Kommt die digitale Beichte?

Ob Tablet, Smartphone oder PC: Aichachs Stadtpfarrer Herbert Gugler ist täglich in den sozialen Netzwerken für die Pfarrei unterwegs und postet auf Facebook-Seiten und dem Youtube-Kanal Fotos und Videos. Foto: Johannes Heim


Die katholische Kirche ist eine jahrhundertealte Institution, die sich mit Veränderungen schwer tut. Sei es nun beim Zölibat, beim weiblichen Personal oder in der Ökumene mit der evangelischen Kirchengemeinde. Aber auch vor ihr macht das digitale Zeitalter nicht Halt. Stadtpfarrer Herbert Gugler ist in sozialen Netzwerken und auf Homepages aktiv und erklärt, wie wichtig Medienpräsenz und Digitalisierung für die Gemeinden und die Kirche als Ganzes sind. Ganz ähnlich sieht das auch sein evangelischer Kollege Pfarrer Winfried Stahl.

"Das Anliegen der Kirche ist natürlich die Glaubensverkündung, die frohe Botschaft in die Gesellschaft hinauszutragen, dabei spielen auch die Medien eine große Rolle", erklärt Gugler.

Hier sei das Bildmedium besonders wichtig. "Man folgt damit dem Beispiel Jesu, der auch viel in bildhaften Gleichnissen gesprochen hat." Seit Mitte der 1990er Jahre gibt es die Internetseite der Pfarreiengemeinschaft Aichach (www.pg-aichach.de), auf der Termine und die Gottesdienstordnung abgerufen werden können. Auch Gugler ist täglich in den sozialen Netzwerken für die Pfarrei aktiv, stellt Fotos ein oder postet Termine.

Neben der Facebook-Seite (facebook.com/pg-aichach), die gleichzeitig mit Twitter verlinkt ist, gibt es seit neuestem auch einen Youtube-Kanal der Pfarreiengemeinschaft. "Dort werden vor allem Videos von Jugendgottesdiensten gepostet, Ausflüge der Kommunionkinder oder Ähnliches." So können auch kranke oder ältere Menschen, die nicht mehr in den Gottesdienst kommen können, diesen im Nachhinein miterleben. Wichtig sei es, diese "Visitenkarte der Kirche in der virtuellen Welt" zu pflegen.

Das kommt an, einige Videos mit Jugendbands haben bereits mehr als 1500 Klicks und auch die Facebook-Seite ist mit knapp 400 Fans eine der beliebtesten der Pfarreien des Bistums.

Aber auch im Gottesdienst und der Kirchenarbeit selbst kommen Medien zum Einsatz. Gerade bei Jugendgottesdiensten werden Beamer und Leinwand eingesetzt, um Bilder zu zeigen. Für die diesjährige Firmvorbereitung wurde sogar ein Arbeitskreis "Smartphone-Beten" gegründet. "Die Kinder haben sich Fürbitten für den Gottesdienst ausgedacht und mit dem Handy versendet. Außerdem wurden Videos mit den Smartphones zum Thema "Was bedeutet Firmung für mich?" aufgenommen und den Kirchenbesuchern als Einladung für den Firmgottesdienst in der Kirche gezeigt", so Gugler.

Er selbst besitzt sowohl Smartphone als auch Tablet und hat sich für die Schule einen Beamer angeschafft. "Ich arbeite im Religionsunterricht viel mit dem Tablet und nutze zum Beispiel eine Martin-Luther-App oder ein Quiz, um die verschiedenen Religionen zu erklären." Dabei sehe man, dass Medien für die Kinder ein willkommener Zugang zu Kirche und Religion seien.

Man wolle mit den Medien Interesse wecken und neugierig machen. "Wo die Menschen sind, da muss auch die Kirche sein, auch in den sozialen Netzwerken."

In der evangelischen Gemeinde Aichach wird vor allem in den Jugendgruppen der Mitarbeiterkreise über soziale Netzwerke für die Jugendfreizeit oder die Kindernacht kommuniziert, berichtet Pfarrer Winfried Stahl. Seit rund sieben Jahren kümmert sich das Sekretariat zudem um die Internetseite (www.aichach-evangelisch.de). Dort können Gemeindebriefe heruntergeladen sowie Termine und Bildergalerien angesehen werden.

Eine eigene Facebook-Seite hat die evangelische Gemeinde bisher noch nicht. "Ich möchte aber nicht ausschließen, dass das kommt, man darf sich dem nicht verschließen", so Stahl. Auch im Bereich der Ökumene könne er sich vorstellen, bei gemeinsamen Veranstaltungen und Terminen soziale Netzwerke stärker zu nutzen. Gerade in der Kirche sei aber in vielen Bereichen, wie der Krankenseelsorge, die Face-to-Face-Kommunikation wichtig.

Dass die digitale Beichte kommt, glaubt auch Stadtpfarrer Gugler nicht. "Das Ganze soll nicht das Beten oder die Teilnahme am Gottesdienst ersetzen, sondern die Medien können dazu beitragen, die Menschen in die Kirche zu holen." Seelsorge lebe von dem persönlichen Kontakt zu den Menschen.

"Die Zukunft der Kirche wird auch davon abhängen, wie man mit dem digitalen Wandel umgeht und sich den Herausforderungen einer medialen Gesellschaft stellt", verdeutlicht Gugler. Wenn man die "digitale Schöpfung" nicht nutze, brauche man sich nicht wundern, wenn noch mehr Kirchenbesucher ausbleiben.

Gerade die Jugend könne man so abholen und nach dem Vorbild von Papst Franziskus auch das altmodische Image der Kirche aufbessern. "Damit erreicht man manchmal mehr, als mit einer hochtheologischen Predigt." (Johannes Heim )
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