„Liebe deine Stadt“: Produzent des Songs mit Lukas Podolski kommt aus der Region - „Sytros“ im Porträt

„Liebe deine Stadt“ singen Cat Ballou im gleichnamigen Song über Köln. Im Musikvideo dazu ist auch Fußballprofi Lukas Podolski zu sehen. (Foto: Screenshot Nayra Weber)
 
Der Aichacher Max Schiele produzierte "Liebe deine Stadt", der 2016 in den Charts war. Seit zehn Jahren komponiert er eigene Musikstücke am Rechner. Mittlerweile arbeitet er als Musikproduzent mit namhaften deutschen Bands und Rappern zusammen. (Foto: Nayra Weber)

Es ist ein Online-Hit, wie Produzenten nur davon träumen: Der Song „Liebe deine Stadt“, der in Zusammenarbeit von Rapper Mo-Torres, der Rockband Cat Ballou und Fußballprofi Lukas Podolski entstand, schaffte es Ende des vergangenen Jahres aus dem Nichts auf Platz eins der deutschen Download-Charts, in den deutschen Singlecharts belegte das Lied Rang 26. Doch nicht nur in Köln ist man stolz darauf – produziert hat den Song der Aichacher Max Schiele.

Unter dem Pseudonym „Sytros“ arbeitet der 26-Jährige als Musikproduzent. Was 2007 als Hobby begann, hat sich allmählich zu einer Berufung entwickelt. Soeben hat Max Schiele sein Studium, Mathe und Kunst auf Lehramt, beendet. Im Herbst kommenden Jahres beginnt er sein Referendariat – wenn ihm nicht die Musik dazwischen kommt, was er insgeheim hofft.

Musik in den Genen

Musikalisches Können wurde dem Aichacher praktisch in die Wiege gelegt, auch sein Großvater und sein Vater waren leidenschaftliche Musiker. Im Hip Hop und Rap fühlte sich Schiele von Anfang an am wohlsten. In diesen Genres sei der Einstieg als Produzent einfacher, da der Aufbau der Stücke sehr klar sei, erklärt Schiele. 2008 präsentierte er online seine ersten produktionstechnischen Gehversuche und bot sie kostenlos zum Reinhören an. Die gute Resonanz bestärkte ihn darin, weiter zu machen.

Man traf sich im Internet

Übers Internet wurde der Kölner Rapper Mo-Torres auf Max Schiele aufmerksam. Seit rund fünf Jahren kennen sich die beiden. Als Mo-Torres damals online einen Beat von Schiele entdeckte, gefiel er ihm so gut, dass er darauf rappte und es aufnahm. Kurze Zeit später fragte er bei dem Aichacher an, ob Interesse an einer Zusammenarbeit bestehe. Durch die Zusammenarbeit mit Rappern und Bands aus Köln ist „Sytros“ dort bereits ziemlich bekannt, wohingegen Max Schiele im Wittelsbacher Land noch nicht viele als solchen erkennen. Auch mit Augsburgsfinest, einem Rapper aus Augsburg, und Sickstie aus Berlin hat er schon zusammengearbeitet.

Den Anfang lieferte der Jahresrückblick 2013 des Berliner Rappers Gio, für den Max Schiele das Instrumental lieferte. Es folgten Beats für Singles von Mo-Torres, auch auf zwei Alben und zwei EPs des Kölner Rappers ist Schiele bereits vertreten. Momentan arbeiten die beiden an einem neuen Album.

Große Resonanz und großer Einsatz: Stunden am PC

Anfangs hat Max Schiele zur Übung Melodien aus Filmen nachgespielt, sich dadurch inspirieren lassen und so sein Können erweitert. Auch aus Online-Tutorials, filmischen Gebrauchsanleitungen im Internet über das Produzieren von Musik, hat er gelernt. Mittlerweile ist er so gut, dass ihn seine Fans gebeten haben, selbst eines herzustellen und ihnen zu zeigen, wie seine Songs entstehen. Während in anderen Tutorials einfach die Handgriffe anhand eines bereits bestehenden Stückes erklärt werden, plant Max Schiele ein Video, das tatsächlich den Weg von der Idee bis zum fertigen Song zeigt.

„Sytros“ arbeitet im Keller seines Elternhauses. Dort hat er sich mit einem leistungsstarken PC, Lautsprechern, zwei Monitoren, einem Keyboard und einem entsprechenden Programm ausgestattet und produziert Musik. Wenn Songs aus dem Bauch heraus entstehen, sind sie schon mal in drei bis fünf Stunden fertig. Auftragsarbeiten dauern bis zu 30 Stunden, erzählt Schiele.

Arbeit im Keller

An freien Tagen (der 26-Jährige ist als Filmvorführer im Aichacher Cineplex tätig) sitzt er fast ganztags an Rechner und Schreibtisch und komponiert. Mithilfe von Programm-Plugins kann er aus einem großen Repertoire an (virtuellen) Instrumenten in seinem Rechner schöpfen. Manchmal lässt er aber auch extra echte Instrumente aufnehmen, in „Liebe deine Stadt“ etwa ist Cat-Ballou-Gitarrist Oliver Niesen zu hören. Momentan muss sich Schiele diese Einspielungen schicken lassen, ein eigenes Studio mit Aufnahmemöglichkeit ist das Ziel.

Die Melodien spielt er über das Keyboard ein, der 26-Jährige hat früher Klavier gespielt. Er arbeitet ohne Noten, rein nach Gehör. Im Laufe der Zeit sind Schieles Stücke nicht mehr ganz so Hip-Hop-lastig und poppiger geworden, „und das ist auch gut so“, erklärt er, denn er mag es melodisch. Electro-Musik ist aus diesem Grund nicht seine Richtung, und die möchte er auch nicht produzieren. „Mein Traum wäre es natürlich, wenn ich von der Musik leben könnte“, gibt Schiele zu. Sich verstellen möchte er aber nicht, um (noch) erfolgreicher zu werden.
(Von Nayra Weber)
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