Friedberger Geschichte(n): Errichtung eines Rennofens nach dem Vorbild der Römer

Die Schüler der 11. Klasse des Gymnasiums Friedberg präsentieren stolz das Ergebnis ihres Schulprojekts Rennofen. (Foto: Andreas Glatzmaier)
 
Ein Tüftler des Friedberger Gymnasiums stampfte Lehm, der anschließend mit Wasser und Gras angereichert wurde. (Foto: Andreas Glatzmaier)

Die elfte Klasse des Staatlichen Gymnasiums Friedberg widmete sich im vergangenen Schuljahr dem Thema Rennofen. „In diesem Schuljahr möchten wir die Aktion nochmals aufarbeiten und dann unser Produkt in einer Vernissage präsentieren“, berichtet Chemielehrer Andreas Glatzmaier.

Im Rahmen des Praxis-Seminars Chemie entwickelte die elfte Klasse des Staatlichen Gymnasiums Friedberg einen sogenannten Rennofen nach dem Vorbild der alten Römer. Das Projekt benötigte ein Jahr lang Vorlauf, welches vor allem von der Planung bestimmt war. „Die Schüler kontaktierten verschiedene Leute, die ihnen bei der Beschaffung von benötigten Materialien helfen konnten“, erklärte Chemielehrer Andreas Glatzmaier. Zur Umsetzung des Projekts brauchten die Schüler Lehm, Ziegel und einen Standort in der Nähe eines Gewässers. Dieser war schnell gefunden: Die Familie einer Schülerin besitzt ein Grundstück direkt an der Paar und dieses war wegen der Wassernähe bestens für das Vorhaben des Seminars geeignet.

Vorbilder aus der Vergangenheit

Ein Rennofen, oder auch Rennfeuerofen genannt ist in etwa 50 bis 220 Zentimeter hoch und besitzt die Form eines Schachtofens. Ganz typisch wurde der Ofen bei den Kelten, Römern und Germanen mithilfe von Lehm, Ziegeln oder Steinen errichtet.
Ab dem 12. Jahrhundert konnten die Öfen bereits etwas größer angelegt werden, da die Menschen wasserkraftbetriebene Blasebalge verwenden konnten. Diese größeren Rennöfen heißen „Stücköfen“ oder auch „Stucköfen“.

Der Rennofen wurde zunächst mit Holzkohle, Holz oder Torf angeheizt. Für die Erzverhüttung wurden von oben wechselschichtig Kohle und fein zerkleinertes Erz mit möglichst hohem Eisengehalt eingefüllt.

Alles andere als langweilig

Die Friedberger Schüler verbrachten allein acht Stunden damit, den Ofen zu errichten und ihn stabil zu halten. Anschließend erhitzten sie ihn. Die Erhitzung dauerte laut den Schülern knappe sechs Stunden, in denen ihnen nicht langweilig wurde.

„Je nachdem, wie stark das Gemisch aus Holzkohle und Erz herunterbrannte, mussten wir eine Portion nachlegen, das war immer so alle sieben bis zehn Minuten“, berichtete ein Oberstufenschüler des Seminars.

Lerneffekt mit Spaßfaktor

Außer dem Lerneffekt, waren sich die Schüler einig, dass der Spaßfaktor nicht zu kurz kam. Die Belüftung des Ofens erfolgt im Normalfall durch einen Blasebalg, obwohl es auch hohe, kaminartige Öfen gibt, in denen der natürliche Luftzug ausreicht. Doch die Tüftler des Friedberger Gymnasiums betrieben ihren Rennofen nicht mit einem Blasebalg, sondern mithilfe einer Luftpumpanlage. Insgesamt 40 Kilogramm Erz bekam die Projektgruppe von Andreas Glatzmaier von einem Forschungsinstitut in Liebenburg geschenkt.

Die Schüler und ihr Lehrer verbrachten ganze 24 Stunden auf der Wiese an der Paar. Die Projektgruppe und Andreas Glatzmaier wechselten sich in kleinen Schichten ab, sodass jeder wenigstens ein bisschen Schlaf abbekam. Während der Verhüttung stellten die Elftklässler fest, dass ihnen ein wichtiges Werkzeug fehlte: eine Schaufel. Diese bauten sie kurzerhand selber aus einer Keksdose.

Noch mehr gestampfter Lehm

Doch damit war noch lange nicht alles getan, denn der Ofen wies an manchen Stellen Risse auf. Es musste mit mehr Lehm nachgebessert werden. Zuerst aber musste der Lehm gestampft werden, anschließend mit Wasser und eigentlich Stroh angereichert werden. Da Letzteres nicht vorhanden war, diente Gras als Ersatz.
In der Regel ist das Produkt des Schmelzprozesses eine, mit Schlacke versetzte, Eisenluppe. Diese bleibt meist im Ofen zurück und wird als Renneisen bezeichnet. Zur Weiterverarbeitung muss eben diese Luppe ausgeschmiedet werden. Als Endprodukt entsteht ein direkt schmiedbares Eisen, das je nach Ofenführung einen unterschiedlichen Kohlenstoffgehalt besitzt. Der Kohlenstoffgehalt ist für den Ausgleich der Eigenschaften nach dem Gärben und zur gleichmäßigen Verteilung der Inhaltsstoffe als Raffinierstahl verantwortlich. Da die Rennofentechnologie auf so viele verschiedene Verfahrensweisen und Bauformen zurückgreifen kann, gibt es keine allgemeingültige Beschreibung. Deshalb existieren auch keine genau en Angaben darüber, wie viel Eisen genau gewonnen werden kann. Jedoch ergaben Versuche, dass zur Gewinnung von einem Kilogramm Eisen ungefähr 30 Kilogramm Holzkohle benötigt werden. Die Friedberger Oberstufenschüler erhielten aus ihrem eigenen Rennofen einen relativ großen Klumpen, der aber noch Schlacke enthielt.

Aufarbeitungder Aktion

„Im Schuljahr 2017/2018 möchten wir die Aktion nocheinmal aufarbeiten und dann unser Produkt in einer Vernissage präsentieren“, berichtete der Chemielehrer stolz. Ein Schüler wirkte immer noch ganz gebannt: „Der Klumpen war größer, als ich erwartet habe.“ Am nächsten Tag baute die Projektgruppe den Ofen wieder ab. „Das war sozusagen ein Einwegofen, eine einmalige Aktion“, erklärte der Projektleiter, Lehrer Andreas Glatzmaier. (Von Svenja Fischer)  
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