Gudrun Opladen aus Friedberg schreibt Bücher für Kinder und Jugendliche

Gudrun Opladen schreibt Bücher für Kinder und Jugendliche. Besonders interessant dabei ist, dass sie ihre Geschichten einen lokalen Bezug haben. So können die Mädchen und Buben beispielsweise ihre eigene Stadt besser kennen lernen. Foto: Alfred Haas


Reisen bildet. Dabei muss man nicht unbedingt in ein Flugzeug steigen, um seinen Horizont zu erweitern. Ein gutes Buch tut's auch. Die Autoren nehmen ihre Leser an Orte und Stellen mit, die mit einem herkömmlichen Verkehrsmittel nicht zu erreichen sind. Sozusagen ein Navigator in die Welt der Phantasie ist Gudrun Opladen. Die Friedbergerin schreibt amüsante und spannende Bücher für Kinder und Jugendliche. Ihre Worte bauen Bilder im Kopf, die den jeweiligen Erlebnisraum nicht nur vergrößern, sondern auch mit quirligem Leben erfüllen.

Pechschwarze Haare, schier endlos lange Finger, auf ihrem Schoß schnurrt der rot-weiße Kater Tom, der sich gerne streicheln lässt. Der Vierbeiner fühlt sich sichtlich wohl. Gudrun Opladen sitzt im Wohnzimmer ihres großen Hauses und erzählt ihre Geschichte - keine Märchen: Schon als Elfjährige verspürt sie große Lust, Geschichten zu erfinden und niederzuschreiben. "Ich wollte damals schon Schriftstellerin werden." Einige ihrer frühen Werke verfasst sie auf der Schreibmaschine ihres Vaters, und schickt sie voller Selbstvertrauen an den Schneider-Verlag. Zum Bedauern vielleicht vieler Leser, will der Kinderbuch-Verleger die Werke aber lieber nicht veröffentlichen. Der Verlag Franz Schneider reagiert dennoch sympathisch: "Es kam ein Riesengroßes Paket von Büchern nach Hause", erinnert sich die 51-Jährige. Das kommt dem Mädchen gerade recht: "Ich habe sehr gern gelesen und die Bücher geradezu verschlungen." Das mit der Schriftstellerei wird also auf Anhieb nichts. Gudrun Opladen erblickt das Licht der Welt in einem Ort, der genauso heißt wie sie - Opladen, damals Kreisstadt im Regierungsbezirk Düsseldorf. Wer kann das schon von sich sagen? Das sprachgewandte Mädchen studiert nach dem Abitur Politologie und arbeitet anschließend als Journalistin, bis die Kinder und der Umzug nach Bayern kommen und ihr Leben grundlegend ändern. Die 17-jährige Tochter heißt Ronja, "nicht nur weil der Name so schön klingt", sondern auch in Anlehnung an Astrid Lindgrens Buch von der Räubertochter, der 15-jährige Sohn heißt Philipp, "weil er schon im Bauch so aktiv war".

Nach der Geburt der Kinder ist mit der Arbeit erst einmal Schluss. "Ich machte aus der Not eine Tugend", erzählt sie freimütig und streichelt Tom über den Kopf. Sie entdeckt ihr Talent zum Geschichten schreiben erneut. Neben der Hausarbeit und dem Haushalt schüttelt sie quasi Lesestoff aus dem Ärmel, der den Mädchen und Buben die Zeit vertreibt und ihre Vorstellungskräfte herausfordert. Tatkräftig unterstützt wird sie von ihrem Ehemann Dieter Nöth. "Ohne ihm wäre das nicht möglich."

2009 hat "Der kleine Mondhase" Premiere. Das Buch wird in drei Sprachen, deutsch, englisch und chinesisch, erzählt. Die phantasiereichen und schönen Zeichnungen stammen aus der Feder von Roland Prillwitz. Der Grafik-Designer führt übrigens in allen Werken Opladens die Zeichenfeder. "Alwis der Zwerg" und "Die Zecke des Zaren" gesellen sich hinzu. Außenseiter können sich in den Geschichten gut wiederfinden. Die Bücher Opladens haben freilich auch eine kleine Botschaft, die die Leser aber selbst entdecken sollen. Den moralischen Zeigefinger heben will die Autorin nicht. "Das finde ich schrecklich", sagt sie und verzieht dabei etwas die Mundwinkel. Der Kater fühlt sich derweil immer noch wohl auf ihren Schoß.

Zwei ihrer Bücher verdienen es, besonders hervorgehoben zu werden. Da ist zum einen "Ulin und der Schatz im Schloss". Es dreht sich um eine Friedberger Zeitreise, in deren Mittelpunkt, wie der Titel schon vermuten lässt, das Schloss steht. Auf lokaler Ebene sieht die Autorin ohnehin noch viele verborgene Schätze, die für die Kinder zu entdecken sind. "So lernen sie ihre eigene Stadt besser kennen." Durch die kostspielige Renovierung ist das Schloss ein hochaktuelles Thema. Ebenso wie das andere Buch "Willehalm und Arabel". Eine packende Liebesgeschichte zwischen einer sarazenischen Königin und einem christlichen Ritter. Ein Werk, das gerade in diesen Zeiten zu mehr Verständnis zwischen Islam und Christentum beiträgt. Nicht umsonst wurde das Buch 2016 vom Leseforum Bayern als Schulbuch empfohlen und als Sommerlektüre ausgezeichnet. Tom hat mittlerweile genug vom Streicheln und geht seine eigenen Wege.

Gudrun Opladen lacht gerne und oft. Mit ihren pechschwarzen Haaren erinnert sie irgendwie an Schneewittchen. Als ehemalige Fernsehjournalistin ist sie gut strukturiert. Sobald die Idee für ein Buch geboren ist, weiß sie, wie die Geschichte von Anfang bis Ende gestrickt werden muss. Dann sitzt sie täglich mindestens drei Stunden am Computer und schreibt. "Das braucht schon Disziplin." 'Aber sie erlebt dabei "wahre Glücksgefühle".

Bevor das Buch zum Druck geht, muss es noch den kritischen Anforderungen von Ronja und Philipp überstehen. Nicht selten müssen ganze Passagen umgeschrieben werden. Schließlich braucht die Geschichte ein Happy-End. So darf ein Tier nicht sterben, auch nicht, wenn es sich nur um eine Zecke handelt.

Anders wird es auch beim neuesten Werk nicht sein, das schon kurz vor der Veröffentlichung steht. Nur so viel sei verraten: Es geht um Elfen auf Schloss Blumenthal, die sich mit einem Zauberhut gegenseitig verzaubern. Und wenn sie nicht gestorben sind. . .

Mehr über die Friedberger Buchautorin gibt es im Internet unter www.gudrun-opladen.de. (Alfred Haas )
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