Kunst für alle kreativen Köpfe: Rose Maier Haid will in Friedberg wieder für Überraschungen sorgen

Rose Maier Haid bereitet zwei Ausstellungen in Friedberg vor. Foto: Stöbich
Friedberg: Friedberg |

"Akademie für freie Kreativität" steht am Eingang zur Kunstschule von Rose Maier Haid in der Bauernbräustraße. Dort bietet sie nach eigenen Worten "einen geschützten Raum der Ruhe und Konzentration, der es möglich macht, sich auf die Reise zu den inneren Bildern zu begeben". Zwei große Ausstellungen sollen diese Bilder für alle Friedberger sichtbar machen, die auch ihre eigene Kreativität bei mehreren Kursen erforschen können. Zwischen 13. und 17. Februar gibt es für Kinder und Erwachsene neue Angebote; Interessenten finden nähere Informationen auf der Internetseite des Kunstwerks.

Das wird durch einen Förderverein unterstützt, der am Mittwoch, 9. März, zu seiner Jahreshauptversammlung einlädt (Beginn um 19 Uhr in der Kunstschule). Dabei wird Rose Maier Haid, die sich seit neuestem Freihaid nennt, auch ihre Planung für die kommenden Monate vorstellen. Einzigartig soll die Ausstellung vom 2. bis 30. April sein, und so ist sie auch betitelt. "Mit Fingerabdrücken meiner Schüler von fünf bis 80 Jahren wollen wir zeigen, wie einzigartig und unverwechselbar jeder Mensch ist", sagt sie.
Die Studierenden haben einen Abdruck ihres rechten Zeigefingers riesig vergrößert auf Papier gemalt und werden diese Bögen, Linien, Kringel und Schleifen im Kunstwerk zeigen; dort wird außerdem ein begehbarer Fingerabdruck mit Kreide auf den Boden gemalt.
Am 9. April wird dann die 37. Friedberger Kunstausstellung in der Stadthalle eröffnet. Dort zeigen zahlreiche Künstler bis zum 23. April bei freiem Eintritt ihre Grafiken und Gemälde, Installationen und Skulpturen. Wie immer hat sich Maier Haid wieder etwas Besonderes einfallen lassen und unternimmt am 20. April einen "Kunsttiefblick": Von 20 bis 21 Uhr ist sie mit den Ausstellungsbesuchern mit einer Taschenlampe unterwegs und kündigt an "So wird nie Gesehenes sichtbar!".
Bei all ihren Aktionen geht und ging es ihr in den vergangenen Jahren darum, "dass sich die Menschen mit sich selbst beschäftigen und Friedberg zur Kunststadt machen". Das soll auch am 8. August wieder so sein, wenn in der Stadtmitte für wenige Minuten Menschenskulpturen zu sehen sein werden. "Dieses Jahr wird es eine Invasion der Friedbären geben", sagt die Initiatorin. Zahlreiche grosse und kleine Exemplare des "Pegursus Friedbergensis Poetikuss" sollen die Passanten inmitten ihres Alltags überraschen.
Mit ähnlichen Aktionen hat die "Kunstarbeiterin", wie sie sich selbst bezeichnet, in und für Friedberg schon eine Menge auf die Beine gestellt und bewirkt, wie Bürgermeister Roland Eichmann vergangenen Herbst bei der Verleihung des Goldenen Ehrenrings feststellte. Sie gründete 1984 die Malschule, ist Mitglied der Künstlergruppe Friedberg, Mitbegründerin der Kunstsoziale sowie Initiatorin von „Kann ohne Kanone“, einer Anleitung für Kinder zur Abrüstung im Kinderzimmer, und der Aktion „Menschenskulpturen“.
Es gab üble Zeiten, da hatte sie Drohbriefe im ihrem Briefkasten, so groß war der Hass einiger Friedberger auf eine Frau, die es ohne Kunst nicht aushielt und die Stadt etwas schöner und kreativer machen wollte. Als sie es 1992 erstmals wagte, beim Skulpturenpfad Kunst im öffentlichen Raum zu zeigen, brach sich die Zerstörungswut Bahn, aber sie gab nicht auf.
Um ihre Vorstellungen und Visionen zu verwirklichen, waren eine Menge Fleiß und Beharrlichkeit notwendig. Damit ging sie ihren Weg als eines von sechs Kindern eines Dorfschulrektors in der württembergischen Provinz. Der Weg zur Kunst führte über eine Schneiderlehre, die Modebranche und viele Umzüge nach Frankfurt, wo sie ihre erste Malschule eröffnete - um den beiden eigenen und anderen Kindern nahe zu sein. Über den Umweg Augsburg landete sie 1984 in Friedberg.
"Die Mühe war mir nie zuviel", sagte sie einmal zur Eröffnung einer Ausstellung. "Ich kniete auf harten Steinen und fügte dieselben aneinander, vergaß die Ferien, Freizeit und Fortführung meiner eigenen Künstlerlaufbahn. Wichtig und oberstes Gebot war mir die soziale Plastik." Nur aus der Kreativität des Menschen heraus können sich Verhältnisse ändern, betont sie. "Gerade in schwierigen Zeiten sind Kultur und Kunst besonders wichtig."
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