In Friedberg steht ein Auto zum Teilen

Ein Auto zum Teilen hat Filialleiter Jürgen Hoch aus Kissing im Angebot. Foto: Stöbich
Friedberg: Friedberg | Neues System in Friedberg hilft Kosten sparen
Peter Stöbich
Friedberg. Am Friedberger Bahnhof ist ab sofort das sogenannte Carsharing möglich, also das Teilen eines Fahrzeugs durch mehrere Nutzer. Diese innovative Lösung für den Individualverkehr bietet die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Autohaus Loder1899 aus Kissing an. Das Fahrzeug kann mit einer Kundenkarte oder einer Handy-App geöffnet werden; der Schlüssel liegt im Handschuhfach.
Der Wagen steht auf einem reservierten Parkplatz östlich des Bahnhofsgebäudes. So funktioniert das System: Nutzer registrieren sich unter www.ford-carsharing.de oder direkt im Autohaus in Kissing, Oberländer Straße 1. Die Kundenkarte kann dort abgeholt werden. Dafür wird eine einmalige Gebühr von zehn Euro berechnet. Der Nutzer erhält für ein Jahr ein Zeitguthaben in Höhe von 20 Euro.
Über die Buchungsplattform kann man sich die Verfügbarkeit des Fahrzeugs anzeigen lassen und dieses reservieren. Zwischen acht und 22 Uhr kostet eine Stunde 2,30 Euro (nachts 1,80 Euro), der gefahrene Kilometer inklusive Treibstoff 19 Cent. Am Ende der Fahrt muss man das Auto wieder an den Bahnhof zurückbringen.
Es muss nicht jeder Nutzer seinen Benzinverbrauch ausgleichen; bei Bedarf liegen Tankkarten im Auto. Die Stadtwerke Augsburg bieten seit über eineinhalb Jahren Carsharing an und haben ihre Standplätze inzwischen auch aufs Augsburger Umland ausgeweitet. Carsharing in den Augsburger Nachbarstädten sei Bestandteil des Konzepts, Mobilität in die Region zu bringen, sagt Stadtwerke-Sprecher Jürgen Fergg. Für Friedberg gebe es derzeit aber keine konkreten Pläne.
Das System ist preisgünstiger als der Betrieb eines eigenen gleichartigen Fahrzeugs, solange die jährlich gefahrenen Kilometer und Nutzungszeiten unter der Rentabilitätsschwelle liegen. Diese ist bei den einzelnen Anbietern unterschiedlich, meist zwischen 10.000 und 20.000 Kilometern pro Jahr. Die Stiftung Warentest kam in einer Modellrechnung mit 5.000 Jahreskilometern auf Kosten von 138 Euro pro Monat, mit einem eigenen Wagen dagegen auf 206 Euro pro Monat.
Feste Kosten wie Anschaffungskosten, Stellplatz- oder Garagenmiete, Kraftfahrzeugsteuer und Versicherungsprämien entfallen. Bei Nichtbenutzung ist je nach Anbieter nur eine geringe oder gar keine Gebühr (z. B. Anmeldegebühr, monatlicher Beitrag) zu zahlen. Die meisten Anbieter integrieren einen Pannendienst, was eine zusätzliche Mitgliedschaft bei Verkehrsclubs überflüssig macht.
Laut einer aktuellen Studie, die der Bundesverband Carsharing jetzt veröffentlicht hat, besitzen in innenstadtnahen Stadteilen 78,2 Prozent aller Kunden stationsbasierter Carsharing-Systeme kein eigenes Auto mehr. Das ist deutlich mehr als im Bevölkerungsdurchschnitt. Innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings beispielsweise leben nur 53 Prozent aller Haushalte autofrei, in allen Großstädten über 100.000 Einwohner sind es im Durchschnitt gerade einmal 18 Prozent.
Die Studie belegt, wie sehr CarSharing einen autoarmen oder sogar autofreien Lebensstil unterstützt: Gäbe es kein Carsharing-Angebot, dann bräuchten die Befragten nach eigener Aussage fast dreimal mehr Fahrzeuge als sie heute tatsächlich besitzen. Jedes Carsharing-Fahrzeug, das neu auf die Straße kommt, führt zur Abschaffung privater Pkw, die nicht mehr gebraucht werden. Die Studie rechnet vor, was sich dadurch tatsächlich verändert: Ein Carsharing-Fahrzeug ersetzt in den untersuchten Stadtquartieren zwischen acht und 20 private Pkw.
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Thorsten Frank aus Augsburg - City | 06.10.2016 | 23:44  
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