Friedberger Firma vertreibt Defibrillatoren für Laien: Leben retten ist ganz leicht

An einer Übungspuppe erklärte Medizin-Pädagogin Sabine Sciuk (rechts) Martina Neumaier die richtige Herzdruckmassage. Foto: Stöbich
 
Matthias Drechsler (rechts) rettete seinem Sportkameraden Helmut Schaffelhofer das Leben. Foto: Stöbich
Friedberg: Friedberg |

Helmut Schaffelhofer bringt es auf den Punkt. „Ohne Defi würde ich heute nicht mehr hier stehen“, sagte der Aindlinger beim Tag der offenen Tür im Friedberger Unternehmen MedX5. Kernkompetenz der im Derchinger Gewerbegebiet angesiedelten Firma ist die Verbreitung sogenannter Defibrillatoren, das sind einfach zu bedienende Geräte, die einen elektrischen Schock abgeben und damit ein außer Takt geratenes Herz wieder zum Schlagen bringen.

Es war zwei Tage vor Heiligabend, als der 44-Jährige beim Fußballtraining so plötzlich zusammenbrach, dass seine Kameraden zunächst an einen schlechten Scherz glaubten. „Keiner im Team wußte, was passiert war“, erinnert sich Matthias Drechsler aus Rehling, der damals mit im Team war. Zum Glück konnte er sich aber an einen Kurs erinnern, den er kurz zuvor bei der Feuerwehr absolviert hatte, und an den Defi, der erst seit vier Wochen im Sportheim hing. Drechslers korrekter Einsatz des Geräts rettete Schaffelhofer nach einem Herzhinterwand-Infarkt das Leben.

Defibrillatoren retten Leben

Heute hat Schaffelhofer einen Implantierbaren Cardioverter Defibrillator (ICD) im Körper und kann sogar wieder Sport treiben. „Er hat Elektroden, die zum Herzen führen, um dort eine lebensgefährliche Herzrhythmusstörung zu erkennen und im Bedarfsfall selbstständig einen Elektroschock abzugeben“, erläutert der Aindlinger.
Früher war der Gebrauch der Geräte Ärzten und Sanitätern vorbehalten und sie wurden nur im Krankenhaus und Rettungsdienst benutzt. Weil aber durch das Warten auf den Notarzt oft zu viel Zeit verstreicht, wurden die automatisierten externen Defibrillatoren (AEDs) entwickelt, die auch Laien problemlos bedienen werden können.

Geräte können Hilfe selbst dosieren

Moderne Geräte erkennen meist ohne Zutun der Ersthelfer, ob eine Schockgabe nötig ist. Je nach Bauweise wird entweder automatisch oder auf Knopfdruck ein Schock abgegeben. Die Energie, welche beim Schock abgegeben wird, wird ebenfalls durch den AED bestimmt. So müssen Ersthelfer lediglich auf die meist akustischen Anweisungen achten wie z. B. das Durchführen der Herz-Lungen-Wiederbelebung oder während der Rhythmusanalyse oder der Schockgabe das Einstellen der Herzdruckmassage (und ggf. Abstand zum Patienten nehmen). Solche AEDs hängen von Schmiechen bis Pöttmes inzwischen in vielen Ämtern, Banken, Rathäusern und Sporteinrichtungen.

„Als wir vor zehn Jahren mit dem weltweit ersten Verkauf von Defibrillatoren über einen Discounter begonnen hatten, wurde das damals noch als Skandal bewertet“, erinnert sich Volker Brand, Geschäftsführer von Med5X, „heute haben sich Defis etabliert.“ Die Friedberger Firma ist Gründungsmitglied der weltweit tätigen Citizens Save Lives Association, die sich zum Ziel gesetzt hat, Defibrillatoren-Standorte weltweit in einer App zu publizieren.

Jeder soll mit Defibrillatoren umgehen können

Beim Tag der offenen Tür konnten die Besucher ausprobieren, dass sie vor der Verwendung der lebensrettenden Geräte keine Scheu haben müssen. „Jeder sollte den Umgang beherrschen und sich einmal damit befassen, das Ganze ist wirklich kinderleicht“, sagte Martina Neumaier nach einer kurzen Einweisung durch Mitarbeiter des Unternehmens. So könne jeder Laie zum Lebensretter werden, betont Brand.

Er will sich mit seiner Firma in den nächsten Jahren der weiteren Entwicklung von noch kleineren und preiswerteren Defibrillatoren für jedermann widmen. 2005 hatte er den Innovationspreis der Industrie- und Handelskammer Schwaben für den MedX5 Check-Up bekommen.

Funktion eines Defis

Allein in Deutschland sterben pro Jahr über 140.000 Menschen an einem Herzstillstand. Sofortiges Handeln ist gefragt, um die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes zu überbrücken. Denn mit jeder Minute, die ohne Wiederbelebungsmaßnahmen verstreicht, sinken die Chancen aufs Überleben dramatisch. Ein Defibrillator verfügt über eine spezielle Technik: Zentraler Bestandteil ist ein Kondensator, der elektrische Energie speichert.
Um den Herzmuskel mit einem gezielten elektrischen Stromimpuls (Defibrillation) wieder in den normalen Schlagrhythmus zu bringen, klebt man großflächige Elektroden auf den Brustkorb des Patienten oder hält ihm die Elektroden an den Körper. Die Elektroden laden die Energie (ähnlich einem Foto-Blitzgerät) und geben sie auf Knopfdruck an den Patienten ab. Wer den Defi bedient, kann die Energiemenge des Stromschlags regulieren, sofern das Gerät sie nicht automatisch bemisst.
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Volker Brand aus Friedberg | 23.05.2017 | 18:39  
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