. Sie soll auf der Internetseite der Stadt veröffentlicht werden und mehr Transparenz für die Bürger schaffen.
Das sagte in der jüngsten Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses Hans Ulrich vom Münchner Institut. Die als strahlenkritisch eingeschätzte Forschungseinrichtung berät zahlreiche Kommunen im Umgang mit den Mobilfunkbetreibern. "Zweifelsfreie Gewißheit" über Schädigungen im wissenschaftlichen Sinn gebe es zwar nicht, so der Fachmann, "aber die Wirkung von Handys aufs Gehirn sollte man so gering wie möglich halten". Er zitierte in diesem Zusammenhang auch Krebs-Studien der Weltgesundheitsorganisation.
Damit die Karte die aktuelle Situation in Friedberg möglichst exakt widerspiegelt, soll sie regelmäßig erneuert werden. "Damit haben wir jetzt ein gutes Instrument an der Hand, um die Debatten zu versachlichen", meinte Bürgermeister Roland Eichmann. Bei einer Analyse des gesamten Stadtgebietes hatte Ulrich die zahlreichen Antennen-Standorte genau unter die Lupe genommen. "Ziel ist eine Grenzwert-unabhängige Immissionsminimierung für die Bürger auf Grundlage der technischen Anforderungen der Betreiber hinsichtlich Netzkapazität und Netzabdeckung", sagte er.
Der Mobilfunk-Experte betonte, dass die Gemeinden nicht von sich aus niedrigere Grenzwerte festsetzen dürfen, als es der Gesetzgeber tut. Wie stark die jeweilige Strahlenbelastung ist, kann vom Umweltinstitut berechnet werden. „Durch planvoll ausgewählte Standorte lässt sich die Strahlung verringern und die Netzqualität verbessern“, so Ulrich.
Bei der Erstellung der Immissionskarte wurden in Friedberg keine Hinweise auf Strahlenbelastungen gefunden, welche die gesetzlichen Grenzwerte überschreiten - denn sonst würden die Anlagen gar nicht erst genehmigt. Aus der Karte wird aber ersichtlich, dass sich die Strahlenbelastungen im Umfeld der einzelnen Anlagen stark unterscheiden. Ulrich: "Die differenzierten Informationen führen zu einer Versachlichung der Diskussion - eine wichtige Grundlage zu strategischem Handeln."
Bei neuen Standortwünschen der Betreiber werden durch das Umweltinstitut Standortalternativen entwickelt und rechnerisch bestätigt, die die vorgegebene funktechnische Versorgung bei geringstmöglicher Strahlenbelastung der Bevölkerung erreichen. Mit dem Betreiber wird anschließend in einem offenen Dialog das Kompromisspotential für eine immissionsminimierte Mobilfunknutzung ausgelotet.
Erst wenn keine einvernehmliche Lösung zu finden ist, sollte man nach seinen Worten zu planungsrechtlichen Maßnahmen greifen. Das darf keine reine Verhinderungsplanung sein, denn der Gesetzgeber wünscht eine gute Mobilfunkversorgung. Allerdings kann die Stadt besonders geeignete Standorte durch Bebauungspläne sichern. Und sie darf bestehende Anlagen an ungeeigneten Örtlichkeiten auf dem heutigen Standort einfrieren. Diese können damit nicht mehr modernisiert werden und erledigen sich im Zuge des technischen Fortschritts mit der Zeit von selber.
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Christoph Bruder aus Augsburg - City | 16.11.2016 | 01:14  
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