Kleiner Pieks, große Hilfe

Für Linda Leise war ihre erste Blutspende nicht schlimmer als ein Mückenstich. Foto: Stöbich
Friedberg: Friedberg | Blutspenden / Wie man in wenigen Minuten ein Menschenleben retten kann

Peter Stöbich
Friedberg. Mehr als 1200 Blutkonserven benötigen die Kliniken an der Paar in Friedberg und Aichach durchschnittlich jedes Jahr. Aber nur wenige Menschen im Landkreis sind bereit, durch ihre Spenden Leben zu retten; dabei ist der kleine Pieks gar nicht schlimm. Nächster Spendentermin in Friedberg ist am Freitag, 27. Oktober, von 16 bis 20 Uhr im Rotkreuzhaus in der Hans Böller-Straße 4.
Vor ihrem ersten Mal ist Linda Leise etwas zögerlich. Dann nimmt sie aber doch auf der Liege Platz und vertraut sich ihren Kollegen an. "Obwohl ich keine Nadeln mag, war es nicht schlimm", sagt sie wenige Minuten später nach ihrer ersten Blutspende. So hilfsbereit wie die Beauftragte für das Ehrenamt im Rotkreuz-Kreisverband Aichach-Friedberg sind rund sechs Prozent der Bürger im Kreis Aichach-Friedberg.
Wie wichtig Konserven sind, belegt BRK-Kreisgeschäftsführer Robert Erdin mit eindrucksvollen Zahlen: "Täglich brauchen wir in Bayern rund 2.000 Spenden zur Versorgung von Kranken und Verletzten." Er erinnert an das schwere Zugunglück Anfang 2016 mit elf Toten und zahlreichen Schwerverletzten in Bad Aibling: "Damals haben wir sehr viele Blutkonserven gebraucht und unsere Vorräte wieder auffüllen müssen!"
Während es für Linda Leise das erste Mal ist, haben andere Bürger aus dem Landkreis schon bis zu 150 Mal wertvolles Blut gespendet, das konserviert bis zu 42 Tage haltbar ist. Auch für Gottfried Wecker aus Merching und seine Tochter Stefanie ist das seit vielen Jahren eine Selbstverständlichkeit: "Denn vielleicht kommen wir eines Tages selbst einmal in die mißliche Lage, dass wir dringend auf eine Konserve angewiesen sind!"
"Ohne die vielen Helfer auch in den Bereitschaften würden wir alt ausschauen", stellt Erdin fest; auch Landrat Klaus Metzger sagt als BRK-Kreisvorsitzender: "Das Wittelsbacher Land kann dankbar sein, so viele vorbildliche Menschen zu haben, die sich selbstlos für andere einsetzen!" Im Vorjahr gab es 46 Spendentermine, bei denen die BRK-Mitglieder rund 2500 Stunden im Einsatz waren.
"Derzeit spenden im Landkreis nur etwa sechs Prozent der Bevölkerung, aber jeder Dritte ist einmal in seinem Leben auf ein Blutprodukt angewiesen", sagt Linda Leise. Mit modernen Verarbeitungstechniken können die Spenden in ihre Bestandteile zerlegt werden und so bis zu drei Patienten helfen. Das meiste Blut – etwa 19 Prozent – kommt bei der Krebstherapie zum Einsatz. Jeweils 16 Prozent werden bei Herz- sowie Magen- und Darmerkrankungen eingesetzt und 12 Prozent aller Blutprodukte helfen bei Verletzungen aus Unfällen.
Erdin erklärt, wie man mit wenig Aufwand Leben retten kann: "Blut spenden darf man vom 18. bis zum vollendeten 72. Lebensjahr, wenn man gesund ist und nach dem Ausfüllen des Fragebogens sowie bei der Untersuchung des Arztes beim Termin vor Ort keine Gründe für einen Ausschluss festgestellt werden." Außerdem muss man mindestens 50 Kilo wiegen. Als Erstspender sollte man nicht älter als 64 Jahre alt sein. Frauen können viermal, Männer sogar sechsmal innerhalb von 12 Monaten Blut spenden.
Die 12 Monate beziehen sich nicht auf das Kalenderjahr, sondern auf einen 12-monatigen Zeitraum ab der ersten von vier beziehungsweise sechs Spenden. Zwischen zwei Spenden muss ein Mindestabstand von 56 spendefreien Tagen liegen.
Nach der Spende werden in einem ersten Schritt Blutgruppe und Rhesusfaktor bestimmt, danach wird das Blut auf Infektionskrankheiten wie HIV, Hepatitis und Syphilis untersucht. Die Spenden werden in verschiedene Komponenten aufgetrennt; so entstehen Blutpräparate, die für die speziellen Anforderungen in der Transfusionsmedizin hergestellt werden: Erythrozytenkonzentrate, Thrombozytenpräparate und Blutplasma.
"Der Verlust des abgenommenen Blutvolumens von etwa 500 ml ist schnell wieder ausgeglichen", sagt Robert Erdin. Die Nachbildung der weißen Blutkörperchen, welche für die Abwehr von Krankheitskeimen zuständig sind, geschieht innerhalb weniger Tage. Das Blutplasma wird ebenfalls kurzfristig nachgebildet.
Damit eine Blutspende gut vertragen wird, ist es wichtig, vorher ausreichend zu essen und zu trinken. Eine vorherige Anmeldung oder Untersuchung durch den Hausarzt ist nicht erforderlich. Um den Flüssigkeitshaushalt des Körpers auf die Spende vorzubereiten, ist es wichtig, mindestens 1,5 Liter zu trinken (alkoholfrei). Zudem sollte man einen Tag vorher keine allzu fetthaltigen Speisen zu sich nehmen.
Das Blutspenden selbst dauert ungefähr zehn Minuten. Danach ist es wichtig, eine Ruhepause einzulegen. Erstspender erhalten nach einigen Wochen per Post ihren national gültigen Blutspendeausweis, in dem folgende wichtigen Daten eingetragen sind: die genaue Blutgruppe mit Rhesusfaktor, Rhesusformel und Kellfaktor.
Das Engagement des Blutspendedienstes begann im Jahr 1953. Damals beauftragte die Stadt Regensburg den BRK-Kreisverband, die Blutspendezentrale des staatlichen Gesundheitsamtes zu übernehmen. Zu jener Zeit wurden gerade mal 92 Spender registriert. Heute ist der Blutspendedienst ein Tochterunternehmen des Bayerischen Roten Kreuzes und gehört in Deutschland zu den sieben regional tätigen Blutspendediensten des Deutschen Roten Kreuzes.
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