Im Friedberger Wahrzeichen haben die Handwerker das Sagen

Noch längere Zeit müssen die Friedberger auf ihr Museum sowie auf Veranstaltungen im Wittelsbacher Schloss verzichten, denn das Wahrzeichen der Stadt wird für mehr als 20 Millionen Euro mindestens bis Ende nächsten Jahres saniert und umgebaut.

Bis zu zwei Dutzend Arbeiter sind auf der Großbaustelle im Einsatz, die Böden heraus- und der Dachstuhl aufgerissen, der komplette Schlosshof ist eingerüstet. Durch die Neukonzeption und die Umgestaltung der Hänge soll das Schloss aus seinem bisherigen Dornröschenschlaf geholt und als Ganzes erleb- und nutzbar werden.

Neben den dringend notwendigen Sanierungsmaßnahmen wird das Schloss wieder zu einem einheitlichen Gesamtensemble umgestaltet. Die Bausünden aus der Zeit, in denen das Vermessungsamt Hauptnutzer des Schlosses war, werden korrigiert und der Wert des Baudenkmals damit erhöht. Außerdem will man die Raumaufteilung und Eingangssituation so umgestalten, dass eine klare Trennung von Museums- und Veranstaltungsbereich gewährt wird, wodurch erst die Möglichkeit für externe Vermietungen entsteht. Das Museum wandert - modernisiert und in einem Rundgang erlebbar - in den Südtrakt des Schlosses.

Auch entstehen Catering-Räume, welche die Attraktivität als Veranstaltungsstätte erheblich steigern. Der Vermietung von Remise und Rittersaal an Privatpersonen, Firmen, Vereine und Kulturveranstalter steht damit nichts mehr im Wege. Hochzeiten, Geburtstage, Weihnachtsfeiern von Unternehmen oder Vorträge von Vereinen könnten in Zukunft das Schloss mit Leben füllen.

Der Einbau von Aufzügen stellt den barrierefreien Zugang zum Museum und den Veranstaltungsräumen sicher und ermöglicht damit einer breiteren Zielgruppe die Teilnahme am Kulturangebot. Neben Sicherungsmaßnahmen für die Stützmauern und für den Schlosshang sowie einem neuen Außenanstrichs werden vor allem die Innenräume renoviert und neu gestaltet. Der Dachstuhl wird in Stand gesetzt, das Dach neu eingedeckt.

Alle erforderlichen Brandschutzmaßnahmen und Fluchtwege werden umgesetzt. Eine neue Heizung sowie neue Fenster sorgen für ein energetisch nachhaltiges Konzept. Das Museum wird räumlich neu angeordnet und zieht in den umgebauten und renovierten Süd-Trakt. Durch die Modernisierung der Ausstellung und den neu geschaffenen Rundgang durch Fayencen, Uhren, Stadtgeschichte, lokale Kunst und Sonderausstellungen soll das Museum künftig gerade für Kinder, Familien und Schulklassen spannend und lebendig werden.

Die neu gestaltete Anlage als Veranstaltungsstätte und als historisches Erbe im Wittelsbacher Land soll künftig die Bekanntheit und Anziehungskraft auf Touristen und Unternehmen steigern und damit positive wirtschaftliche Effekte für die Stadt Friedberg haben.

Das neu geschaffene kulturelle Zentrum könnte mehr Künstler und Veranstalter aus Friedberg und der Region anziehen und dadurch das Kulturangebot der Stadt vielfältiger und attraktiver machen. Viele Jahre lang hatten die Friedberger diskutiert, geplant und neu überlegt. Ein Anwohner des Schlosses klagte erfolgreich gegen die Baugenehmigung, die an fast allen Tagen des Jahres Veranstaltungen bis weit in die Nacht erlaubt hätte. Erst im Frühjahr 2014 kam es zu einer außergerichtlichen Einigung, die die Interessen der Anwohner ebenso sichert wie die Möglichkeiten, das Schloss regelmäßig und sinnvoll zu nutzen.

Die Anlage am nordöstlichen Rand der Altstadt ist quasi die Keimzelle Friedbergs. Als Grenzfestung der Wittelsbacher gegen die Reichsstadt Augsburg errichtet, hat es eine wechselhafte Geschichte hinter sich - mal als Witwensitz der bayerischen Herzöge, Schauplatz höfischen Lebens, mal recht profan als Schranne oder Fayencenwerkstatt benutzt und schließlich vom Freistaat als Eigentümer zum Sitz von Polizei und Behörden mit wenig Feingefühl umgestaltet.
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