Friedberger Geschichte(n): Die Pallottiner in Friedberg

In der Pallotti-Kirche in Friedberg werden regelmäßig Gottesdienste abgehalten. Die aktuellen Termine stehen im Internet.
 
Zur Verheutigung der Botschaft Jesu beitragen, das ist das Anliegen der Pallottiner in Friedberg.
 
Viel Licht und Glas in der Kirche der Pallottiner
Pater Christoph Lentz SAC, Beauftragter für die Berufungspastoral bei den Pallottinern, hat sich fürs Leben gebunden. Aber er hat sich nicht einer Frau versprochen, sondern Gott. Mit knapp 300 anderen Brüdern gehört er der Gesellschaft des Katholischen Apostolates an, die auch in Friedberg ihr Zuhause haben.
Seinen Mitbrüdern der Gemeinschaft der Pallottiner gelobte er Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam. Ein Lebensentwurf, der oft seltsam anmutet in unserer heutigen, schnelllebigen Zeit. Aber Lentz wirkt bei unserem Treffen im Provinzialat der Pallottiner in der Friedberger Vinzenz-Pallotti-Str. 14 überhaupt nicht altmodisch. Und vielleicht passt sein Lebensentwurf sogar besser in die heutige Zeit, als man zunächst denkt.
Der Pater ist 45 Jahre alt, hat dunkelblonde kurze Haare und trägt eine Brille. Seinen Habit, die schwarze, bodenlange Ordenstracht, trägt er nur zu Hochfesten und Feiertagen. Im Alltag ist er der sportliche Typ: Hemd, Jeans, moderne Slipper.

Kein mittelalterlicher Mönch
Warum tritt ein junger Mann aus der Großstadt (Lentz ist 1972 in Hannover geboren) einer katholischen ordensähnlichen Gemeinschaft bei? Liebeskummer, berufliches Scheitern, ein Todesfall in der Familie - man stellt sich einen Bruch im Leben vor; etwas, das alles durcheinanderwirbelt und ihn dazu bringt, „Ordensmann“ zu werden. Man erwartet eine Flucht zu Gott. Aber Pater Lentz hat kein Drama zu erzählen, nichts zu gestehen. „Ich bin erst mit 33 Jahren zu den Pallottinern gekommen“, erzählt er.
Nach einer Schreinerlehre hat er auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur nachgeholt und dann in Augsburg Theologie studiert. Jahrelang hatte er eine Freundin. Doch immer wieder fragte er sich: „Kann ich in so einer engen Beziehung bleiben?“ Er hatte schon damals sehr enge Beziehungen zur katholischen Kirche, hatte eine sehr gute Beziehung zum Pfarrer im Bärenkeller. Lentz kommt aus einem katholischen Elternhaus „und wuchs quasi in der Pfarrei auf“. Sein Spielplatz „war der Pfarrhof“. Aber eines war ihn schon immer klar: „Wenn ich den kirchlichen Weg einschlage, werde ich Pallottiner“.

Ein langer Weg statt spontaner Entscheidung.

Der Eintritt in den Orden war wohlüberlegt. „Nach meinem Studium arbeitete ich zwei Jahre als Religionslehrer“, schaut der Pallottiner in seine Vergangenheit. Doch ich sagte mir: „Das ist es nicht“. Also meldete er sich für die zwei Jahre des Noviziats. Vergleichbar mit einer Art Hospitanz (oder Grundausbildung). In den zwei Jahren des Noviziates können die Novizen überlegen, ob sie das Versprechen geben können, ob sie Gott folgen und eine verbindliche Entscheidung treffen wollen.
2007 folgte dann die erste zeitliche Profess, in der „Anwärter“ Lentz der Gemeinschaft des Heiligen Vinzenz Pallotti zum ersten Mal gelobte, sich sechs Aufgaben zu stellen: Ehelosigkeit, Armut, Gehorsam, Beharrlichkeit, Gütergemeinschaft und selbstloser Dienst in der Gemeinschaft. Die zeitliche Profess kann man bis zu sechs Jahren immer wieder verlängern.

„Ich habe lebenslänglich“
Vor sieben Jahren erneuerte Pater Lentz sein Versprechen - dieses Mal auf Lebenszeit. „Ich habe lebenslänglich“, lacht der Pallottiner – und „Ich bin jetzt im verflixten Siebten. Bereut hat er seine Entscheidung nie. „Wir leben anders“, sagt er. „Verwurzelt im Glauben, leben wir – frei von den üblichen und alltäglichen Konsum- oder Partnerschaftsverpflichtungen in unserer Gesellschaft – in „örtlichen Kommunitäten“.
Und was ihm ganz wichtig ist: „So bleiben wir auf der Suche nach Gott, der die unendliche Liebe ist. Frei für Impulse. Frei für Begegnungen“. Ihm gefiel die große Offenheit der Mitbrüder - eine Vokabel, die selten fällt, wenn von der katholischen Kirche die Rede ist.
Leben in Fülle
"Wir nehmen Anteil am Anderen. Im Nächsten begegnen wir Gott", sagt er. Und: „Wir haben die Türen und Fenster unserer Kirche weit geöffnet. Von Friedberg aus, wo die deutsch-österreichische Herz-Jesu-Provinz der Pallottiner seit 2007 ihren Sitz hat, werden eine Menge Aufgaben betreut. Angefangen bei der Missionsprokura, die regen Kontakt zu den Missionaren in Indien, Kamerun, Argentinien, Südafrika, Kanada, Australien, Brasilien und Uruguay und neuerdings auch Malawi unterhält. In vielen armen Ländern sind alte, kranke oder behinderte Menschen oft auf sich gestellt. Hier zu helfen, ist eine Mission der Pallottiner.

Pallottis Werk in Friedberg
Im Pastoraltheologischen Institut (PthI) in Friedberg werden Ordensleute aus verschiedenen Gemeinschaften in den Dienst des Diakons oder des Priesters eingeführt. „Das kann man mit dem Referendariat vergleichen“, erklärt Lentz.
In der Pallotti-Kirche finden regelmäßig öffentliche Gottesdienste statt (Aktuelle Angebote siehe www.pallottiner.org).
Auch die Stabsstellen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Marketing und Fundraising und Recht befinden sich in Friedberg. „Nachdem Friedberg die Zentrale aller Pallottiner ist und der „Chef“, Provinzial: P. Helmut Scharler SAC, in Friedberg sitzt, haben wir hier sehr viele Stabsstellen“, erklärt Lentz. Ebenso ist der Pallotti-Verlag in der Metropole im Landkreis Aichach-Friedberg beheimatet.

„Gott ist überall“
Pallottinische Spiritualität ist christliche Spiritualität. – Sie eröffnet Raum für vielfältige Wege der Berufung, weil jeder Mensch schon durch sein Geschaffensein und seinem Gott ähnlich sein zur Heiligkeit berufen ist, so Lentz. „Alle sind ein lebendiges Bild Gottes, in allen ist Gott wirksam. Auf alle hören, wie Gott sich im anderen mitteilt – so entsteht eine Gemeinschaft, in der sich alle einbringen können“, so erklärt der 45-jährige Pater die Pallottiner. Oder ganz einfach: Gott ist Liebe.
Vinzenz Pallotti war der Meinung, dass alle Menschen berufen sind, Apostel zu sein. Für die damalige Zeit eine „provokative“ Idee, da in der Kirche die Hierarchie noch stärker war als heute. Pallotti ermutigt, in allen Menschen das Bild des dreifaltigen Gottes zu sehen. Der Weg dazu geht über die Begegnung mit anderen. In den vielfältigen Situationen des Alltags und zeitweise auch in der Zurückgezogenheit von Reflexion und Gebet: die Gegenwart Gottes erfahren. Die Herausforderung besteht darin, die verschiedenen Phasen von Arbeiten, Gemeinschaftsleben, Beten zu einem Ganzen werden zu lassen: kontemplativ in der Aktion.
Reinschnuppern
Deshalb können sich die Pallottiner allen Themen und Anfragen zuwenden. Gott finden kann man einüben. Hilfen dafür gibt es in der geistlichen Begleitung, in der Literatur oder in Exerzitien. Und wer einfach mal dem Alltag entfliehen will, für den bieten die „Pallottiner Pilgerfahrten“ Gelegenheit. Gelegenheit auch, die Pallottiner und ihre Mission einmal näher kennenzulernen. In Kooperation mit Tobit Reisen in Limburg bieten die Pallottiner Pilgerfahrten in jedem Jahr ein abwechslungsreiches Programm.

„Jede Reise beginnt mit der Sehnsucht, meine eigene ‚kleine‘ Welt zu übersteigen und Neues kennenzulernen“, sagt P. Björn Schacknies, Programmdirektor der Pallottiner Pilgerfahrten. „Das Reisen hat immer auch einen religiösen Aspekt, mich hinausführen zu lassen in die Weite der Welt Gottes, die so viele Überraschungen bereithält, die mir zum Geschenk werden können.“

Reisen und Urlaub, Bildung und Kultur gehören bei den Bus- und Flugreisen selbstverständlich dazu, aber genauso auch geistliche Impulse und spirituelles Erleben für Menschen auf der Suche. So wird jede der Reisen von einem Pallottinerpater begleitet. „So geben wir den Menschen Gelegenheit, sich selbst Gutes zu tun in christlicher Atmosphäre“, sagt Lentz. Und fügt hinzu: „Außerdem erfüllen wir so unseren Bildungsauftrag. Das Leben ist Veränderung.“
Infokasten: Pallottiner Pilgerfahrten
Wiesbadenerstr. 1
D-65549 Limburg / Lahn
Tel.: 06431/941943
Fax: 06431/941942
E-Mail: pilgerfahrten@pallottiner.org

Dem Auftrag des Zweiten Vatikanischen Konzils verpflichtet
Na gut, anderen helfen, glauben, Gutes tun, in armen Ländern helfen, Menschen helfen, sich mit ihrer Spiritualität auseinanderzusetzen, aber was tun die Pallottiner noch? Die Pallottiner wissen sich dem Auftrag des Zweiten Vatikanischen Konzils verpflichtet, „allem Menschlichen in unserem Herzen Raum zu geben. Obwohl wir ganz verschiedene Charaktere sind, wollen wir als Kirche und Gemeinschaft in Christus geeint leben und uns vom Heiligen Geist leiten lassen.“ So heißt es offiziell.
Zur Erklärung: Das Zweite Vatikanische Konzil wurde von Papst Johannes XXIII. mit dem Auftrag zu pastoraler und ökumenischer „instauratio“ (Erneuerung) einberufen. Die Kirche erklärte er als zu eng – man müsse rausgehen an die frische Luft und alle Menschen einbeziehen, erklärt Lentz in kurzen Worten, was das bedeutet. Und fügt stolz hinzu: „Genau das, was 100 Jahre zuvor Pallotti gesagt hat.
Für Pater Lentz bedeutet Pallottiner sein „rauszugehen“ (so wie er als Schulseelsorger, ein anderer der 20 Mitbrüder in Friedberg als Pfarrer in Batzenhofen, etc.), in seinen Worten: „integrierend arbeiten, nicht ausgrenzend“.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.