Friedberger Stadthalle wird zum Tanztempel

Das Kamel Mach-Mut steht in Tulays Garten an der Friedberger Schlossstrasse. Foto: Stöbich
Friedberg: Friedberg | Der Zauber des Orients soll kommenden Samstag in der Friedberger Stadthalle spürbar werden. Mehr als 40 Mitwirkende werden bei einer großen Tanzshow auf der Bühne stehen (Beginn 20 Uhr). Sie wird von Inge Hoffbauer organisiert, die in ihrem Friedberger Studio orientalischen Tanz unterrichtet. "Der hat aber nichts mit Striptease zu tun“, stellt sie klar, "die Zuschauer erwartet also keine Show mit viel nackter Haut."
Ursprünglich kommt diese Art des Tanzes aus Ägypten und Mesopotamien, dem alten Orient. Im Ägypten der Pharaonenzeit haben die Frauen hinter verschlossenen Türen tatsächlich oben ohne getanzt. Hoffbauer: „Dabei muss man bedenken, dass damals Ägypten und der Orient noch nicht so stark moslemisch fundamental geprägt waren wie heute; in vielen alten Kulturen war es ganz normal, dass Frauen oben ohne oder lediglich mit durchscheinenden Stoffen gekleidet gingen.“
Tulay, wie sich die Friedbergerin bei ihren Auftritten nennt, war schon als junges Mädchen von der Welt des Orients begeistert. „Das wird wie Tülei ausgesprochen und bedeutet verschleierter Mond“, erklärt sie ihren Künstlernamen. Wer das umfunktionierte Wohnzimmer betritt, fühlt sich in eine märchenhafte Szene aus 1001 Nacht versetzt: Exotische Kostüme und Musikinstrumente, eine Pharaonen-Maske, Schleier und Schmuck bedecken die Wände des Tanzstudios.
"Am Samstag wird es in der Stadthallke um eine spannende Safari in die Wüste gehen", verrät sie, "dabei ist man mal mit dem Jeep, mal auf einem Dromedar unterwegs und erlebt fantastische Luftspiegelungen." Trotz jahrelanger Bühnenerfahrung wird das Lampenfieber nicht weniger: „Aufgeregt bin ich noch immer, ob auch alles klappen wird.“ Wenn manche ihrer Schülerinnen zu große Angst vor dem öffentlichen Auftritt haben, zeigt sie ihnen im Garten an der Schlossstraße das Kamel mit dem doppeldeutigen Namen „Mach-Mut“; der Vierbeiner stammt aus dem Fundus des Augsburger Theaters.
Auf der Bühne werden heute auch moderne Mittel eingesetzt, zum Beispiel Stoffe, die es früher nicht gab, oder Musik von digitalen Medien. Es gibt sogar Kostüme, in die LED-Lichter eingearbeitet sind. "Jeder Tanz ist eine Huldigung an die Weiblichkeit", sagt Hoffbauer. "Bei uns fühlen sich auch Frauen ohne Idealfigur gut aufgehoben und lernen, den eigenen Körper zu akzeptieren und schön zu finden." Diese neue Körperfahrung bewirke auch Veränderungen im Bewusstsein.
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