Kein Platz für Bratwurst und Pommes

In geselliger Runde macht das Kochen noch mehr Spaß. Hauswirtschaftslehrerin Astrid Junghanns (Mitte) bietet im April und Mai auch Spargel-Kurse an. Foto: Stöbich


Astrid Junghanns ist von Berufs wegen eine Feinschmeckerin: Die Friedberger Hauswirtschaftslehrerin bringt den Teilnehmern ihrer Volkshochschul-Kurse (Vhs) bei, wie man kulinarische Köstlichkeiten zaubert und sich dabei auch noch gesund ernährt. Viele Teilnehmerinnen aus Friedberg, Kissing oder Mering kommen schon seit Jahren immer wieder, um neue Rezepte auszuprobieren. Am 26. April und 12. Mai wird die Fachfrau spezielle Spargel-Kochkurse anbieten. Sie finden jeweils um 18.30 Uhr in der Kissinger Schulküche statt, Anmeldungen sind über die Volkshochschule möglich.

Doch vor dem Schlemmen heißt es erst einmal schuften: Ein Dutzend Frauen braten, hacken, hobeln, putzen, rühren, schälen, schneiden, waschen und würfeln Berge von Zutaten, um daraus Gerichte für Vegetarier und Veganer zu zaubern. Sind Leute, die sich so ernähren, kränkliche Körnerfresser oder kluge Köpfe? Darüber will sich Kursleiterin Astrid Junghanns kein Urteil erlauben; denn sie macht die Essensfrage nicht zu einer Religion, wie es viele Verfechter im Interesse von Tierwohl und Umweltschutz tun.

Die Damen in der Kissinger Küche sind aber keine verbissenen Veggies, sondern haben ganz pragmatische Gründe, warum sie diesen Kurs belegen: "Ich will mir ein paar Anregungen holen, weil unsere Tochter Lena Vegetarierin ist", sagt Sonja Reis. Sie belegt zum ersten Mal eine solche Vhs-Veranstaltung und ist ernährungstechnisch kein Vorbild für die Zwölfjährige. "Aber sie wollte mit einem Mal keine Tiere mehr essen, darum gibt es bei uns jetzt halt unterschiedliche Speisepläne!" Sabine Seger aus Friedberg nimmt schon seit zehn Jahren immer wieder mit Begeisterung teil. "Auch wenn man mal wenig Zeit zum Kochen hat, müssen es ja nicht immer nur Pizza und Pommes sein", sagt sie - aber die sind heute Abend ohnehin gestrichen.

Der abwechslungsreiche Speiseplan lässt einem das Wasser im Mund zusammenlaufen: Paprika-Pilzpfanne, Süßkartoffel-Flammkuchen, Tomaten-Risotto und ein Kokos-Himbeer-Dessert stehen auf dem Unterrichtsplan. Junghanns schildert, wie sich viele tierische Produkte ersetzen lassen: Sahne durch weißes Mandelmus, Honig durch Zuckerrübensirup, für Creme Fraîche, saure Sahne oder Quark kann man pürierten Tofu nehmen, Milch wird ganz einfach durch Soja-, Reis- oder Hafermilch ersetzt. "Doch wer sich vegan ernährt, muss seinen Speiseplan sorgfältig zusammenstellen, um Defizite zu vermeiden", warnt die Hauswirtschaftlehrerin. Neben Säuglingen und Kleinkindern sind auch Schwangere und stillende Mütter sowie Senioren gefährdet. Sie könnten leicht einen Mangel an den Vitaminen B2, B12 und D entwickeln.

Die bundesweit größte Publikumsmesse rund um den pflanzlichen Lebensstil wird vom 30. April bis 1. Mai in München stattfinden: Auf der "Veggie-World" wollen rund 100 Aussteller ihre Produkte und Dienstleistungen präsentieren. (Peter Stöbich )
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